04. Mai 2017, 13:00 Uhr

Filmprojekt

Kunst schlägt Fast-Food

Normalerweise interessieren sich Jugendliche nicht für Jahrzehnte alte Skulpturen. In Allendorf aber ist das anders. Für die Kunst ließen sie gar Cheeseburger links liegen. Schuld ist ein Filmprojekt.
04. Mai 2017, 13:00 Uhr
Heidwolf Arnold (2. v. r.) erklärt Mara Urich (v. r.), Benedikt Sohl und Simon Leib sowie Lehrer Harald Kraehe die Bedeutung einer Skulptur auf dem Gelände des Künstlerhofes in Allendorf. Daniel Miller hält die Szene mit der Videokamera fest. (Foto: esa)
Wenn Schüler das Klassenzimmer gegen Aktivitäten außerhalb des Schulgebäudes eintauschen dürfen, zögern sie meist nicht lange. Doch tun sie das auch, wenn sie stattdessen knapp 100 Jahre alte Skulpturen erkunden und den Unterrichtsstoff nacharbeiten müssen? Im Falle von elf Schülern der Gesamtschule Lumdatal in Allendorf lautet die Antwort: Ja.

Während ihre Mitschüler sich mit Pythagoras, Goethe und Da Vinci beschäftigten, suchten sie im Auftrag von Landrätin Anita Schneider im Kreis Gießen nach Spuren des Allendorfer Künstlers Wilhelm Heidwolf Arnold. Anlässlich des 120. Geburtstages von Arnold und des 20-jährigen Bestehens des Künstlerhofes in Allendorf arbeiteten die Schüler mit ihren Lehrern Harald Kraehe und Daniel Miller das Leben und die Werke von Arnold auf.
 

Eine Woche im Landkreis unterwegs

Eine Woche lang tourten sie durch den Landkreis, besichtigten Kunstwerke, interviewten Zeitzeugen und stellten als Schauspieler Szenen im Leben des Künstlers nach. All das auf freiwilliger Basis und mit der Empfehlung von guten Noten und guten Leistungen in der Movical-AG, einer Mischung aus Film und Musical. Denn die Schüler mussten von schauspielerischen bis hin zu journalistischen Fähigkeiten ein breites Spektrum bedienen.

Heidwolf Arnold (2.v.l.) mit den Schülern (v.l.) Simon Leib und Mara Ulrich, Harald Kraehe...

Für Benedikt Sohl, der zuvor den Künstlerhof nur wegen des kulinarischen Angebots besuchte, war W. H. Arnold zwar ein Begriff, »erst recht, wenn man im Lumdatal aufwächst«. Doch eigentlich habe er keinen Schimmer vom Wirken des Künstlers gehabt, gesteht er. War das Projekt also nur eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag? Ja und Nein. Viele Ausflüge gepaart mit der kreativen Arbeit beim Videodreh boten attraktive Rahmenbedingungen abseits der Schulmauern. Entscheidend war laut Sohl aber die Möglichkeit, »mehr über Arnold zu erfahren«. Das klappte auch, manches allerdings geschah reichlich spontan. So wie vor ein paar Wochen in Reiskirchen.

Mittagspause musste warten
 
Damals waren die Schüler bereits in einem Fast-Food-Restaurant zum Mittagessen eingekehrt, doch bevor die Bestellung über die Theke ging, orteten sie per Smartphone-Suche in der Nähe den »Bronzenen Jüngling« an der Reiskirchener Kirschbergschule. Kurzerhand wurde die Mittagspause verschoben. Diese Anekdote zeigt ganz gut, wie aus der anfänglichen Unwissenheit Begeisterung wurde.
Überhaupt sei es für Sohl und seine Mitstreiter erstaunlich gewesen, wie viele Spuren Arnold im Landkreis hinterlassen habe. »Wir gehen nun alle mit offeneren Augen durch den Landkreis und finden immer wieder neue Dinge, die mit Arnold zu verbinden sind«, erzählt er.
 

Zum Abschluss der Dreharbeiten hatte Sohl gemeinsam mit seinen Klassenkameraden Mara Urich und Simon Leib den wohl wichtigsten Termin. Der Sohn des Allendorfer Künstlers, Prof. Heidwolf Arnold, war vergangene Woche zum Interview extra aus Freiburg angereist. Zwar musste der pensionierte Mediziner einen kurzen Blick in seinen Terminkalender werfen, »schließlich haben Rentner immer viel zu tun«. Doch die Anfrage der Schüler war für den 80-Jährigen eine Herzensangelegenheit. Also machte sich Arnold mit seiner Ehegattin auf den Weg nach Allendorf.Im Künstlerhof, dem ehemaligen Wohnhaus seines Vaters, hatte er den drei 16-Jährigen viel zu erzählen und zeigte sich anschließend begeistert von der Arbeit der Schüler: »Der Einsatz, den sie an den Tag legen, freut mich ungeheuer.« Er fühle sich verpflichtet, Kunst und Kultur ganz im Sinne seines Vaters weiterzugeben. »Sehen lernen« hatte jener als Motto für sein Schaffen ausgegeben.



Als Appetithäppchen bekam Arnold jr. bereits einige Sequenzen des Films zu sehen. Das fertige Produkt wird am 9. Juni im Rahmen der Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten im Künstlerhof uraufgeführt. Arnold hat sich auch diesen Termin in seinen Kalender eingetragen und wird abermals nach Allendorf reisen: »Das ist Ehrensache. Die jungen Leute haben es verdient.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anita Schneider
  • Gesamtschule Lumdatal
  • Google
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Pythagoras von Samos
  • Skulpturen
  • Allendorf
  • Erik Scharf
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen