28. Dezember 2016, 19:27 Uhr

Mit 17 Kreuzchen zum deutschen Pass

Für wie viele Jahre wird der Landtag in Hessen gewählt? In welcher Besatzungszone wurde die DDR gegründet? Und was bedeutet die Abkürzung CDU? Wer Deutscher werden will, sollte das wissen, denn diese Fragen gehören zu dem Test, der seit 2008 Voraussetzung für eine Einbürgerung ist. Wie funktioniert die Prüfung? Und ist sie schwer? Ein Selbstversuch.
28. Dezember 2016, 19:27 Uhr
33 Fragen und 17 korrekte Antworten: Wer deutscher Staatsbürger werden möchte, muss den Einbürgerungstest bestehen. (Foto: Geck)
Der Jüngste ist gerade mal 30, der Älteste weit in den 50ern. Doch eines haben die sechs Männer und eine Frau gemeinsam: Sie wollen deutsche Staatsbürger werden. Deshalb haben sie sich bei der Kreisvolkshochschule für den Einbürgerungstest angemeldet. Der findet an einem Spätnachmittag im Dezember im Seminarraum 5 des VHS-Hauses in Lich statt. Dort habe auch ich mich eingefunden. Nicht, dass ich Probleme mit meiner Staatsbürgerschaft hätte. Mir ist der deutsche Pass quasi in die Wiege gelegt worden. Aber ich bin neugierig: Was hat es mit diesem Fragebogen auf sich? Ist er schwer zu beantworten? Und: Werde ich, die Eingeborene, die »Bio-Deutsche«, wie manche scherzhaft sagen, den Test auch ohne Vorbereitung bestehen? Werner Leipold, der an der KVHS den Fachbereich Sprachen leitet, hat mir freundlicherweise und nach Rücksprache mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erlaubt, an der Prüfung teilzunehmen.
Wer sich einbürgern lassen will, muss eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem ausreichende Sprachkenntnisse, die mit dem B1-Zertifikat nachzuweisen sind. Außerdem eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis plus in der Regel acht Jahre dauerhafter Aufenthalt in Deutschland, ein blütenreines Strafregister und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Seit 2008 gehört auch ein bestandener Einbürgerungstest dazu.
Hinzukommen drei weitere zum jeweiligen Bundesland. Zu jeder Frage werden vier mögliche Antworten angeboten. Für diesen Multiple-Choice-Test haben die Prüflinge eine Stunde Zeit. Wer mindestens 17 Fragen richtig beantwortet, hat bestanden. Wer nicht bestanden hat, kann die Prüfung beliebig oft wiederholen. Auf die Dauer kann das aber teuer werden: Die Teilnahme kostet jedes Mal 25 Euro. Die ganz große Mehrheit muss aber nur einmal antreten. »98 Prozent bestehen den Test«, berichtet Werner Leipold.
Nur der Mann aus Mogadischu kommt auf den letzten Drücker. Sein irakischer Mitstreiter wird da schon ungeduldig. »Können wir anfangen? Mein Bus zurück geht um 20 vor.«
»Hast du gelernt?«, fragt der Syrer den Inder. Der nickt. »Zweimal alle 300 Fragen komplett durch.« Fürs Lernen gibt es diverse Hilfsmittel. Unter anderem bietet das BAMF Online-Tests an. Bei der Kreisvolkshochschule können die Teilnehmer zur Vorbereitung aber auch sämtliche Prüfungsfragen samt Antworten auf Papier erhalten. Auch die Integrationskurse und der mittlerweile auf 100 Unterrichtsstunden aufgestockte Kurs »Leben in Deutschland« sind eine gute Vorbereitung auf den Einbürgerungstest.
Werner Leipold hat die Ausweise der Prüfungsteilnehmer kontrolliert, die Modalitäten erläutert und geprüft, ob die Personalien auf dem Deckblatt korrekt angegeben sind. Nun kann es losgehen. Alle greifen zum Kuli, auch ich. 33 Fragen zu Politik, Recht, Wirtschaft und Geografie wollen beantwortet werden. Gegenüber meinen Mitstreitern bin ich eindeutig im Vorteil. Ich bin nicht nur in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich habe auch noch einschlägige Fächer studiert. Ich lese viel Zeitung. Und, ganz wichtig: Deutsch ist meine Muttersprache. Leipold bestätigt, dass die Sprachkompetenz ein ganz entscheidender Faktor für den Prüfungserfolg ist. Bedeutet »aktives Wahlrecht«, dass man wählen darf oder gewählt werden kann? Oder ist der Bundesrat ein Verfassungsorgan? Solche Fragen muss man erst einmal verstehen, bevor man sie beantworten kann. So erklärt sich auch die relativ lange Zeit – 60 Minuten für 33 Multiple-Choice-Fragen – die den Teilnehmern für die Prüfung gewährt werden.
Als erster gibt nach zehn Minuten der Mann aus dem Irak seinen Fragebogen zurück. Er wird seinen Bus zurück noch bekommen. Nach knapp 40 Minuten ist auch der letzte Prüfling fertig. Werner Leipold wird alle sieben Fragebögen zur Auswertung zum BAMF nach Nürnberg schicken. In etwa vier Wochen werden die Teilnehmer wissen, ob sie bestanden haben.
Puh! Alles gut gegangen. Ich habe deutlich mehr als 17 Fragen korrekt beantwortet. Mein deutscher Pass ist nicht in Gefahr. (Foto: Geck)

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