23. November 2017, 18:00 Uhr

Im Finale

Mit 51 auf den Laufsteg

Abendkleid und High Heels sind eigentlich nicht ihr Ding. Dennoch wird Ingrid Gehre-Bock aus Laubach beides vor einer Jury präsentieren. Bei der Wahl zur Miss 50plus Germany.
23. November 2017, 18:00 Uhr
Letztes Handanlegen an die Abendgarderobe: Die gelernte Dekorateurin Ingrid Gehre-Bock peppt ihr Outfit mit Federn auf. (Foto: ti)

Ein Kleid mit floralem Muster, Strickjacke, blickdichte Strumpfhose, flache Stiefel. Ingrid Gehre-Bock trägt ein geschmackvolles Outfit. Bequem, alltagstauglich. Aber kein Klassiker für den Laufsteg. Dennoch hat offenbar genau dieser Stil Mitte Oktober überzeugt. Denn die 51-Jährige ist eine von 20 Finalistinnen beim Wettbewerb »Miss 50plus Germany«.

Mehrere hundert Frauen hatten sich in diesem Jahr beworben. Die Laubacherin schaffte es mit 59 anderen in die engere Auswahl. In einem »Lieblingsoutfit« trat sie vor vier Wochen in Frankfurt zum ersten Mal vor eine Jury – in Tanktop, Strickjacke, Filzwickelrock und Bikerstiefeln. »Ich wollte mich so präsentieren, wie ich bin«, erklärt die gebürtige Gießenerin ihre damalige Auswahl. »Abendkleid und High Heels, das ist nicht meins«, sagt sie. In wenigen Minuten musste sie sich vorstellen, Fragen beantworten, überzeugen. Drei Tage später kam die Zusage für das Finale. »Ich dachte, ach du Alarm, jetzt haben die mich tatsächlich ausgewählt«, erzählt sie.

Ich möchte zeigen, dass man nicht 20 sein muss, um attraktiv zu sein

Ingrid Gehre-Bock

Eine der Jury-Fragen zielte auf ihre Motivation ab und die formuliert Ingrid Gehre-Bock so: »Ich möchte zeigen, dass man nicht 20 sein muss, um attraktiv zu sein.« Ein Zeichen setzen, anderen Mut machen. Vor kurzem noch ein undenkbarer Schritt für die attraktive, sportliche Frau, die bis dato sehr mit ihrem Alter gehadert hatte. »Meinen 50. Geburtstag habe ich komplett unter den Tisch fallen lassen.« Doch dann habe eine Freundin zu ihr gesagt: 50 Jahre, so alt muss man erst mal werden. »Das hat bei mir einen Schalter umgelegt. Mir wurde bewusst, dass ich mich glücklich schätzen kann«, sagt sie.

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Dennoch packte sie die Annonce zu »Miss 50plus Germany«, auf die sie eine andere Freundin aufmerksam gemacht hatte, zunächst beiseite. Am 13. September, dem Tag des Einsendeschlusses, fiel sie ihr wieder in die Hände und sie entschied sich für die Teilnahme. Freunde und Familie fanden das gut, bestärkten sie in ihrem Entschluss. »Der Wettbewerb ist eine Plattform, anderen Frauen zu zeigen, dass man sich in unserem Alter nicht verstecken muss«, findet Gehre-Bock. Dieses Forum will sie nutzen. Und sie will diese Erfahrung für sich selbst machen, ist sich sicher, dass sie eine solche Chance kein zweites Mal bekommt. »Ich habe nichts zu verlieren. Im Gegenteil. Ich kann nur gewinnen.«

Outfits aufpeppen

Seit Wochen kreisen ihre Gedanken deshalb immer wieder um die vorgegebene Garderobe, die sie und ihre Mitstreiterinnen am 25. November im Schloss Oldenburg präsentieren sollen – Jeans und weiße Bluse, Business-Outfit, Abendkleid. Teils aus dem eigenen Schrank, teils aus denen der Freundinnen hat sie ihre Kombinationen zusammengestellt und – zumindest mitunter – aufgepeppt. An Korsage und Handschuhe beispielsweise nähte sie Straußenfedern, vielleicht will sie auch dem langen, dunkelgrünen Taftrock, der das Ensemble für den Abend komplettiert, noch ihren kreativen Stempel aufdrücken.

 

Ich habe immer irgendein Projekt

Ingrid Gehre-Bock
Kein Wunder, schließlich ist die 51-Jährige unter anderem gelernte Dekorateurin, was im ganzen Haus im Schutzbacher Weg sichtbar ist. Selbstgenähte Haushaltstextilien, umgestaltete Möbel, florale Dekorationen. Gehre-Bock: »Ich habe immer irgendein Projekt.« Bei der Umsetzung kommt der Laubacherin, die heute in der Rentkammer des Schlosses sowie für das Garten- und Landschaftsplanungsunternehmen der Gräfin tätig ist, ihr handwerkliches Geschick zugute. Auch im eigenen Garten, wo sie sehr gerne arbeitet. Den Teich hat sie alleine angelegt und eine Brücke darüber gebaut. Auch sonst macht sie fast alles, was in und um das Haus anfällt. »Ich brauche keinen Mann, der mir Löcher bohrt oder Möbel zusammen baut.«

Vorbereitung? Fehlanzeige!

Immer etwas zu tun, immer in Bewegung, das ist wohl Teil ihres Erfolgsrezeptes. »Ich bin viel an der frischen Luft, gehe mindestens zehn Kilometer am Tag spazieren«, sagt Gehre-Bock. Außerdem treibt sie Sport und achtet auf eine gesunde Ernährung.

Und wie bereitet sie sich auf den großen Auftritt in einer Woche vor? »Gar nicht. Laufen kann ich«, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Okay – im Internet hat sie sich einige Sequenzen aus vergangenen Finals angeschaut. Und Fragen, die von der Jury kommen könnten, wird sie vielleicht auf der Zugfahrt gedanklich durchspielen. Aber mehr nicht.

Was ihre Platzierung angeht, ist Gehre-Bock entspannt: »Ich würde mich freuen, wenn ich unter die ersten fünf komme.

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