Der aus Ungarn stammende Kameramann und Filmemacher Péter Miklòs Csaba, der über Paris schließlich zum WDR nach Deutschland kam, war vom Männerkreis der evangelischen Kirche in Krofdorf-Gleiberg, A.D.A.M., eingeladen worden. Viele seiner Arbeiten wurden mit Preisen ausgezeichnet. Beim WDR war er etwa an der dokumentarischen Nachbereitung der erfolgreichen US-Produktion »Holocaust« (1978) beteiligt.

Fluch und Verfolgung blieben durchgängig Themen für Csaba in seiner Arbeit. Oft genug führte ihn sein Beruf in die Krisengebiete dieser Welt. Vieles, was er dort zu sehen bekam und erlebte, war nicht leicht auszuhalten, gehöre aber nun mal zur Arbeit eines Berichterstatters, wie er lakonisch erklärte. Nur abgeklärt wirkte der erfahrene Filmemacher durchaus nicht. Man würde auf Anhieb nicht darauf kommen, dass es für ihn keinesfalls nur Begegnungen mit von Tragödien Gezeichneten in menschenunwürdigen Lagern gab. Wiewohl man eben überall Menschen begegnet, denen etwa Gliedmaßen fehlten, so Csaba, denn Amputationen seien eben unter Umständen bei Verletzungen die erste Behandlung, da Medikamente fehlten, sind diese nie ausgesondert, werden stattdessen liebevoll umsorgt. Soziales Miteinander und Wärme seien stets spürbar.

Auch Vorfilm anrührend

Themenbezogen wurde dem Publikum ein »Vorfilm« in Stop-Motion-Technik gezeigt. Poetisch aus dem Off erzählt wird die Geschichte zweier Flüchtlingskinder (dargestellt mit Plastilinfiguren) gezeigt, die trotz Entbehrungen versuchen, gemeinsam Musik zu machen. Ihr Lebensinhalt. Bei dem Versuch, ausreichend Altmetall zu finden, um sich eine Oud (arabische Laute) kaufen zu können, stellen sie fest, dass es nicht reichen wird. Dann finden sie einen Gegenstand aus Metall, den sie nie zuvor gesehen haben, eine Landmine. Verstörend und anrührend zugleich wird dem Zuschauer die Explosion erspart, dann aber gezeigt, dass die Brüder zusammen die ersehnte Oud spielen. Jeder mit der Hand, die ihm noch geblieben ist.

Landminen wie diese liegen heute noch überall, auch noch in ehemaligen Kriegsgebieten, weiß Csaba. Das sind No-Go-Areas. Böden, die man auf unbestimmte Zeit nicht nutzen kann. »Auch noch Herzegowina oder Somalia. Ein wunderschönes Land.« In seiner Tätigkeit von mehr als 30 Jahren, so erzählt Csaba, ist es wichtig, nicht nur Bilder zu liefern.

So begegnete er Leuten, die ihre Heimat verlassen mussten, und erlebte dabei unerwartet, dass diese sich eine lebensbejahende Haltung bewahrt hatten. Das zeige sich auch in den Bestrebungen, Sorgen, Hoffnungen und Zuversicht in künstlerischer Form zu erfassen.

Im Rahmen eines Schreibprojekts für junge Geflüchtete waren Gedichte von 13- bis 16-Jährigen entstanden, die von Lektor Georg Schaaf, ebenso wie Csaba in Münster zu Hause, vorgetragen wurden. Die beiden Freunde befassen sich schon lange mit dem Thema Lyrik und Kunst von Menschen in Fluchtsituationen. Diese betonen immer wieder, dass die Menschen ihr Leben nicht ständig als Notzustand begreifen, sondern sehr wohl auch ihren Alltag gestalten und ihre Zukunft planen möchten.

Der Hauptfilm von Péter Miklòs Csaba ist eine beeindruckende Collage verschiedener Aspekte aus der Perspektive der Betroffenen. Ein Teil des Films widmete sich der Erinnerungskultur von und mit Zwangsarbeitern. Auch hier finden sich Zeugnisse, die als Lyrik einzuordnen sind, als Besonderheit unter den üblichen Museumsstücken wirken. Die Betroffenen verarbeiten, berichten, reflektieren sehr individuell. Die Überlebenden besuchen auch heute noch die Stätten ihres Leidens, um in Kontakt mit Deutschen der nachfolgenden Generation zu treten. Sie wollen Brücken schlagen.

Im Weiteren kam auch der Lehrbeauftragter für Arabische Literatur, Professor Abdo Abboud, zu Wort. Er las arabische Gedichte vor. Mit der eigenen Geschichte zögerlich umgehend, verweist Aboud auf das Anliegen der Geflüchteten, gehört zu werden und nicht bemitleidet. »Unsere Kultur ist 4000 Jahre alt« erfuhr Csaba von Syrern. »Immer wieder kamen Eroberer und viel wurde zerstört, doch wir sind noch da.«

Engagement im Ruhestand

Von seinen Reisen in die Krisengebiete war Péter Miklòs Csaba nicht »erleichtert, wieder zu Hause zu sein« zurückgekommen, betonte er, sondern reicher. Die Fröhlichkeit der Menschen sei ihm stets zu Herzen gegangen. Inzwischen im »Unruhestand«, geht sein Engagement weiter. Er ist Mitglied im Vorstand der Filmwerkstatt Münster und seit 2016 Mitausrichter des »Zebra-Poetry-Filmfestivals Münster und Berlin«.

Am Ende bedankte sich Pfarrer Christoph Schaaf bei Csabas und Schaaf. Ebenso für die technische Unterstützung durch die Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg, namentlich bei Horst Seidel.

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