08. Juli 2018, 09:05 Uhr

Teure Sanierung

Laubachs Freibad kann das Wasser nicht halten

Die Fliesen sind marode: Laubachs Freibad muss saniert werden. Was in einem Abwasch mit dem Einbau neuer Attraktionen erfolgen soll. Apropos: Das Becken kommt am Ende in Edelstahl daher.
08. Juli 2018, 09:05 Uhr
»Die Wanne ist voll – huh, huh, huuuh«: Noch können sich »Wasserratten« im Laubacher Freibad abkühlen, doch es droht eine längere Trockenphase. Der Sanierungsbedarf ist dringend. (Foto: tb)

Noch planschen, noch bruzzeln sie in der Sonne, noch treiben sie ihre Späße mit dem Kioskpersonal. Noch, denn schon bald soll auf die Gäste des Laubacher Freibads eine längere Zwangspause zukommen. Für 2020 plant die Stadt eine Grunderneuerung.

Die jüngsten zwei, drei Wochen waren für«Wasserratten« wie auch für Laubachs Kultur & Bäder GmbH eine Wohltat. Nicht zuletzt für Karl-Heinz Weicker, Prokurist des städtischen Eigenbetriebs. Nach den verregneten Sommern der vergangenen Jahre darf er sich endlich wieder über hohe Einnahmen aus Eintrittsgeldern im Freibad freuen

Erwartete fünfstellige Erlöse allerdings sind eine Marginalie, schaut man sich die Kosten der notwendigen Sanierung an. Der Investitionsbedarf wird mit satten 3,9 Millionen Euro veranschlagt – netto. Das Gute daran: Die Berechnung fußt auf einem Worst-case-Szenario, umfasst auch Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung – eine neue Rutsche und Massageliegen vor allem.

Von den knapp vier Millionen abzuziehen sind erwartete 1,17 Millionen Euro aus dem neuen Förderprogramm des Landes mit dem bezeichnenden Namen »SWIM« sowie Spenden in Höhe von 73 000 Euro. Bliebe für die Stadt ein Finanzierungsbedarf von 2,6 Millionen Euro. Die Mehrbelastung betrüge 96 000 Euro per annum. Sanierungsbedingte Einsparungen beim Personal und Mehreinnahmen, weil ein attraktiveres Freibad eben auch mehr Besucher anzieht, sind dabei bereits eingerechnet.

So oder so ist es ein dicker Brocken, schon gar für Laubach. Doch ein zu langes Warten könnte noch teurer werden. Vor allem tun sich jetzt gleich zwei Förderquellen auf – neben besagten »SWIM«-Programm erwägt Laubach auch, Mittel aus der Hessenkasse einzusetzen (siehe Kasten ).

Die Kosten fußen auf einer Machbarkeitsstudie des Fachbüros »balneatechnik« und dessen Trendberechnung. In ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause werden sich Laubachs Politiker damit zu beschäftigen haben. Zwischenzeitlich werden die exakten Fördermodalitäten für das »SWIM«-Programm vorliegen, will Bürgermeister Peter Klug die Investitionsrechnung durch die Verwaltung konkretisieren lassen.

Das letzte Wort hätte dann das Stadtparlament im Spätherbst, bei der Etatplanung 2019. Ohne die erhofften Landesmittel, das aber stellt der Rathauschef klar, wäre das Projekt wirtschaftlich nicht darstellbar.

Für Klug wie auch die Bäder GmbH steht der Bedarf dieser Großinvestition außer Zweifel, schon wegen der aktuell hohen Unterhaltungskosten von insgesamt rund 25 000 Euro; allein die Wasserverluste schlagen mit jährlich 10 000 Euro zu Buche..

Was nicht verwundert, liegt doch die letzte Grunderneuerung des in den 1930ern gebauten Freibads mittlerweile 37 Jahre zurück. Seither musste der Beckenkopf bereits zweimal erneuert werden, zuletzt 2001. Der ist hier auf der Beckenwanne aufgesetzt, Feuchtigkeit dringt ein, Frostschäden sind programmiert. Wasserverluste resultieren auch daraus, dass immer wieder Fliesen, nicht selten großflächig, abfallen.

»Allein die Beseitigung von derlei Frostschäden«, gibt Klug zu bedenken, »wird von Jahr zu Jahr teurer. Wegen der abnehmenden Haftbarkeit der Beckenwände ist mittelfristig damit zu rechnen, dass eine Freibadsaison ausfällt«. Für dieses Jahr wäre damit ein geschätzter Einnahmeverlust von rund 80 000 Euro verbunden.

Für eine Grunderneuerung spricht ferner, dass nur so das Gros der Versorgungsleitungen ausgetauscht werden kann. Nicht zu vergessen: Geplant ist auch die Abtrennung der Bereiche für Schwimmer und Nichtschwimmer sowie des Sprungbeckens. Die vorhandene durchgehende Wanne mit unterschiedlichen Wassertiefen ist aus Sicherheitsaspekten nicht mehr erlaubt. Als Baubeginn visiert die Stadt den September 2020 an, im Juli des Folgejahres sollte alles fertig sein.

Vorgesehen ist wie erwähnt eine Auskleidung des vorhandenen Beckens mit Edelstahlblech. In den 1990ern hatte Grünberg bereits diese Variante der Sanierung gewählt – Bedenken einiger Stammgäste, sie würden sich wie in einem überdimensionalen Spülbecken fühlen, sollten sich bald im leicht gechlorten Wasser auflösen.

Info

Millionen vom Land

- Die Grundsanierung des Freibads Laubach wird mit bis zu 3,9 Mio. Euro beziffert. Heftig. Doch winken jetzt hohe Zuschüsse: So darf sich die Stadt berechtigte Hoffnungen auf 1,17 Mio. Euro aus dem neuen Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm machen, für das Hessen 50 Mio. Euro bereitgestellt hat.

- Zum anderen hat Laubach bereits die Zusage über 2,68 Mio. Euro aus der »Hessenkasse«. Erwogen wird nun, davon 1,2 Mio. Euro fürs Freibad abzuzweigen. Was den Finanzierungsbedarf und entsprechend die Belastung von 96 000 auf 60 000 bis 70 000 Euro drücken dürfte.

- Eine weitere Einsparung von rund 400 000 Euro ergäbe sich, müsste der Betreiber nicht das Spülwasser aus den dann alten Filteranlagen aufbereiten. Dafür braucht es zunächst das Okay der Unteren Wasserbehörde.  (tb)

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