Kreis Gießen

Letzter Gottesdienst in Königsberg

Mit einem bewegenden Festgottesdienst hat sich die neuapostolische Kirchengemeinde Königsberg kürzlich aus ihrem Kirchengebäude am Heddrich verabschiedet. Der für Mittel- und Nordhessen zuständige Apostel Jens Lindemann (Linden), der selbst ein Jahr lang Vorsteher der Königsberger Kirchengemeinde war, ließ es sich nicht nehmen, diesen Gottesdienst gemeinsam mit den Königsberger Gemeindemitgliedern zu feiern. Auch Bischof Axel Münster (Lauterbach) war eigens zu diesem Anlass nach Königsberg gekommen.
16. Mai 2017, 19:24 Uhr
Redaktion
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Die ehemalige Kirche in Königsberg steht künftig für weltliche Zwecke zur Verfügung. (Foto: D. Gutzeit)

Mit einem bewegenden Festgottesdienst hat sich die neuapostolische Kirchengemeinde Königsberg kürzlich aus ihrem Kirchengebäude am Heddrich verabschiedet. Der für Mittel- und Nordhessen zuständige Apostel Jens Lindemann (Linden), der selbst ein Jahr lang Vorsteher der Königsberger Kirchengemeinde war, ließ es sich nicht nehmen, diesen Gottesdienst gemeinsam mit den Königsberger Gemeindemitgliedern zu feiern. Auch Bischof Axel Münster (Lauterbach) war eigens zu diesem Anlass nach Königsberg gekommen.

Kooperation mit Gläubigen in Erda

Der Predigt des Festgottesdienstes legte Apostel Lindemann das Bibelwort »Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten.« (Psalm 22, 26) zugrunde. In seinen Ausführungen veranschaulichte er die Größe Gottes und dessen besondere Zuwendung den Gläubigen gegenüber, die auch die Königsberger Gemeinde erlebt habe.

In einer Predigtzugabe ließ der Königsberger Gemeindevorsteher, Gemeindeevangelist Ralf Kuhl, noch einmal die Entwicklung der Gemeinde mit all ihren Facetten Revue passieren. Er hob besonders hervor, dass er in den Jahren seiner Vorstehertätigkeit in Königsberg eine Gemeinschaft erlebt habe, die von gegenseitiger Liebe und großer Wertschätzung geprägt war. Der Gemeindechor unter der Leitung von Monika Kuhl und Udo Heim setzte die musikalischen Glanzpunkte des Gottesdienstes.

Im Anschluss an den Predigtteil feierte die Gemeinde noch einmal das heilige Abendmahl. Danach verlas Gemeindevorsteher Kuhl die Chronik der Gemeinde. Zum Schluss des Festgottesdienstes profanierte Apostel Lindemann das Kirchengebäude.

Der Schritt, die Kirche aufzugeben, war notwendig geworden, weil die demografische Entwicklung auch vor der Königsberger Kirchengemeinde nicht Halt gemacht hat. Um weiterhin ein aktives Gemeindeleben zu gewährleisten, war es sinnvoll, die beiden Gemeinden Biebertal-Königsberg und Hohenahr-Erda zusammenzuführen. Sie werden zukünftig die Gottesdienste gemeinsam in der Kirche in Erda feiern. Am Sonntag fand dort bereits aus diesem Anlass ein Festgottesdienst statt.

Die Anfänge der neuapostolischen Kirchengemeinde in Königsberg reichen bis in das Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als die ersten Königsberger mit dem neuapostolischen Glauben in Berührung kamen und die Gottesdienste in Erda besuchten. Am 21. Oktober 1921 konnte dann in Königsberg eine Gemeinde gegründet werden. Priester Ludwig Müller betreute die 28 Gemeindemitglieder als Vorsteher. In seiner Wohnung im Wetzlarer Weg 16 fanden auch die Gottesdienste statt. Dazu mussten die Betten abgeschlagen werden, um genügend Raum für die Gottesdienstbesucher zu schaffen.

Die Gemeinde wuchs weiter. So bekannten sich bereits im Dezember des selben Jahres weitere 19 Seelen zum neuapostolischen Glauben. 1924 zog die Gemeinde schließlich in einen eigenen Versammlungsraum in der Schlossstraße 8. 1972 wurde damit begonnen, ein eigenes Kirchengebäude unter der Adresse Am Heddrich 8 zu errichten. Bereits am 25. März 1973 hielt Bischof Johannes Seibert den feierlichen Einweihungsgottesdienst. Zu diesem Zeitpunkt betreute Gemeindeevangelist Karl-Heinz Heim die Gemeinde als Vorsteher.

Anfang 2013 renovierten die Gemeindemitglieder in Eigenleistung den Innenraum der Kirche. Auch die baufällig gewordene Außentreppe wurde in diesem Zug saniert. Zum Wiederbezug nach der Renovierung und anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Kirchengebäudes fand am 24. März 2013 ein Tag der offenen Tür statt. Gemeindevorsteher Kuhl begrüßte damals als Ehrengäste den Biebertaler Bürgermeister Thomas Bender, den Königsberger Ortsvorsteher Wolfgang Lenz, die katholische Gemeindereferentin Gertrud Wittenstein sowie den evangelischen Pfarrer Horst Rockel.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Letzter-Gottesdienst-in-Koenigsberg;art457,256246

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