10. Mai 2019, 22:21 Uhr

Mathematik als Universalsprache

10. Mai 2019, 22:21 Uhr
Die Experimente im Mathematikum verstehen die Jugendlichen auch ohne umfangreiche Deutschkenntnisse. (Foto: jjs)

Mathematik. Ein Wort, bei dem viele Menschen direkt eine Abneigung empfinden. So erging es zunächst auch einigen der 11 bis 16 Jahre alten Schüler der Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim, als diese erstmals das Mathematikum in Gießen betraten. Auf die Frage, wer alles Mathe mag, ging nur eine Hand hoch. Im Gegensatz dazu meldeten sich auf die Frage, wer Deutsch nicht als Muttersprache hat, fast alle.

Die sogenannte Intensivklasse, in der hauptsächlich Flüchtlinge oder Jugendliche mit Migrationshintergrund gehen, nahm von Mittwoch bis Samstag an einem multikulturellen Workshop im Mathematikum teil. Die Kinder stammen aus Afghanistan, Syrien, Südkorea, Serbien und Bulgarien.

Das Thema dabei war Mathematik als Sprache, die jeder verstehen kann. Schließlich braucht man für Zahlen, Formeln und Experimente wenig bis gar keine Sprache. Dies wurde bereits deutlich, als es nach kurzer Vorstellungsrunde auf Deutsch auch zu Zahlenspielen, wie » Was ist deine Lieblingszahl« oder » 9er-Reihe« kam. Obwohl nicht jeder Deutsch sprechen oder komplett verstehen konnte, wurde den Schülern schnell klar, wie die Spiele und Experimente funktionieren. Jeder Schüler wurde außerdem gefilmt, wie er Zahlen seines Heimatlandes in seiner Sprache vorführt.

Länder aus Holz

Unter der Führung der Workshop-Leiter Melanie Blascko und Sebastian Rüdinger ging es auf große Erkundungstour im Mathematikum. Nach einem kurzen Rundgang durften die Schüler auf eigene Faust losziehen. Highlights waren das Seifenblasen- und das Kugelbahnexperiment. Viele Schüler waren im Nachhinein von den Experimenten verzückt. Aussagen wie »Ich wusste gar nicht, dass mir Mathe auch Spaß machen kann« oder »Ich wünschte, Mathe wäre im Unterricht genauso wie hier« bekam man öfters zu hören.

Am zweiten Tag ging es zur Freude der Schüler noch praktischer zur Sache: eine Führung durch die Museumswerkstatt mit Werkstattleiter Michael Stoeckel. Er zeigte, wie die Kreissäge funktioniert und wie man Holz schleift. Im Anschluss wurde gebastelt, gehämmert und gemalt. Jedes Kind suchte sich ein Land der Erde aus und baute dieses in Landkartenform nach. Viele der Kinder wählten für diese Aufgabe ihr Heimatland, es gab aber auch viele, die Deutschland oder einfach ihr Lieblingsland wählten.

Am Freitag wurde dann mit der Hilfe des Gießener Stadttheaters eine gemeinsame Tanzchoreografie eingeübt. Die Jugendlichen lernten die Körperzahlen verschiedener Kulturen kennen und gestalteten dann ihren eigenen »Körperzahlentanz«.

Die Lehrerinnen Elizabet Barman, Julia Grützmacher und Stephanie Heckrodt sind der Meinung: »Mathe versteht jeder, auch Menschen, die kein Deutsch können.« Dies funktioniert selbstverständlich nur bis zu einem gewissen Grad - denn bei Matrixschreibweise und Wahrscheinlichkeitsrechnungen blickt auch mancher Muttersprachler nicht sofort durch.

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