10. September 2017, 20:40 Uhr

Heute in Dorlar

Leni Reinstädtler blickt auf 100 zufriedene Jahre

10. September 2017, 20:40 Uhr
Reinstädtler

1917 herrscht in Deutschland eine Hungersnot (»Kohlrübenwinter«), und die USA erklären dem deutschen Kaiserreich den Krieg und mobilisieren 1,7 Millionen Soldaten für den Einsatz in Europa. Und der Marburger Mediziner Emil Behring erhält den Medizin-Nobelpreis. In Dorlar wird am 11. September 1917 als drittes von vier Kindern des Ehepaares Marie und Ludwig Leib die kleine Helene geboren. Leni Reinstädtler darf am heutigen Montag mit ihrem 100. Geburtstag ein noch immer seltenes Jubiläum feiern. Die junge Helene ging nach der Volksschule den gleichen Weg wie sehr viele ihrer Alterskameradinnen. Auf der einen Seite selbstverständlich in Haushalt und Landwirtschaft mithelfendes Familienmitglied und auf der anderen Seite als Arbeiterin in der Zigarrenfabrik des Heuchelheimer Unternehmens Rinn & Cloos, das in vielen Dörfern der Heimat Fabrikgebäude errichtet hatte, um dort vor Ort zu produzieren, wo die Arbeiterinnen lebten. Diese Zigarrenfabrikengaben vielen jungen und älteren Frauen auf den Dörfern – Männer waren nur sehr wenige darunter – die Gelegenheit, mit ihrer Arbeit zum Familieneinkommen beizutragen.

Heirat im ersten Kriegsjahr

Zwei Jahre war sie mit dem vier Jahre älteren Erich Reinstädtler aus dem gleichen Dorf verlobt, als sie 1940 heirateten, ehe der Ehemann kurz darauf zum Kriegsdienst einrücken musste. Im August 1945 wurde er aus englischer Gefangenschaft nach Hause entlassen. 1946 kam Tochter Gisela zur Welt und ein Jahr darauf Sohn Rudolf, der schon 1994 verstorben ist. 1980 bereits musste Helene Reinstädtler ihren Mann zu Grabe tragen. 1952 zog das Ehepaar mit den Kindern Gisela und Rudi von Helenes Elternhaus ins Elternhaus des Ehemannes an der Ecke Atzbacher Straße/Waldgirmeser Straße, wo »Ruutshannese« Erich eine Polsterer- und Sattlerwerkstatt hatte und mit Eltern und Ehefrau die kleine Landwirtschaft betrieb. Die Altersjubilarin wohnt und lebt bis heute in diesem Haus, betreut von ihrer Tochter Gisela und deren Mann Johann. Insgesamt zählen fünf Enkel, zwölf Urenkel und zwei Ur-Ur-Enkel zu Helene Reinstädtlers Nachkommen.

Fußball und Zeitung

Helene Reinstädtler ist mit dem Verlauf ihres Lebens zufrieden, Höhen und Tiefen eingeschlossen. Sie ist ihrem Schöpfer dankbar für einen noch immer klaren Verstand und für 95 gesunde Jahre. Erst in den letzten Jahren meldeten sich Krankheiten und auch Unfälle, Arm- und Beinbruch ebenso eingeschlossen wie eine Krebsoperation am Kopf. Augenlicht und Gehör lassen nach. Beim Gehen leistet der Rollator sehr nützliche Dienste. Die Jubilarin hat immer gerne gelesen, was sie bis heute auch bei nachlassender Sehkraft tut. Unter anderem gehört die Tageszeitung zur täglichen Lektüre. Und begeisterter Fußballfan ist sie bis heute. Bei jedem Spiel, das im Fernseher übertragen wird, ist sie dabei. Mehr als ein halbes Jahrhundert sang sie im Frauenchor Dorlar, ein Verein, in dem sie seit mittlerweile 86 Jahren Mitglied ist.

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