28. Dezember 2018, 17:05 Uhr

Kilometerkönige

Lindener Frank Limberg hatte schon immer ein Faible für echtes Blech

Zum Auftakt der Serie »Kilometerkönige« stellen wir eine echte Schönheit vor: einen BMW 2002. Er gehört Dr. Frank Limberg aus Linden.
28. Dezember 2018, 17:05 Uhr
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Von Thomas Brückner
Zwei mit Baujahr 1972: Frank Limberg mit seinem "Kilometerkönig", einem BMW 2002. (Foto: pm)

Autos der 1970er haben mich schon immer fasziniert«, sagt Frank Limberg. Aus heutiger Sicht mag das schon verwundern, erinnert man sich an die damals noch unverzinkten Karosserien, die allzu früh dem Rost anheim fielen. Anders sieht das der Allgemeinmediziner mit Praxis in Linden: »Das war noch echtes Blech«, schwärmt er, »einfache Technik, ohne viel Elektronik-Schnick-Schnack«.

Bereits vor 18 Jahren war ihm der BMW 2002, ein echtes Highlight für alle Oldtimer-Fans, sozusagen über den Weg gelaufen. Es sollte der Beginn einer langen Freundschaft werden. In die hat der 46-Jährige freilich einiges investiert, vor allem viel Arbeit und Liebe zum Objekt.

 

Über drei Jahre restauriert

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Im Windelalter bereits die Liebe zum Automobil geweckt: Der kleine Frank am Steuer des vät...

Über drei Jahre zog sich die Restaurierung hin, 2005 endlich stand das Prachtstück bayerischer Provenienz wieder wie neu vor seinem Besitzer. »Die originale Optik wurde bewusst nicht verändert«, betont dieser. Kleinere Veränderungen »gesteht« er dann aber doch ein: »Motor und Fahrwerk wurden etwas getunt.« Als Aggregat kommt jetzt ein 200-PS-starker M3-Motor zum Zug. Seit also 13 Jahren wird der 2002, seine Fans sprechen schon mal von einem »Sportwagen im Limousinen-Pelz«, regelmäßig bewegt. Allerdings nur im Sommer. Dennoch hat er inzwischen gut 200 000 Kilometer auf dem Tacho, darf sich daher mit Fug und Recht als »Kilometerkönig« bezeichnen lassen.

Da sein Besitzer in die Praxis des Vaters Dr. Paul Limberg – im März 2016 nach schwerer Krankheit gestorben – eingestiegen ist, sieht man den 2002 recht häufig in Linden und Umgebung. Passt das Wetter, fährt Frank Limberg mit ihm auch zu Hausbesuchen. Gerade ältere Patienten erfreuen sich an dem Anblick. »Den hatte ich auch einmal in Orange, Farbton Inka«, heißt es dann. Oder: »Auf dem habe ich meinen Führerschein gemacht.«

Für damalige Verhältnisse war der BMW 2002 schon ein Wagen für Freunde des »sportlichen Fahrens«. Seine Eckdaten, ohne Tuning: knapp zwei Liter Hubraum, 100 PS, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h. Noch eine letzte Zahl: Gerade mal 1035 Kilo bringt das Schmuckstück auf die Waage.

Wie Frank Limberg erzählt, wurde seine Liebe zu Autos bereits früh geweckt. Mag sein, vielleicht schon im Windelalter: Ein Foto zeigt den Knirps auf dem Fahrersitz eines R4, die Linke ganz professionell am Lenkrad, die Rechte an der Revolverschaltung. Typisch für die »Franzosen« jener Zeit, zumindest wenn sie aus dem Hause Renault oder Citroën stammten.

 

Rostfraß im R4

Den Renault hatten die Schwiegereltern 1972 für 5200 Mark gekauft. Ein »Vorgeschenk« zur Hochzeit, die Paul Limberg und Anne Limberg-Karl ein Jahr darauf feierten.

Kennengelernt hatten sich die beiden an der Uni Gießen, wo der junge Mann Medizin, die junge Frau aus Burg-Gemünden auf Lehramt studierte. Dass es was wurde mit den beiden, ist auch in diesem Fall der Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS) zu verdanken, die den Abiturienten aus Düren nach Gießen vermittelt hatte. Der Kleinwagen aus dem Hause Renault wurde hauptsächlich für die Fahrten in und um Gießen genutzt, fährt Frank Limberg fort. Und: »Große Reisen à la ›Mit dem R4 über die Alpen‹ waren in dem Studentenbudget nicht drin.« Meist lagen daher die Ziele der Eltern bei ihren Familien in NRW oder im Feldatal.

Diese Beziehung von Mensch und Automobil hielt gerade mal sechs Jahre. Auf einer Fahrt ins Wetzlarer Krankhaus, wo der Vater eine fachinternistische Ausbildung absolvierte, sorgt ein Reh für eine abrupte »Trennung«. Der Schaden war zu groß, eine Reparatur lohnte nicht. Aber: Hätte nicht das Reh den Weg des Autos gekreuzt, dann hätte der TÜV 1978 für die Stilllegung gesorgt. Frank Limberg: »Der Rostfraß war so schlimm, dass man während der Fahrt die Straße sehen konnte – und das nach nur sechs Jahren und nicht mal 100 000 Kilometern.«

Fazit: Dieser R4 war alles andere als ein Kilometerkönig, eher ein Thronfolger vierten Ranges.

Es gibt Menschen mit einer besonderen Beziehung zu ihrem Auto. Die nicht loslassen mögen, selbst wenn die Vernunft oder der TÜV für eine Trennung sprächen. In unserer Serie »Kilometerkönige« stellen wir solche besonderen Beziehungen von Mensch und Maschine vor.



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