Kreis Gießen

Mission erfüllt

Als am Donnerstag um 17.07 Uhr die Luftballons mit den Aufgaben vom Turm der Gießener Stadtkirche segelten, war die Welt noch in Ordnung. Was für die Abordnung der katholischen Pfarrgemeinde St. Paulus und St. Andreas Lich/Hungen als Projektauftrag »vom Himmel fiel«, bereitete den Freiwilligen Kopfzerbrechen. Der Auftrag lautete: die Sitzecke im Außenbereich der Flüchtlingsunterkunft in Lich gestalten und diese anschließend mit einem Begegnungsfest mit den Flüchtlingen einweihen. Vorgegebener Zeitrahmen: 72 Stunden. Es gab auch noch weitere Details wie Sitzgruppe bauen, Hochbeet anlegen und bepflanzen, Pflanzkübel aufstellen und mit den Bewohnern am Samstag feiern. Das Lich-Hungener Team war eines von 3400 Gruppen mit über 80 000 Teilnehmenden, die sich an der Sozialaktion des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) »72 Stunden - uns schickt der Himmel« beteiligten (die GAZ berichtete).
27. Mai 2019, 21:51 Uhr
Karl-Josef Graf
»Probesitzen - fast fertig - durchatmen«: In Gemeinschaftsarbeit ist eine gemütliche Sitzecke nebst Hochbeeten entstanden.	(Fotos: kjg)
»Probesitzen - fast fertig - durchatmen«: In Gemeinschaftsarbeit ist eine gemütliche Sitzecke nebst Hochbeeten entstanden. (Fotos: kjg)

Als am Donnerstag um 17.07 Uhr die Luftballons mit den Aufgaben vom Turm der Gießener Stadtkirche segelten, war die Welt noch in Ordnung. Was für die Abordnung der katholischen Pfarrgemeinde St. Paulus und St. Andreas Lich/Hungen als Projektauftrag »vom Himmel fiel«, bereitete den Freiwilligen Kopfzerbrechen. Der Auftrag lautete: die Sitzecke im Außenbereich der Flüchtlingsunterkunft in Lich gestalten und diese anschließend mit einem Begegnungsfest mit den Flüchtlingen einweihen. Vorgegebener Zeitrahmen: 72 Stunden. Es gab auch noch weitere Details wie Sitzgruppe bauen, Hochbeet anlegen und bepflanzen, Pflanzkübel aufstellen und mit den Bewohnern am Samstag feiern. Das Lich-Hungener Team war eines von 3400 Gruppen mit über 80 000 Teilnehmenden, die sich an der Sozialaktion des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) »72 Stunden - uns schickt der Himmel« beteiligten (die GAZ berichtete).

Logistische Herausforderung

Zwei Stunden später traf sich die Projektgruppe an der Flüchtlingsunterkunft im Karl-Benz-Ring 46 in Lich mit Ulla Limberger von »Asyl in Lich«, um Wünsche und Details zu besprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Gruppe weder einen Plan noch Handwerkszeug, geschweige denn Baumaterialien. Aber klar war: Das musste alles am Abend bis in die Nacht besprochen und geklärt werden, und in den Morgenstunden des Freitags auf den Weg gebracht werden. Erster Erfolg: ab 22 Uhr stand ein alter Bundeswehr-Unimog zur Verfügung, und die »Baustelle« stand fest. Vor dem alten Gerätecontainer sollte eine kleine Terrasse mit Sitzecke und Pflanzen in einem hellen und freundlichen Ambiente zum Verweilen einladen.

Am Freitag gegen Mittag konnte man umfangreiche Aktivitäten auf der Baustelle beobachten. Eine Gruppe entfernte die alte Farbe vom Container - eine sehr mühsame Arbeit. Weitere Teilnehmer hatten mit dem Bauen von Möbeln und Terrasse angefangen. Wieder andere waren mit Organisieren, Materialbeschaffung, Spendensammeln und Geräteausleihen beschäftigt.

Die Uhr drehte sich weiter - Schlusspunkt war Sonntag, 17 Uhr. Doch schon am Freitagabend war man ganz entspannt, die Jugendlichen spielten auf dem Wiesengelände gemeinam mit Pfarrer Martin Sahm Fußball. Die Terrassenkonstruktion war zu diesem Zeitpunkt bereits im Ansatz erkennbar, die Containerwand grundiert und selbst »Luxusdinge« wie Pferdeäpfel als Dünger für die Blumen waren inzwischen auf der Baustelle gelandet. Die »Wir schaffen das«-Stimmung war überall deutlich zu spüren. Mittagessen gab es am Freitag im Pfarrzentrum - einen Luxus, den man sich dann nicht mehr leisten wollte, weil für die Wegstrecke zu viel der kostbaren Zeit draufging.

In aller Frühe ging es am Samstag los. Andrea Schwade, die die Fäden in der Hand hielt, sprach mit Begeisterung von den Helfern (»Väter mit Ahnung und Menschen mit Kontakten«), die schier kaum lösbare Probleme zu einem guten Ergebnis geführt hätten. Die Mischung sei gut gewesen, es seien für alle Fälle und Gelegenheiten die richtigen Leute in der Aktionsgruppe gewesen. So hätten auch Kinder und ein Vater aus der Unterkunft mit angepackt. Am Samstagabend war es vollbracht. Ab 21.25 Uhr, nach Sonnenuntergang, stieg die gemeinsame Party. Akteure und Flüchtlinge trafen sich zum gemeinsamen Begegnungsfest. Die 72-Stunden-Aktionsgruppe der Pfarrei St. Paulus und St. Andreas Lich/Hungen dankte allen Spendern, Sponsoren und Helfern für deren großartige Unterstützung. Ohne sie wäre die Aufgabe nicht lösbar gewesen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Mission-erfuellt;art457,595137

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