04. Januar 2019, 18:00 Uhr

Burg Gleiberg

Küchenparty mit alten Rezepten

Seit 140 Jahren gibt es Gastronomie auf Burg Gleiberg. Alte Speisekarten zeigen, was um 1885 und in den 1950ern serviert wurde. Dazu veranstaltet der Burgwirt am 19. Januar eine Küchenparty.
04. Januar 2019, 18:00 Uhr
Mit einer Küchenparty erinnern Gastronom Axel Horn und der Gleibergverein an fast 140 Jahre Gastronomie auf Burg Gleiberg. (Foto: dpa)

Im Archiv des Gleibergvereins finden sich neben wichtigen Urkunden und Dokumenten zur Burg auch historische Speisekarten. Dr. Jürgen Leib, der Schriftführer des Vereins, hat sie entdeckt, als er sich um das Ordnen der Unterlagen verdient gemacht hat. Die Karten machten im vergangenen Sommer die Runde, als sich der Vorstand des Gleibergvereins mit Nachfahren früherer Wirtsleute auf der Burg traf – mit Gertrud Schlage und Manfred Regelein.

Deftige Gerichte

Alte Speisekarten, deftige Gerichte? Daraus muss sich doch was machen lassen! Axel Horn, seit gut drei Jahren Burgwirt, ließ sich schnell begeistern. Zusammen mit dem Gleibergverein richtet er jetzt am dritten Januarwochenende eine historische Küchenparty mit musikalischer Begleitung aus. Dann werden eben jene Speisen serviert, wie sie in den 1880er und den 1950er Jahren auf der Burg gereicht wurden.

Mit Sebastian Niebergall fing alles an

Warum dies? Weil Gastronomie auf Burg Gleiberg eine mittlerweile fast 140-jährige Geschichte hat. Sebastian Niebergall war der erste Wirt und Kastellan auf Burg Gleiberg und trug als solcher vom Sommer 1882 bis Frühjahr 1932 Verantwortung. Stolze 50 Jahre! Aus den 1880ern stammt die eine der alten Karten. Sie weist Kotelette von Kalb oder Schwein aus, Schinken (roh und gekocht), Cervelatwurst, Schwartenmagen, Handkäse, Schweizer Käse, Eier… Und das alles unter dem Hinweis: »Vollständiges Mittagessen nach vorheriger brieflicher Bestellung.« So war das eben in Zeiten ohne Telefon und E-Mail.

Erstes Lokal in der Albertusklause

1879 hatte der preußische Staat die Ruine dem 1837 gegründeten Gleibergverein geschenkt, und schon wenig später begann in der heutigen Albertusklause die Gastronomiegeschichte mit dem Einrichten einer Trinkhalle. Ab 1882 konnte der Rittersaal als Feierraum genutzt werden. Sebastian Niebergall war auch Gründer des Gastwirtevereins Gleiberger Land.

Sein Sohn Paul Niebergall folgte als Wirt von März 1932 bis Oktober 1952. Er war Vater von Gertrud Schlage, die im Sommer ihre Erinnerungen mit dem Gleibergverein geteilt hatte. Auf die Ära Niebergall folgten die Wirtsleute Georg und Henny Regelein von 1952 bis 1981. Sohn Manfred übrigens, heute Mitte 70, war zehn Jahre lang Koch auf der Burg.

Gänseleber auf Eis

Aus den 1950er Jahren stammt eine weitere der alten Speisenkarten. Und die weist schon deutlich feinere (Vor-)Speisen aus. Da finden sich zum Beispiel Krabben-Mayonnaise oder Langusten-Mayonnaise, Gänseleber auf Eis, Weinbergschnecken, Ragout fin oder Geflügel-Galantine. Zu der Zeit hat es wohl auch das üppige Gleiberg-Brot gegeben, an das Jürgen Leib noch Erinnerungen hat.

Die Gäste kamen vornehmlich aus der nahen Stadt Gießen, »die Betuchteren und Bessergestellten«, so berichteten Regelein und Schlage im Sommer. Die Menschen aus dem Dorf gingen seinerzeit eher in die »Linde« und den »Schwarzen Walfisch« im alten Ortskern von Gleiberg. Doktoren, Professoren, Firmeninhaber feierten auf der Burg ihre Feste. Auch an einen Bus, der über Jahre Gäste einer Werbeveranstaltung des Karstadt-Kaufhauses hochbrachte, die den Rest des Weges zur Burg zu Fuß zurücklegen mussten, erinnert sich Manfred Regelein. Von der alten Burgküche aus konnte man bis zum Oberen Hardthof blicken. Die Wirtsleute hatten also noch etwas Zeit, sich für Besucher zu richten, die von Gießen zu Fuß kamen.

Gäste kamen zu Fuß oder mit dem Zug

Aber auch die »Bieberlies«, die Kleinbahn, die bis 1952 Personen zwischen Bieber, Rodheim, Heuchelheim und Gießen beförderte, brachte Gäste an den Fuß der Burg. Es gab nämlich eine Haltestelle an der alten Kinzenbacher Straße, die von Krofdorf nördlich des Abendsterns auf die Rodheimer Straße traf. Zu den Gästen gehörte ehedem auch Prominenz wie Heinz Schenk, Lia Wöhr, Margit Sponheimer und sogar Bundespräsident Theodor Heuss.

Auf die Wirtsleute Regelein folgte 1982 mit einem nur sehr kurzen Gastspiel Knut Schwer, dann das Ehepaar Helga und Rudolf Friedrich (1983 bis 1993) sowie Andreas Britz und Michael Gattung (1993 bis 2006) und vor Axel Horn für zehn Jahre Theo Friedrich.

Karten für die Küchenparty gibt es  unter info@burggleiberg.de

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