14. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Lob und Tadel für den RMV

Gießen/Linden (pm). Unterschiedlich fallen erste Stellungnahmen zum jüngsten Fahrplanwechsel im öffentlichen Personennahverkehr aus.
14. Dezember 2016, 12:00 Uhr
PM
bahn pendler linden butzbach main-weser-bahn no_foto
Die Regionalverbände Mittel- und Osthessen des Fahrgastverbandes »Pro Bahn« begrüßen die zum Fahrplanwechsel greifenden Ergänzungen auf Nebenbahnen der Region, die gerade in den »Tagesrandlagen« für Verdichtung des Angebotes sorgten. Warum aber der Rhein-Main-Verkehrsverbund nicht zugebe, dass es sich um Fahrten handele, die so bis vor einigen Jahren bestanden haben, diese Frage stelle sich schon, sagen »Pro Bahn«-Verantwortliche. Sie kritisieren erneut »die Kürzungspolitik der 2000er Jahre in Hessen«. »Gerade Teilzeitbeschäftigte in der Dienstleistungsbranche, schwerpunktmäßig im Einzelhandel mit den immer flexibleren Arbeitszeiten, sind auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen.« In den Städten sei bezahlbarer Wohnraum kaum noch zu haben, so dass die Menschen zum regionalen Pendeln gezwungen seien.
Nun stehen etwas mehr Finanzmittel zur Verfügung. Also komme Weggekürztes wieder auf den Fahrplan. Aber: Der »Schienenergänzungsverkehr« auf der Vogelsbergbahn sei früher mal ein regulärer Zug gewesen. Dass nun auch am Wochenende ein Stundentakt gefahren werde, bedeute erstmals »eine angemessene Erschließung des gesamten Vogelsbergkreises«. Dies seien Mindestanforderungen, wenn man wirklich eine Verkehrswende herbeiführen wolle. Dennoch bleibt die Reisezeit ein Problem: »Fast zwei Stunden von Gießen bis Fulda, das ist einfach zu lang und kann nur durch Streckenausbauten behoben werden.« Der Stundentakt zwischen Gießen und Hungen an Wochenenden sei ebenfalls zu begrüßen.
Lob gibt’s von »Pro Bahn« für die Einzelergänzung auf der Lahntalbahn zwischen Gießen und Limburg. Nicht in Ordnung sei dort aber die Fahrzeugbestückung. »Die Triebwagen sind zu klein und nicht für einen starken Freizeitverkehr geeignet.« Lahntaltourismus und Bahn seien zwei Komponenten, die weiterhin nicht zueinander passten. Hier müsse mehr Flexibilität Platz greifen; insbesondere an Wochenenden. Dass dies gehe, zeigten Systeme andernorts in Deutschland.
Heftig kritisiert der Lindener Kommunalpolitiker und Frankfurt-Berufspendler Hendrik Lodde (CDU) die Situation. Er bezog sich bereits vor dem Fahrplanwechsel auf Äußerungen der RMV-Geschäftsführung zur besseren ÖPNV-Finanzausstattung durch Bund und Land. Demnach werde geprüft, das Angebot an Wochenenden sowie abends und nachts zu ergänzen. Folglich sei bei Lindener Pendlern die Hoffnung auf die Wiedereinführung von mehr direkten und schnelleren Verbindungen ins Rhein-Main-Gebiet schnell verflogen. »Die zusätzlichen Steuergelder werden nicht für die regionale Förderung eingesetzt, sondern für zusätzliche Verbindungen in der Nacht und am Wochenende und damit im Wesentlichen für die Freizeitbeschäftigung. Der volkswirtschaftliche Nutzen einer solchen Förderung erschließt sich nicht«, teilte Lodde der Presse mit.

Alles nur ärgerlich

Mehr Verbindungen für die Freizeit seien zwar an sich eine lobenswerte Sache. »Wenn aber gleichzeitig über die Forderung von bezahlbaren Wohnraum in Großstädten gestritten wird, sollte man annehmen, dass Fördergelder für den Ausbau der Verbindungen am Rand des Rhein-Main-Gebietes zur Entlastung der Wohnsituation in Frankfurt beitragen könnten.«
Lodde fordert von den heimischen Landespolitikern und von Landrätin Anita Schneider als Mitglied im RMV-Aufsichtsrat, sich für eine Gewichtung zugunsten der Berufspendler einzusetzen. »Denn damit wird auch unsere Region gestärkt.«
Die Argumentation des RMV, dass alle Trassen belegt seien und nur ein Ausbau der Strecke – Stichwort: drittes Gleis – mehr Züge zwischen Gießen und Frankfurt bringen könne, sei »ziemlich verwunderlich«. Denn das Bundesverkehrsministerium plane, zur Entlastung des Mittelrheintals mindestens 15 Züge mehr pro Tag auf diese Strecke zu verlagern – vornehmlich Güterzüge. Alles nur ärgerlich: »Gerade heute Morgen war es wieder der Fall: Der Zug mit Abfahrt 7.33 Uhr vom Großen-Lindener Bahnhof hatte gut zehn Minuten Verspätung. Warum? Anstelle der Regionalbahn fuhr – nicht zum ersten Mal um diese Zeit – ein Güterzug durch. (Foto: no)


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