07. November 2008, 19:42 Uhr

»Lohnt sich eigentlich heute ein Studium überhaupt noch?«

Lollar/Staufenberg (sdi). Lohnt es sich eigentlich überhaupt noch zu studieren? Und welche Ausbildungswege stehen Abiturienten nach dem Schulabschluss offen?
07. November 2008, 19:42 Uhr
Sie gaben Informationen und Tipps: Christine Schramm-Spehrer, Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel und Horst Knack in der Aula der CBES. (Foto: sdi)

Lollar/Staufenberg (sdi). Lohnt es sich eigentlich überhaupt noch zu studieren? Und welche Ausbildungswege stehen Abiturienten nach dem Schulabschluss offen? Antworten auf diese Fragen gaben am Donnerstagabend die Referenten eine Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit in Gießen für Oberstufenschüler an der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES). Christine Schramm-Spehrer und Horst Knack von der Arbeitsagentur sowie Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Agrarwissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, informierten die Schülerinnen und Schüler über die Berufschancen von Akademikern und gaben ihnen Ratschläge für den Berufsweg nach der Schulzeit.

»Man hört immer wieder: Viele Studierte sind arbeitslos«, nannte Christine Schramm-Spehrer ein Argument, das häufig gegen ein Studium ins Feld geführt wird. Die Arbeitslosenstatistik sagt allerdings anderes aus, betonte sie. »Je höher die Qualifikation desto niedriger die Arbeitslosenquote«, lautet die einfache Regel. Ein Studium lohnt sich also - zumal es unter anderem Zugangsvoraussetzung zu bestimmten Berufen ist und Aufstiegschancen eröffnet.

Dabei bieten die neuen gestuften Studiengänge mit Bachelor (drei Jahre) und Master (weitere zwei Jahre) auch die Chance, schon nach dreijährigem Studium in einen Beruf zu gehen, hoben die Referenten hervor. Allerdings, so Prof. Kogel, schließen die meisten Studenten dennoch ein Master-Studium an, um sich weiter zu qualifizieren. Zudem sei das Bachelor-Studium, verglichen mit früher, »stark verschult«. Die Zeiten des sprichwörtlich lockeren Studentenlebens seien angesichts vieler Prüfungen und Pflichtseminare endgültig passé. Vermiesen wolle er den Schülern das Studium mit dieser Aussage natürlich nicht, sagte der Agrarwissenschaftler. Kogel: »Studenten sind natürlich trotzdem viel freier als Schüler.«

Ganz besonders empfahl er den Schülern, ihre »Soft Skills« auszubauen - die Fähigkeiten, die in allen Fächern und Modulen wichtig sind. Fast in jedem Studium müsse man gut Englisch können und fit im Präsentieren sein. Auch ein Auslandsstudium sei »wirklich sehr zu empfehlen«. Wichtig sei außerdem ein »breites Interesse an allen möglichen Fachaspekten«. Den Aspekt »Sprachkompetenz« griff Abiturientenberater Knack auf: Wer nach der Schulzeit zunächst »etwas Abstand zum Lernen« brauche, könne beispielsweise im Ausland ein Praktikum machen oder jobben, sich in der Entwicklungshilfe engagieren oder gezielt an einem Sprachkurs teilnehmen. »Das kann man nachher als Plus im Lebenslauf herausstreichen«, betonte er.

Grundsätzlich gibt es für Abiturienten nach der Schulzeit »viele Möglichkeiten, oft aber auch Kurven und Einbahnstraßen«, so der Berater. Neben einem (Fach-) Hochschulstudium und der Behördenlaufbahn könnten sich Schulabgänger für ein duales Studium mit Berufsausbildung, für eine betriebliche Ausbildung und für schulische Ausbildungsgänge (beispielsweise in medizinischen Berufen) entscheiden. Angesichts der Vielzahl der Möglichkeiten sei es wichtig, so Christine Schramm-Spehrer, »über den Tellerrand zu gucken - besonders, wenn die eigenen Stärken nicht dem traditionellen Rollenbild entsprechen«. Noch immer gebe es in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen zu wenige Frauen, stellte die Beraterin fest, die Gleichstellungsbeauftragte bei der Agentur für Arbeit ist. Gemischte Teams mit Frauen und Männern erzielten stets bessere Ergebnisse, unter anderem weil auch die Hälfte der Kunden Frauen sind.

Im Studium, so Prof. Kogel, seien Frauen mittlerweile in vielen Fächern in der Mehrheit, »aber im Verfahren um eine Professur sind sie extrem benachteiligt«. Deshalb gebe es aber spezielle Frauenförderkonzepte wie Stipendien. Der studierte Biologe Dr. Kogel ging auch auf sein Arbeitsfeld »Agrarwissenschaften« ein, das zu den »Lebenswissenschaften« gehört, neben Kulturwissenschaften ein Schwerpunkte der Justus-Liebig-Universität. Prof. Kogel verdeutlichte, dass besonders die Lebenswissenschaften ein breites Forschungsfeld bieten: »Der Mensch hat 25 000 Gene, aber wir wissen nur vielleicht von 5000, was sie machen. Das zu analysieren, wäre Ihre Aufgabe, wenn Sie Biologen werden.«

Welches Studium zu den Einzelnen passt, können junge Menschen auch mit Hilfe von Tests und persönlichen Beratungsgesprächen der Agentur für Arbeit herausfinden, betonte Knack. Daneben vermittelt die Agentur Ausbildungsstellen (auch für duale Studiengänge) und gibt finanzielle Beihilfen für Bewerbungen um Ausbildungsplätze und ausbildungsbedingte Umzüge.

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