07. März 2017, 21:20 Uhr

Hofbesuch

Landwirt sieht seine Zukunft im Speiseeis

Zusammen mit Vertretern des Kreisbauernverbandes besuchten FDP-Politiker den Hof der Familie Gerlach in Eberstadt. Der Landwirt reagiert auf sinkende Milchpreise mit einer besonderen Idee.
07. März 2017, 21:20 Uhr
Sven Görlach, Wolfgang Greilich und Dr. Hermann Otto Solms (v.l.) sprechen auf dem Hof in Eberstadt über die Situation der Landwirte. (Foto: pm)

»Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.« So reimt das Bundesumweltministerium auf Werbeplakaten. »Da sieht man schon das Problem. So kann man doch mit den Landwirten nicht umgehen«, sagte Manfred Paul, Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Mathias Fritz, Geschäftsführer Hans-Martin Sames sowie den FDP-Politikern Wolfgang Greilich und Dr. Hermann Otto Solms war er zu Gast auf dem Hof der Familie Görlach in Eberstadt und berichtete über die aktuelle Situation der Landwirte.

Die Hürden, denen sich die Landwirte gegenübersehen, sind vielfältig. Sinkende Milch- und Schweinepreise, der Vorwurf, für angeblich steigende Nitratwerte im Grundwasser verantwortlich zu sein, Flächenverbrauch von Ackerland und die Billig-Konkurrenz aus dem Ausland machen den Landwirten schon länger zu schaffen. Viele Familienbetriebe wie der Görlach-Hof entwickeln hierbei eigene Strategien, um damit umzugehen. So reagierte Sven Görlach auf die sinkenden Preise für seine Milch kreativ und verarbeitet einen Teil seiner Produktion direkt auf seinem Hof zu hochwertigem Speiseeis. Eis vom Bauernhof – das setzte sich durch und erfreut sich großer Beliebtheit. »Durch die Eisproduktion bleibt uns deutlich mehr vom Liter Milch als bei den großen Molkereien und macht uns unabhängiger vom niedrigen Milchpreis«, erklärte der Landwirt.

Zu den Problemen mischt sich vermehrt eine negative Stimmung, denen sich die Landwirte ausgesetzt sehen. Viele Probleme werden allein an der Landwirtschaft festgemacht – und immer mehr Bauern vermissen die Rückendeckung in der Politik. Der versprochene Bürokratieabbau in der Landwirtschaft lässt seit Jahren auf sich warten, die Bauern bekommen stattdessen immer neue Verordnungen auferlegt. Die Umweltministerien rücken mit den jüngsten Kampagnen die Landwirtschaft in ein Licht, in das sie nicht gehört, erklären die Freien Demokraten in ihrer Pressemitteilung. »Insbesondere die Bundesregierung liefert hierbei kein glückliches Bild ab. Anstatt an den täglichen Problemen der Landwirte, wie überbordende Bürokratie und realitätsferne Verordnungen, zu arbeiten, agieren das Landwirtschafts- und Umweltministerium im Bund komplett gegeneinander. Das ist eine unsägliche Situation und die Leidtragenden sind hierbei die Bauern«, erklärte Hermann Otto Solms.

Wolfgang Greilich fordert zu einem Umdenken auf. »Wir müssen uns den Wert der heimischen Landwirtschaft wieder bewusster machen. Unsere Lebensmittel wachsen nicht im Supermarkt, und Bauern sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie sind die Produzenten unserer Grundnahrungsmittel, Landschaftspfleger, Kulturgut und insbesondere Arbeitgeber. Allein in Hessen hängen rund 50 000 Arbeitsplätze an der Landwirtschaft«, sagte der Landtagsvizepräsident. Das Umdenken müsse bereits in der Schule stattfinden. Die reguläre Arbeitswelt müsse stärker in den Schulalltag integriert, anstatt immer weiter zurückgedrängt werden. Schüler müssten sich umfassend mit solchen Themen auseinandersetzen.

Kreislandwirt Manfred Paul rät jedem, sich von der Qualität der hessischen Landwirtschaft persönlich zu überzeugen: »Vorurteile in Bezug auf Tierwohl und Qualität in der Landwirtschaft lassen sich am besten vor Ort beseitigen. Unsere Bauern freuen sich über jeden, der sich selbst ein Urteil bilden möchte.«

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