Kreis Gießen

Mehr als nur ein Bauwerk

Vor beinahe 50 Jahren, am 6. Dezember 1967 wurde die Heilig-Geist-Kirche in Laubach feierlich geweiht. In diesem Jahr wird das Weihejubiläum von der Kirchengemeinde gefeiert. Grund genug, um einen Blick zurück auf die Geschichte der katholischen Gemeinde in Laubach zu werfen, die durchaus bewegt war.
05. Juli 2017, 21:08 Uhr
Constantin Hoppe
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Vor beinahe 50 Jahren, am 6. Dezember 1967 wurde die Heilig-Geist-Kirche in Laubach feierlich geweiht. In diesem Jahr wird das Weihejubiläum von der Kirchengemeinde gefeiert. Grund genug, um einen Blick zurück auf die Geschichte der katholischen Gemeinde in Laubach zu werfen, die durchaus bewegt war.

Anfang des vorigen Jahrhunderts lebten nur vereinzelt Menschen mit katholischem Glauben in Laubach. Der Zuzug fand höchstens sporadisch und arbeitsbedingt statt. Vor 1920 wurden nur selten Gottesdienste in einem Raum im Grünberger Schloss oder einer Privatwohnung in Laubach abgehalten. Ab 1924 kamen die Katholiken dann in einem Raum im alten Laubacher Spritzenhaus zusammen, den die Stadt an sie vermietete. Hier hatten 20 bis 30 Gläubige Platz.

Doch mit Beginn des Zweiten Weltkrieges sollte sich das ändern: Zuerst kamen viele Menschen aus den ausgebombten Städten aufs Land, darunter auch viele Katholiken. Dann folgten die Heimatvertriebenen. Innerhalb weniger Jahre stieg so die Zahl der Gläubigen auf mehrere Hundert. Der Platz im Spritzenhaus reichte da nicht mehr aus. Bereits 1943 wurde die Friedhofskapelle angemietet. Auch diese war bald zu klein – aber an den Bau einer eigenen Kirche war noch lange nicht zu denken.

1947 wurde die Diaspora-Seelsorgestelle Laubach zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben und bekam einen »eigenen« Pfarrer. Doch erst unter Pfarrer Hermann Sturm, der 1964 das Amt des Gemeindepfarrers übernahm, wurde der Bau eines eigenen Gotteshauses in Angriff genommen. 1966 wurde der Grundstein gelegt, Ende 1967 war die Kirche fertig. Damals hatte sie aber noch keinen Turm – der wurde erst 2002 fertiggestellt.

Die Architektur des Gebäudes wurde nicht dem Zufall überlassen, die Zeltform ist ein Anspielung auf die Offenbarung des Johannes Vers 21,3: »Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen!«

Heute zählt die St. Elisabeth Gemeinde in Laubach rund 2000 Mitglieder, weitere 2250 leben in Grünberg. Die beiden Städte bilden eine Pfarrgruppe. »Die Zahl der Gläubigen ist in den vergangenen Jahren durch Zuzug stabil geblieben«, sagte Clemens Matthias Wunderle. Seit 2006 ist er Pfarrer in Laubach und seit 2012 auch in Grünberg. Den Pfarrer unterstützen eine Gemeindereferentin und zwei nebenamtliche Diakone bei seiner Arbeit.

Der ökumenische Gedanke ist den Laubacher Katholiken sehr wichtig: »Das ist für uns selbstverständlich«, sagte Wunderle. Probleme bereitet weniger die Zahl der Gläubigen, sondern die große Fläche: Alleine in Laubach gibt es 21 Pfarrorte und vier Kirchen, die der Pfarrer betreuen muss – durchaus eine große Herausforderung. Dazu kommen die Gläubigen in Grünberg – der Seelsorger ist also sehr viel unterwegs.

Anlaufstelle für alle bleibt aber die Kirche, die Ort vieler Erinnerungen geworden ist: Zahlreiche Hochzeiten wurden hier geschlossen und Kinder getauft, die besonderen Gottesdienste zu Weihnachten und Neujahr oder die Firmung bleiben unvergesslich. Eine Kirche ist mehr als nur ein Bauwerk – es ist ein Ort, an dem die Gläubigen die Gemeinschaft genießen und Momente teilen können. Dieser besondere Ort für die Laubacher Katholiken feiert nun seinen 50. Geburtstag.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Mehr-als-nur-ein-Bauwerk;art457,280604

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