24. Juli 2017, 20:28 Uhr

Kunst mit dem Herzen verstehen

24. Juli 2017, 20:28 Uhr
Die Ausstellungseröffnung im Museum im Spital mit (v. l.) Norbert Heide, Otmar Alt, Hartmut Miethe, Thomas Kreuder und Wolfgang Hofheinz. (Foto: dis)

Zwei Ausstellungseröffnungen an einem Wochenende, ein gemeinsames Thema: Luther. Am Freitag öffnete im Museum im Spital die Schau »Luther – Der Verkünder«, am Samstag hieß es in der Evangelischen Stadtkirche »500 Jahre Reformation«. Jeweils ist Otmar Alt zu Gast. Der 1940 in Wernigerode im Harz geborene Künstler hat farbige und monochrome Gemälde auf fünfzehn Stellagen, sogenannte Kathetern, im Gepäck. Darauf nähert sich Alt dem Reformator mit seiner eigenen bildreichen Sprache. Die Ausstellung wird durch die Präsentation von zehn Collagen ergänzt, die Alt für ein Kalenderwerk Martin Luthers geschaffen hat.

In Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde wird in den Gemeinderäumen zudem die Mappe »500 Jahre Reformation – Luther-Zyklus« von Alt zu sehen sein. Dieses Mappenwerk mit elf Grafiken hat der Künstler zusammen mit der »jakob-kemenate Braunschweig« geschaffen.

Alts fantasievolle Werke wirken vordergründig oft heiter und verspielt und drücken seine Experimentierfreude aus. Dabei entfalten sich bei näherer Betrachtung tiefgründige und komplexe Geschichten, die den Betrachter zum Nachdenken auffordern. Mit seinen Arbeiten will Alt die Reformation und das Werk Luthers in die Gegenwart holen und so einen wertvollen Beitrag leisten, der auch über das Reformationsjahr hinaus wirken und zum Austausch anregen soll.

Reformation war Umbruch

Dazu merkte Alt, der an beiden Eröffnungstagen anwesend war, an: »Ich möchte den Menschen etwas mitteilen und in der Gesellschaft, in der wir heute leben, ein positives Zeichen setzen!« Zur Eröffnung der Sonderausstellung »Luther – Der Verkünder« in der Hospitalkirche war neben dem Künstler auch der Erste Stadtrat Thomas Kreuder anwesend. Er hob die Bedeutung der Ausstellung für die Stadt am Lutherweg hervor. Stadtrat Otto Klockemann sieht durch die Pilger Chancen für steigende Übernachtungszahlen. Dekan Norbert Heide betonte, dass Bilder oft geeigneter als Worte Aspekte für eine Sache sichtbar und Gottes Wort erfahrbar machen. So zeigten Holzschnitte und Gemälde, auch im Zusammenhang mit der Erfindung der Buchdruckerkunst, von Lucas Cranach aus der Zeit Luthers, wie wichtig Bilder waren.

Pfarrer i. R. Hartmut Miethe stellte am Anfang seiner Einführung zur Ausstellung den Satz von Otmar Alt aus dessen Bibel: »Alles was du mit Liebe machst, wird schön!« Leider regiere aber oft Hass und Gewalt. Alt sei ein besonderer Mensch als Künstler, ein Magier der Farben und ein Philosoph auf der Leinwand.

Mit der Reformation sei eine Zeit des Umbruchs entstanden und Luther selbst sei wohl überrascht gewesen, was seine 95 Thesen alles in Bewegung gesetzt haben. Auch Miethe ging auf die Bedeutung der Bildsprache und die Erfindung der Buchdruckerkunst ein, die für eine rasche Verbreitung von Luthers Thesen und der von ihr in die deutsche Sprache übersetzte Bibel gesorgt habe. Im ersten von ihm vorgestellten Bild von Alt könne man die 95 Thesen, den Papst und den Teufel erkennen, wobei ein schlichtes Kreuz an der Wand den Glauben verkörpere. Auch Luther habe im Leben Angst gehabt. Später in der Ehe mit Katharina von Bora habe er viel Leid erfahren müssen, denn zwei seiner vier Kinder sind im Kindesalter gestorben. Doch habe er im Glauben und in der Bibel immer wieder Kraft geschöpft und die Menschen trösten können.

Bei der Ausstellungseröffnung in der Stadtkirche beleuchtete Miethe anhand von zwei Werken von Alt auch die Bildung und erwähnte die Gründung der Universität in Wittenberg sowie das Verhältnis Luthers zu den Bauernaufständen. Zudem stelle er sich die Frage, was vom Reformationsjubiläum übrig bleibe, gebe es ein Nachwirken? Das sei fraglich.

Alt betonte in einem kurzen Statement, dass er immer von Herzlichkeit und Ehrlichkeit angetan sei, denn alles, was man mit dem Herz erlebe, sei schön. Er vermisse in der Gegenwart, dass sich Menschen immer weniger entschuldigten. Das Geheimnis der Kunst solle grundsätzlich gewahrt werden. »Sehen kann man mit den Augen, aber verstehen kann man nur mit dem Herzen!«

Begleitet wurde die Ausstellungseröffnung in der Stadtkirche von Kantorin Ulrike Sgodda-Theiß. Die Ausstellungen können noch bis zum 10. September während der Öffnungszeiten (mittwochs 18 bis 20 Uhr und freitags, samstags und sonntags 14 bis 18 Uhr) und zu den Veranstaltungen in der Stadtkirche besucht werden. Im Begleitprogramm wird Miethe am 4. August im Museum im Spital und am 6. August in der Stadtkirche Grünberg, jeweils um 16 Uhr, öffentliche Führungen anbieten. In der Stadtkirche findet am 8. September um 19 Uhr unter dem Titel »Bist du sicher, Martinus? – Die Tischreden der Katharina Luther, geborene von Bora« mit dem Duo Sovela mit Anna Sophia Backhaus (Stimme) und Verena Jochum (Harfe) statt. Im Museum im Spital wird es zum Thema »Türken, Papst und Teufel. Zur Fundierung der Endzeit in Martin Luthers Türkenschriften« am Samstag, dem 9. September, um 17 Uhr eine Buchvorstellung geben.

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