21. August 2019, 21:53 Uhr

Licher Stadtansichten

21. August 2019, 21:53 Uhr
Hermann Pein mit der Stadtansicht von Hans Döring (hier die Version aus dem Lichtdruckverfahren von 1919). (Foto: nab)

Wie sah Lich im Jahr 1545 aus? Aufschluss zu Fragen wie diesen gibt die Ausstellung »Licher Stadtansichten«, die am kommenden Sonntag, 25. August, anlässlich des Museumstages im Textorhaus eröffnet wird. Erste detailgenaue Ansichten der Stadt habe der Maler und Holzbildhauer Hans Döring (1483-1559) in den Jahren 1545/1546 hergestellt, erläuterte Hermann Pein vorab. Er hat die aktuelle Schau konzipiert.

Von einem Feld hinter dem heutigen Brauereigebäude am Hardtberggarten, dem sogenannten Sedansplatz, blickt der Betrachter auf Lich: Die Federzeichnung auf Papier ist ein handkoloriertes Aquarell und trägt den Titel »Rathschlag auff des Kriegsherrn übergeben Artickel an die Kriegsrath«. Die Arbeit stamme aus einem Kriegsmemorial des Grafen Reinhard zu Solms und des Ritters Konrad von Beimelborg. Es befinde sich heute in der Hof- und Staatsbibliothek in Wien und sei vor zwei Jahren digitalisiert worden, berichtet Pein. Deshalb sei nun auch die Ausstellung möglich gewesen.

Maler Döring war in Wittenberg bei Lucas Cranach d. Ä. als Gehilfe beschäftigt, bevor er um 1517 in die hiesige Region wechselte und unter anderem Hofmaler in Lich wurde. Graf Reinhard zu Solms-Lich (1491-1562) begann - in kaiserlichen Diensten stehend - 1544/45 mit dem »Der kleine Hess« genannten Ämterbuch für eine Landsknechtarmee. Er wollte das Büchlein Kaiser Karl V. überreichen und beauftragte den Maler Döring, die dafür notwendigen Bilder anzufertigen. Als Vorlage für den Holzschnitt stellte Döring eine Federzeichnung her.

Genau dieses Bild bzw. die Kopie von 1919, die im Lichtdruckverfahren angefertigt wurde, lohnt es sich genauer hinzusehen. »Man sieht beispielsweise das Dach der Obermühle, das Pfarrhaus am Liebfrauenberg und vermutlich vor dem Rödertor das Dach der alten Ziegelei«, zählt Pein auf. Ein roter Punkt mitten zwischen Bäumen - dort, wo sich heute der Alte Sportplatz in der Nieder-Bessinger-Straße befindet - taucht ein rotes Dach auf. Es ist das alte Leprosenhaus, das »Gutsleuthaus«, in das Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie Lepra kamen.

Döring stellte drei Ansichten her, danach folgten weitere: 1591 eine Federzeichnung und 1606 ein Kupferstich von Wilhelm Dilich (1571-1650), ebenfalls aus der Malerposition am Hardtberg. Zu nennen wäre auch ein Kupferstich von Mathäus Merian (1593- 1650), der in Band 7 der »Topographia Hassiae et Regionum Viviarum« 1646/1655 erschien und Lich als »ein lustiges Gräflich Solmisches Stättlein / in der Wetterau / an der Wetter / gar schön gelegen« beschrieb. Es sei »nicht viel über dreihundert Jahre alt«, habe einen Turm und ein Schloss. »Eine halbe Meyl wol zusehen« sei das schöne und reiche »Closter Arnspurg«, welches bei dieser Kriegsunruhe ganz geplündert und dessen Orgeln und Bibliothek zerstört worden seien.

All dies und mehr gibt es am kommenden Sonntag ab 14 Uhr im Textorhaus zu entdecken. Abgerundet wird die Schau mit Luftaufnahmen von 1935 und heute. Die Mitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises freuen sich auf viele interessante Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Die Ausstellung bleibt den Besuchern bis zur nächsten Jahresausstellung erhalten. Der Licher Museumstag findet seit 20 Jahren jeweils am letzten Sonntag im August statt.

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