05. Juni 2018, 15:15 Uhr

Formel 1

»Mit Bernie Ecclestone bin ich per du«: Ein Formel 1-Fan aus Lollar erzählt von seiner Leidenschaft

Er war Stammgast bei der Formel 1, kennt viele Größen persönlich. Und er hat sich beigebracht, Rennwagen originalgetreu nachzubauen. Ein Besuch in Peter Schakows Hobby-Räumen in Lollar.
05. Juni 2018, 15:15 Uhr
Peter Schakow (Foto: jwr)

Ein dünner grauer Schleier aus Staub hat sich über Peter Schakows verwinkeltes Reich gelegt. »Wie das hier aussieht, alles vermodert«, sagt er. Seit Monaten hat der Lollarer diese Räume nicht mehr betreten, obwohl sie ihm alles bedeuten. »Das ist mein Lagerraum, wo mein Leben gespeichert ist.«

John Lennon ging ich irgendwann auf die Nerven, der hat mir dann den Vogel gezeigt

Peter Schakow

Schakow (72) steigt mühsam eine Metall-Leiter hinauf. Überall stehen Formel1-Modelle, teils im Maßstab 1:1, teils kleiner. Schakow hat sie alle selbst gebaut. »Meine Lieben«, sagt er und streicht fast zärtlich über eines der Modelle.

Stolz erklärt er Details zu den in Handarbeit gefertigten Kunstwerken. »Das hier kann man als Simulator nutzen«, sagt er, »die Rennstrecke wird per Beamer projiziert«. Schakow spricht schnell, ohne Punkt und Komma. Er hastet durch den Raum, zu jedem Gegenstand, jedem Foto fällt ihm eine Geschichte ein.

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In den Modellen steckt viel Arbeit. (Foto: jwr)

Hat er mal darüber nachgedacht, seine Sammlung als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen? »Ne, da habe ich keinen Bock drauf. Ich will keinen Trubel.«

 

Tüftler und Künstler

Die Vita des an der Elbe geborenen Schakow passt in keinen standardisierten Lebenslauf. Einst hat er eine Ausbildung als Tankwart begonnen, doch auf Dauer war das nicht sein Ding. »Wirklich malocht hab ich nicht, aber viel rumgewerkelt. Ich hab im Leben eigentlich nur gemacht, was mir Spaß macht – so bin ich kein Millionär geworden.« Schakow lacht.

Er sieht sich als Tüftler und Künstler, hat sich in Sachen Holz, Metall, Glasfaserkunststoff und Elektronik vieles selbst beigebracht. »Ich habe es von meinem Vater«, sagt er, der war Schreinermeister. Später hat er sich an diversen Rennstrecken manches abgeguckt. Seine Modelle hat er möglichst günstig produziert. »Das hat mich gar nicht so viel gekostet, das Holz habe ich mir vom Sperrmüll geholt. Und ich habe nie was weggeschmissen.«

 

Schicksalsschläge in einem bewegten Leben

Schakow hat in den 1980ern selbst an Kartmeisterschaften teilgenommen. »Ich bin mitgefahren, war aber nicht der große Meister.«

Er wohnt ein paar Straßen entfernt von seiner Hobby-Welt. »Von unserem Balkon aus sehe ich meine Vergangenheit«, sagt er. Den Wald, wo er als Kind gespielt hat; das Haus, wo sein Sohn gestorben ist. Der Tüftler hält kurz inne, geht nicht weiter auf den Verlust eines seiner Kinder ein. »Rückschläge gehören zum Leben dazu, das hab ich gelernt.«

Durch einen Spalt im Dach fällt Sonnenlicht in den dunklen Raum. Die stark befahrene Straße jenseits der Tankstelle, das Treiben im Dorf scheint meilenweit entfernt. Schakow verzichtet gern darauf. »Ich habe wenig Kontakt ins Dorf, ich habe nicht viele Freunde.« Albert von Thurn und Taxis, jener Spross von Fürstin Gloria, »das ist mein Freund«, schiebt er schnell hinterher, »den besuche ich immer über meinen Geburtstag im Dezember«.

 

Ein Familienmensch war er nie

Mit alten Schulfreunden trifft er sich eher nicht. »Viele geben an, erzählen, was ihnen alles gehört und was sie erreicht haben. Das mag ich nicht.« Schakow hadert mit seiner Spezies: »80 Prozent der Menschen sind dumm, der Rest ist clever.« Welcher Gruppe er sich selbst zurechnet, versteht sich.

Die Wände in Schakows Hobby-Reich sind voll von Erinnerungen. Fotos von ihm mit berühmten Rennfahrern, Reportern, Musikern. »Mit Bernie Ecclestone bin ich per du«, sagt er. Familienfotos sind nicht zu sehen, zumindest zeigt Schakow keine. Mit seiner Frau ist er seit 25 Jahren verheiratet, hat Kinder aus vorherigen Beziehungen. »Ab und an telefonieren wir«, sagt Schakow. »Aber ein Familienmensch war ich nie, das lag an mir«.

 

Reifen von Schumi

Am Ende seines Reichs erstreckt sich Schakows »Studio«. Ein Hauch von Hobby-Keller liegt in der Luft, doch statt hölzerner Sitzecken stehen hier lederne Sessel, statt Modelleisenbahn detailgetreu nachgebaute Boliden. Er zeigt auf einen Satz dicke Reifen. »Die hat der Michael gefahren«, sagt er. Er meint Michael Schumacher.

Daneben steht das Handwerkszeug für eine komplette Rockband. Auch für seine zweite Leidenschaft hat Scharkow hier Platz gefunden. Früher spielte er Bass. Er zückt eine selbstgebaute E-Gitarre, der legendären Gibson-Les Paul nachempfunden.

 

John Lennon privat gekannt

Auch ein Schlagzeug hat Schakow aufgebaut. Staub auf den Trommelfellen verrät, dass sich schon länger niemand mehr an ihm ausgetobt hat. »Wenn ich manchmal die Gitarre anfasse und zittere, bekomme ich schon Angst. So schlimm ist das, dieses scheiß Parkinson«, sagt Schakow und fasst rasch das nächste Bild ins Auge. Die Krankheit nervt ihn, doch er ist niemand, der viel darüber spricht.

Mit zitterndem Zeigefinger deutet er auf ein Foto Das Bild zeigt ein Hotel in New York. Die Stelle, an der John Lennon erschossen wurde. Schakow hat dort mal Blumen abgelegt – und auch dazu eine Geschichte parat: »Ich hab John Lennon privat gekannt«, sagt er. In den 1960ern hat der Beatle einen Film in der Lüneburger Heide gedreht, er sei dort zufällig auch unterwegs gewesen. Sie seien ins Plaudern gekommen. »Dem ging ich irgendwann auf die Nerven, der hat mir dann den Vogel gezeigt«. Schakow lacht. »Das war schon ein Erlebnis!«

»So, ich mach noch schnell das Licht aus«, sagt Schakow, dann steigt er langsam wieder die Leiter hinab. Wer weiß, wann er das nächste Mal hier sein wird.

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