03. April 2018, 22:03 Uhr

Maykemper beerbt Solms im Kreistag

03. April 2018, 22:03 Uhr
Maykemper

Die vierköpfige FDP-Kreistagsfraktion steht vor einem personellen Wechsel: Für den Bundespolitiker Dr. Hermann Otto Solms rückt Cornelia Maykemper aus Lollar nach.

Bei einem Pressegespräch in der Geschäftsstelle der Kreis-FDP in Lich begründete Solms seinen Schritt: Den Ausschlag für den Rückzug habe die Doppelbelastung aus Bundestags- und Kreistagsmandat gegeben. Sowohl das Präsdium als auch der Fraktionsvorstand in Berlin tage montags, ebenso der Kreistag. »So ergibt das keinen Sinn mehr«, sagte der 77-jährige Alterspräsident des Bundestages. Als er sich als Kandidat für die Kreistagswahl 2016 zur Verfügung stellte, war die FDP nicht im Bundestag vertreten. Er habe sich dann von Parteichef Christian Lindner überzeugen lassen, erneut für den Bundestag zu kandidieren.

Nach der für die FDP erfolgreichen Wahl auf Bundesebene im vergangenen September habe er zunächst die Regierungsbildung abwarten wollen, »es hätte auch vorgezogene Neuwahlen geben können«. Nun, da erneut eine große Koalition die Arbeit aufnimmt, hielt Solms den richtigen Zeitpunkt offenbar für gekommen. »Mir hat die Zeit im Kreistag Spaß gemacht, gerade die Arbeit an ganz konkreten Themen«, bekundete der Licher Solms. Die Freien Demokraten hätten in der laufenden Wahlperiode auf Kreisebene konstruktive Impulse gesetzt, etwa auf den Leerstand von Schulgebäuden hingewiesen und zu »einer vernünftigen Versorgung und Verteilung von Flüchtlingen beigetragen«.

Solms’ Nachfolgerin ist zumindest im Nordkreis keine Unbekannte: Cornelia Maykemper (67) ist etwa seit dem Jahr 2000 kommunalpolitisch aktiv, unter anderem als Stadtverordnete in Lollar. Seit einigen Jahren ist sie Vorsitzende des Ortsverbands und der Fraktion in der Lollarer Stadtverordnetenversammlung, außerdem Mitglied im Kreis- und im Bezirksvorstand der Liberalen. 2003 trat sie im Wahlkreis 19 als Direktkandidatin für den Landtag an. Außerdem ist sie als Künstlerin aktiv und engagiert sich für Städtepartnerschaften. In der Kreistagsfraktion soll sich Maykemper um Sozial- und Sportpolitik kümmern.

Kürzlich hatte eine andere FDP-Personalie für Wirbel gesorgt, die am Dienstag ebenfalls Thema war: Sylke Schäfer, bislang FDP-Vertreterin im Kreisausschuss, war in die AfD eingetreten und kurzerhand zur Vorsitzenden des Ortsverbandes Nord der Kreis-AfD gewählt worden. Dies brachte die FDP in die missliche Lage, ihren einzigen Sitz in dem Gremium an die AfD zu verlieren. Die Rechtspopulisten stellen nach Schäfers Übertritt drei Mitglieder des Kreisausschusses, der quasi Kreisregierung ist.

Rechtlich sieht die FDP keine Handhabe, den Sitz der abtrünnigen Allendorferin zurück zu ergattern. »Der einzige Weg wäre, die Hauptsatzung zu ändern, aber das ginge erst zur nächsten Legislaturperiode«, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dennis Pucher beim Pressegespräch. Man habe bislang keine Überlegungen in diese Richtung angestellt.

Schäfers Übertritt »ärgerlich«

Zwar habe Schäfers Parteiwechsel überrascht, allerdings sei ihrem Schritt eine längere Entfremdung von der FDP vorausgegangen. Bereits im Dezember habe man Schäfer gebeten, ihr Kreisausschuss-Mandat niederzulegen, dies habe sie aber nicht getan. Das politische Manöver sei »umso ärgerlicher, weil wir sie als liebenswürdige Person kennengelernt haben«, kommentierte Pucher. Die FDP will sich nun nicht weiter mit der Causa Schäfer aufhalten: »Das Thema ist für uns erledigt«, sagte der scheidende Kreispolitiker Solms.

Vielleicht kein Mitleid, aber ein gewisses politisches Mitgefühl mit der um Einfluss im Kreisausschuss gebrachten FDP haben offenbar politische Konkurrenten signalisiert: »Andere Parteien haben Unterstützung angeboten«, etwa in Form von Informationen aus dem nicht öffentlich tagenden Gremium, sagte Kreis-Fraktionschef Harald Scherer. Insgesamt habe er den Eindruck, dass statt starrer Blockbildung eine konstruktive Atmosphäre im Kreistag herrsche. (Foto: jwr)

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