03. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Genervte Pendler

Landrätin Schneider soll der Bahn Druck machen

Die Klagen der Pendler nach Rhein-Main reißen nicht ab: Verspätungen und Zugausfälle gehören fast schon zum Alltag. Die Folge: Längere Wegezeiten zur Arbeit oder nach Hause. Nun ist die Politik gefragt.
03. Oktober 2018, 16:00 Uhr
Von Gießen nach Frankfurt: Das hat viele Pendler in den vergangenen Monaten genervt. (Archivfoto: Geck)

Einer der seit Jahren seine Erfahrungen sammelnde Pendler ist Hendrik Lodde. Mit Wohnsitz in Linden und Job in Frankfurt ist er täglich mit der Bahn unterwegs. Und wendet sich jetzt einmal mehr genervt an die Politik, bittet um Hilfe und Unterstützung. Konkret von Landrätin Anita Schneider (SPD), zugleich Aufsichtsratsmitglied im Rhein-Main-Verkehrsverbund. Frankfurt-Pendler Lodde hat die Landrätin vor 14 Tagen in einem Brief »auf den derzeit unseligen Zustand« bei der durch den RMV organisierten Bahnverbindung von Gießen über Linden und Langgöns nach Frankfurt hingewiesen.

 

Fast täglich Verspätungen

Fast täglich hätten die Züge nicht nur Verspätung (Lodde: »plus 5-10 Minuten ist Standard«), sondern fielen häufig gänzlich aus. Leider nicht immer die gleiche Verbindung und somit planbar, sondern verschiedene Züge: Mal morgens, mal Abends, mal Anschlusszüge, mal Zubringerzüge. Die Folge, so skizziert es der Lindener: Nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Ausdünnung des Fahrplans verlängert sich bei jedem Zugausfall die Fahrzeit um 30 bis 45 Minuten.

»Ich würde Sie bitten«, schreibt Lodde der Landrätin, »Ihren Einfluss beim RMV zu nutzen, um diesen Problemen auf den Grund zu gehen«.

Das Thema beschäftigt uns schon den ganzen Sommer und hat zu einer bald vierstelligen Zahl von Mails geführt

Thomas Kraft, Regionalsprecher Pro Bahn

Zugleich regt der junge Lindener an, über »Sanktionen« nachzudenken, die der Rhein-Main-Verkehrsverbund einsetzen könnte, um die Deutsche Bahn dazu zu zwingen, endlich den Fahrplan einzuhalten. Lodde: »Auch eine Kündigung sollte tatsächlich geprüft werden, da (so die Wahrnehmung vieler Pendler) die Deutsche Bahn mit ihren ständigen Zugausfällen und Signalstörungen anscheinend sowohl die Technik nicht entsprechend wartet alsauch kein ausreichendes Personal vorzuhalten scheint, um die zugesagten Leistungen zu liefern«.

Lodde steht mit seiner Kritik an der Bahn nicht allein da: Allein beim Fahrgastverband Pro Bahn sind mehrere hundert Hinweise und Beschwerden eingegangen. »Das Thema beschäftigt uns schon den ganzen Sommer und hat inzwischen zu einer Zahl von Mails geführt, die in unserem Landesverband alsbald vierstellig sein wird«, bestätigt der Lahnauer Thomas Kraft, einer der Pro-Bahn-Pressespecher, die seit Monaten immer wieder laut werdenden Beschwerden.

 

Personalprobleme »völlig inakzeptabel«

Pro Bahn nennt die Personalprobleme aufgrund von Krankheit oder Urlaub in den zurückliegenden Sommerwochen »völlig inakzeptabel«. Und plädiert dafür, Arbeitskräfte so einzusetzen, dass Lücken wie beim Mittelhessen-Express geschlossen und Zugausfälle vermieden werden. Der Fahrgastverband sprach bereits im August von »schlimmen Zuständen« beim Mittelhessen-Express«. Auch da fiel schon wie bei Lodde das Wort von Vertragskündigung und einer vorzeitigen Neuvergabe der Leistung, wenn es nicht zu Verbesserungen komme.

Denn es macht durchaus Sinn, den Bahnverkehr in Mittelhessen zu stärken, sendet der Lindener Lodde zugleich eine Forderung an die Landespolitik. Denn »eine verlässliche und schnelle Verkehrsanbindung an das Rhein-Main-Gebiet dürfte zu einer Entlastung auf dem Wohnungsmarkt im Frankfurter Ballungsraum beitragen, ist er sich sicher. Mit einer guten Anbindung bleibe das Wohnen im Landkreis Gießen auch in Zukunft attraktiv.

Landrätin Schneider hat das Lodde-Schreiben an den RMV mit der Bitte um eine Stellungnahme weitergeleitet.

Info

Info zu Störungen

Wer wissen will, auf welcher Verbindung es Verspätungen oder gar Ausfälle gibt, der kann den aktuellen Service des Rhein-Main-Verkehrsverbundes nutzen: www.rmv.de/auskunft

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