19. März 2018, 13:00 Uhr

Im Herzen Europas

Luxemburgs Außenminister besucht Buseck

Jean Asselborn kennt man aus vielen Diskussionrunden. Den Brexit bezeichnete er bei seinem Besuch in Buseck als »loose-loose-Situation«.
19. März 2018, 13:00 Uhr
Lehrstunde in Sachen Europa: Jean Asselborn (l.) im Gespräch mit Thorsten Schäfer-Gümbel. (Foto so)

Wo sitzt der Geist Europas? In Straßburg. Wo denkt der Kopf Europas? In Brüssel. Und wo schlägt Europas Herz? Ganz sicher jedenfalls auch in Jean Asselborns Brust. Wenn er in Luxemburg ist. Oder in Rom. Oder in Österreich. Oder in Buseck… Der Außenminister von Luxemburg wärmte ebendort im Kulturzentrum am Freitag zudem die Herzen seiner sozialdemokratischen Freunde bei deren Frühlingsempfang. Wer einen Ausblick auf das Europa der Regionen erwartet hatte oder einen Einblick in das Leben in den Kommunen in Europa hier, da oder dort – der muss sich wohl bis zu einem anderen »Europäer« gedulden. Asselborn gab ganz den Staatsmann. Der dienstälteste Außenminister Europas, immerhin seit 14 Jahren im Amt, lud zu einer Tour d’horizont quer durch den Kontinent: Von Portugal bis zum Balkan, von Italien und den Folgen des Brexits bis hin zu dem besonderen Verhältnis Europas zur Türkei. »So – und jetzt gebe ich Gas«, sagte der krisenerprobte und Talkshow-erfahrene Politprofi.

Hohes Lied auf gemeinsames Tun

Um sich dann nicht plakativ an den ganz großen Aufreger-Themen des Kontinents abzuarbeiten, sondern vielmehr den Blick auf die Menschen zu lenken, die zu den Verlierern in Europa zählen: Etwa die ein, zwei Generationen junger Italiener und anderer Südeuropäer, die von Miseren in Ausbildungs- und Arbeitsmarkt getroffen zurückgeblieben sind. Oder den Menschen in Britannien und Irland (und eben auch allen anderen Europäern), die vom Brexit betroffen sind: »Da gibt es keine Sieger, sondern nur Verlierer«, konstatiert Asselborn eine »loose-loose-situation«. Denn Britannien schwäche seinen Zugang zu einem bedeutenden Markt, und Europa stehe ebenfalls strategisch geschwächt da.

Gemeinsame Migrationspolitik fehlt

Der Abend in Buseck, bei dem »Pulse of Europe« Gießen Mit-Gastgeber war, wurde quasi zu einer Lehrstunde in Sachen Europa und der (sozial-)politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Wobei der überzeugte Europäer Asselborn nicht müde wurde, das hohe Lied auf das gemeinsame Tun auf dem Kontinent zu singen: »Die EU ist ein großes Friedensprojekt: Ich glaube, dass sie eine der größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts ist«, postulierte er gleich zweimal unter dem Beifall im Saal. Asselborn fand durchaus auch klare Worte mit Blick auf die Migrationsfrage: So beklagt er das Fehlen einer gemeinsamen europäischen Migrationspolitik, die auch bedeute, dass es eine Vereinbarung über das Verteilen von Lasten und Aufgaben unter den (noch) 28 EU-Staaten gibt. Konkret: Wer leistet wie viel? Und der Luxemburger plädierte für ein differenziertes Schauen: Auf Migranten zum einen – und auf Flüchtlinge zum anderen, »denn für letztere gilt zweifelsfrei die Genfer Konvention!«

»Jean – dein Auftreten macht Mut, sich europäischen Aufgaben zu stellen«, sagte der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten-Schäfer-Gümbel unter dem rhythmischen Applaus der bald 200 Gäste, unter denen auch der Europa-Abgeordnete Udo Bullmann weilte. Da passte es mehr als alles andere ins Bild, dass »TSG« sich von den Song-lines (Jugendchor der Licher Musikschule), die den Abend in Buseck umrahmten, die Europahymne wünschte: Beethovens »Ode an die Freude« mit Schillers Versen »Alle Menschen werden Brüder«. Da war er dann wieder: Der wärmende Strahl auf die sozialdemokratischen Herzen…

Schlagworte in diesem Artikel

  • Außenminister
  • Brexit
  • Einwanderungspolitik
  • Jean Asselborn
  • Kunst- und Kulturzentren
  • Ludwig van Beethoven
  • Buseck
  • Rüdiger Soßdorf
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.