06. August 2019, 05:00 Uhr

Demenz

Licher Demenzberaterin gibt Tipps zum Umgang mit der Krankheit

Heidi Harbusch ist Demenzberaterin. Sie unterstützt nicht nur Erkrankte und deren Angehörige. Auch Außenstehende können sich an sie wenden. "Wegschauen ist der falsche Weg", sagt sie.
06. August 2019, 05:00 Uhr
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Von Ursula Sommerlad
Demenz ist ein Thema, das die gesamte Gesellschaft angeht. Heidi Harbusch, die Leiterin der Licher Demenzberatung, plädiert für Achtsamkeit und Empathie. (Symbolfoto: Schepp)

Der alte Herr ist seit langem Stammkunde in dem Geschäft. Doch in letzter Zeit wirkt er unglücklich und sehr zerstreut. Die Verkäuferin, die ihn schon lange kennt, macht sich Gedanken. Wird er etwa dement? Soll sie tätig werden? Ihn ansprechen? Aber sie will ja nicht zudringlich sein...

Heidi Harbusch kennt solche Bedenken. Die Muschenheimerin leitet die Demenzberatung in Lich. Sie weiß, wie unsicher viele Menschen im Umgang mit Demenz sind. Das gelte für Betroffene und ihre Angehörigen genauso wie für Außenstehende. »Wegschauen ist der falsche Weg«, sagt sie. Gefordert seien stattdessen Achtsamkeit, Fingerspitzengefühl und Empathie.

Schon wieder den Schlüssel verlegt. Vergessen, welcher Wochentag gerade ist. Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden. Solche Symptome müssen nicht zwangsläufig auf Demenz hinweisen. »Das kann auch passieren, wenn man zu wenig getrunken hat«, weiß Harbusch. Aber vielleicht steckt doch eine ernsthafte Erkrankung dahinter. »Das kann nur ein Arzt abklären«, sagt die Beraterin.

Aber der Schritt zum Arzt falle Betroffenen häufig schwer. Dann kann ihnen die Demenzberaterin den Weg ebnen. »Bei mir können die Leute erst einmal reden. Ich habe Zeit.« Schließlich erfordere es Mut, über die eigenen Ängste und das, was im Körper passiert, zu sprechen. Eine Diagnose kann Harbusch nicht stellen. »Aber ich weiß, wo es Hilfe gibt.«

Besteht der Verdacht einer Erkrankung, empfiehlt sie zunächst den Gang zum Hausarzt. Der werde entscheiden, ob ein Neurologe konsultiert werden muss. »Ein korrekte und frühzeitige Diagnose ist wichtig«, sagt die Demenzberaterin. »Die richtigen Medikamente und dazu Hilfe von außen können viel bewirken.« Sie selbst kennt aus ihrer mehrjährigen Beispiele Menschen, denen es trotz Erkrankung richtig gutgehe. Auf jeden Fall besser als zu der Zeit davor, die von diffusen Ängsten und ständiger Überforderung geprägt war.

Die meisten Menschen, die den Rat der Licher Demenzberaterin suchen, sind allerdings nicht selbst erkrankt. Es sind Angehörige. »Viele von ihnen begleite ich über eine längere Zeit«, erzählt Harbusch. »Sie wollen ein Feedback und kommen immer wieder.« Einige von ihnen brauchen sogar selbst therapeutische Hilfe. Auch ihnen kann die Beraterin helfen.

Sie hat im Laufe der Jahre ein Netzwerk aufgebaut, sie hält Kontakte zu Fachärzten, Kliniken, Tageseinrichtungen, Therapeuten und anderen Beratungsstellen wie etwa der BeKo in Gießen. »Ich weiß, wohin man sich wenden kann.«

Harbusch hat selbst lange Zeit Menschen mit Demenz betreut. Die gelernte Lehrerin hat dafür zunächst eine Ausbildung beim Hungener Verein »Bürger für Bürger« durchlaufen und später diverse Fortbildungen besucht. Als Koordinatorin des Muschenheimer Gemeindeschwesternprojekts hat sie dort die Demenzberatung aufgebaut, die sie nun seit 2015 in Trägerschaft des DRK-Kreisverbands zweimal in Lich anbietet. »Ich finde es toll, dass es in dieser Stadt so etwas gibt.« Und sie freut sich über Unterstützung, die sei vor Ort erhält. Die Herde-Apotheke am Stadtturm zum Beispiel lege regelmäßig ihre Info-Flyer aus.

Harbusch sagt, dass die Angebote für Demenzerkrankte und ihre Angehörige im Laufe der vergangenen Jahre besser geworden seien. Es gebe Möglichkeiten der Tagesbetreuung, Mittagessen, Fahrdienste. Außerdem berücksichtige das neue Pflegestärkungsgesetz auch demenzielle Erkrankungen. Für Betroffene und ihre Angehörigen sei das eine große Erleichterung.

Doch der allererste Schritt sei immer noch schwierig, der Entschluss: »Ich packe es jetzt an. Ich hole mir Hilfe.« Dabei möchte Harbusch den Menschen helfen, den Erkrankten, ihren Angehörigen, aber auch Außenstehenden.

Was würde sie zum Beispiel der eingangs erwähnten Verkäuferin raten? Sie könnte Familienangehörige ansprechen, sofern sie sie kennt. Oder auch den Kunden, ganz freundlich und behutsam: »Mir scheint, es geht Ihnen nicht gut. Gehen Sie doch mal zum Arzt.«



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