25. Mai 2017, 08:20 Uhr

Fremdenverkehr

Mit neuem Konzept neue Gäste locken

Grünberg zählte im Vorjahr rund 60 000 Übernachtungen. Doch will die Stadt mehr, setzt dafür auf bessere Vernetzung, Aktivurlaube sowie das Interesse an Historie und Kultur.
25. Mai 2017, 08:20 Uhr

»Zuvor fehlte es an der personellen Ausstattung, um große Schritte im Fremdenverkehr zu tun«, sagt Bürgermeister Ide. Seit fast zweieinhalb Jahren aber sei das anders. Womit er die Verdopplung an »Manpower« für das Aufgabengebiet Tourismus/Stadtmarketing Anfang 2015 meint – von einem auf zwei Drittel einer Vollzeitstelle. Die Gänsefüßchen übrigens sind berechtigt, ist doch die Position mit Johanna Lang besetzt. Im letzten Drittel ihrer Vollzeitstelle kümmert sich die 25-Jährige mit Abschluss in Tourismuswirtschaft (B.A.) um das Veranstaltungsmanagement.

Neben den personellen Voraussetzungen verfügt Grünberg nun auch über ein inhaltliches Konzept. Das Stadtparlament hatte 2016 die Summe von 20 000 Euro bereitgestellt, das Unternehmen BTE, Fachbüro für Tourismus- und Regionalberatung, erhielt den Auftrag. In zwei Workshops haben dessen Experten mit interessierten Bürgern das 30 Seiten starke Papier erarbeitet. In den »Condomer Stuben« wurde es soeben der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Bedingungen für eine Profilierung als Tagungsort, Ausflugsziel oder gar Urlaubsort sind in Grünberg besser als anderswo: zentrale Lage am Rande des Vogelsberges als Destination für Aktivurlauber und Naturfreunde, pittoreske Fachwerkensembles, ausreichend Gästebetten, Campingplatz. Nicht zu vergessen: Stätten beruflicher Fortbildung oder die Sportschule, die die Stadt bekannt machen. Mit 33 000 Gästen und gut 60 000 Übernachtungen im Vorjahr rangierte die Stadt auf Rang drei im Kreis Gießen. Auf dass es wieder mehr werden, will Grünberg sich bekannter und attraktiver machen. Dies im Konzert des Teilraum-Ost, der auch gemeinsam den Fremdenverkehr nach vorn bringen will, wozu die geplante E-Bike-Route, der Ausbau des Radwegenetzes oder der »Lutherweg« als Beispiele genannt seien.

Vor Luftschlössern hüten

Dass man auf Kooperation setze, etwa auch mit der Vogelsberg-Touristik, formulierte denn auch der Bürgermeister als Prämisse. Es gelte, Grünberg und die Region als Ganzes schmackhaft zu machen. »Allein schaffen wir das nicht«, postulierte er bei der Konzeptvorstellung.

Vertreter des Fachbüros BTE unter Ägide von Geschäftsführer Oliver Melchert und gut zwei Dutzend Bürger haben in vielen Stunden zunächst Grünbergs Stärken, Schwächen und Potenziale herausgearbeitet. Dass der Trend weiter Richtung Inlands-Kurzurlaube gehe, die Stadt, unweit der kaufkraftstarken Region Rhein/Main, sich darauf fokussieren sollte, lautete der Rat Melcherts. Aber: »Die Konkurrenz wächst von Jahr zu Jahr. Sie müssen sich aus der Masse hervorheben.« Die Zielgruppe wird auch hier immer älter. Nachhaltige Angebote wie Wandern oder Radtouren seien auch deshalb weiter im Trend (auch dank der Batterieunterstützung in bergigem Radlerterrain). Der Ausbau der Infrastruktur wäre somit von Vorteil, ist freilich in Teilen schon in Arbeit. Laut Expertenrat bzw. Konzept sollte Grünberg mit seinen Stärken effektiver werben, um spezielle Interessensgruppen anzulocken. Empfohlen wird hierzu eine »erlebnisorientierte Kombination«; mit den Schwerpunkten Geschichte/Geschichten (Klöster, alte Handelsroute, Theo Koch etc.), abwechslungsreiche Landschaft, kulturelle Angebote (Folkfestival, Volksfeste, Barfüßer etc.).

Aus der Fülle der vorgeschlagenen Maßnahmen sei eine Auswahl zitiert: Aufwertung der Freizeitwege (Pflege sicherstellen, kurze Rundwege anlegen, Zertifizierung als Premiumwege, Leihangebote, Projekt »Weg des Wassers«/Stadtmühle voranbringen); Erhalt des Ortsbildes (Leerstand bekämpfen, Begrünungen); touristische Entwicklung Brunnental (Aufteilung in Nutzungszonen, Erlebnisweg); Stärkung des Schwerpunktes Kultur/Geschichte (Stadtführungen weiterentwickeln, bessere Erlebbarkeit historischer Gebäude); Tagungsangebote ausbauen; Vernetzung; Optimierung des Marketings. Am Ende sei nochmals Melchert zitiert: »Sie haben in Grünberg eine solide Basis, die es weiterzuentwickeln gilt.« Dass man sich aber tunlichst vor dem Bau von Luftschlössern hüten sollte, fügte er an. Davor freilich dürfte die Kassenlage der Stadt bewahren.

Pfunde, mit denen Grünberg künftig noch stärker wuchern will: Geschichte und Geschichten, wie sie auch das »Museum im Spital« bietet, kulturelle Highlights wie das Folkfestival und eine zum Wandern einladende Natur. (Fotos: tb/Archiv)

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