28. November 2017, 20:00 Uhr

Stadtbücherei

Krimis ein Renner, »Bravo« ist Ladenhüter

Vor 20 Jahren ist die Stadtbücherei Hungen ins Kulturzentrum umgezogen. Seitdem hat sich viel geändert – vor allem die Lesegewohnheiten und Interessen.
28. November 2017, 20:00 Uhr
Aussortieren, einsortieren, umräumen: In der Hungener Stadtbücherei gibt es immer was zu tun. Anne Dietz (r.) und ihre Kollegin Petra Fink legen Wert auf Aktualität.

Als die Stadtbücherei 1997 ihre neuen Räume bezog, war das eine Zäsur. Endlich Licht! Endlich Platz! Endlich EDV anstelle der altmodischen Karteikarten! Hell sind die Räume im Erdgeschoss des einstigen Schulhauses immer noch. Aber mit dem Platz ist das so eine Sache. 13 000 Titel waren vor zwei Jahrzehnten im Bestand. Jetzt sind es 8000 mehr. Da wird jedes Eckchen für Bücher, Zeitschriften und CDs gebraucht. Büchereileiterin Anne Dietz hat jedenfalls ordentlich ausgemistet, als sie im Sommer nach der einjährigen Babypause an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehrte. Bald 3000 Bücher haben sie und ihre Kollegin Petra Fink aussortiert. Dann war wieder Platz für Neuerscheinungen. »Wir sind schon aktuell«, sagt die 32-jährige Büchereifachangestellte selbstbewusst. Manchmal seien die Kunden regelrecht erstaunt: »Was, den neuen Fitzek habt ihr schon?«

Bestseller verpflichtet

Die Renner von den Bestsellerlisten sind für eine öffentlichte Bücherei natürlich ein Muss. Unter den Neuerwerbungen sind aber auch Titel des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro, einige Autobiografien und viele, viele Kinderbücher. Eingekauft wird übrigens beim örtlichen Buchhandel. »Das ist ein Geben und Nehmen«, sagt Dietz.

Die Stadtbücherei ist 65 Jahre alt. Groß gemacht hat sie die frühere Büchereileiterin Ilse Pleyer. Dietz, die selbst seit zehn Jahren dabei ist, hat 2010 die Leitung übernommen und seither schon etliche Veränderungen erlebt. Dass der Katalog der Bücherei online eingesehen werden kann, dass man Medien von zu Hause aus vorbestellen oder verlängern kann, ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Seit einem Jahr kann man zudem über den Onleihe-Verbund der hessischen Bibliotheken Bücher und Hörbücher auch downloaden. Wobei die Betonung auf »kann« liegt. »Es gibt Leute, die wollen das nicht«, erzählt die 32-Jährige. »Die kommen hierher oder rufen zumindest an.« Der persönliche Kontakt zu den vertrauten Ansprechpartnern sei wichtig. »Das macht so kleine Bibliotheken wie unsere aus«, findet Dietz.

Krimi statt Fantasy

Aber nicht nur die Technik hat sich verändert, sondern auch die Nutzerverhalten. Das trifft vor allem auf Kinder und Jugendliche zu. »Die Altersgruppe zwischen 10 und 13 fehlt inzwischen fast vollständig«, berichtet die Büchereileiterin. Und auch die Leseecke »ab 13« will sie demnächst abräumen. »Die Jugendlichen gehen gleich zu den Büchern für Erwachsene.« Dort habe übrigens ein Trend den anderen abgelöst. »Fantasy ist nicht mehr so gefragt, momentan gehen eher Krimis und Thriller. Koch- und Handarbeitsbücher haben ebenfalls Konjunktur, vor allem jetzt, so kurz vor der Weihnachtszeit. Und mit den angesagten »Trick 17«-Ratgebern ist die Stadtbücherei auf der Höhe der Zeit.

Beliebt sind auch die Lesungen, vor allem, wenn so populäre Autoren kommen wie Dietrich Faber. Er ist in dieser Woche an zwei Abenden im Kulturzentrum zu Gast und beide Veranstaltungen sind ausverkauft.

»Bravo« wird abbestellt

Nach wie vor eine treue Leser-Gruppe sind junge Familien mit Kleinkindern und Grundschüler. Letztere kommen vor allem donnerstags, wenn die Bücherei am Vormittag geöffnet hat, gleich nach dem Unterricht.

Manche von ihnen machen mit beim Leseförderprogramm »Antolin« und finden in der Bücherei ausreichend Stoff, um ihr Punktekonto zu füllen. »Fast alle unsere Kinderbücher sind bei Antolin registriert«, berichtet Dietz. Und für die ganz jungen Leser hat sie jüngst einen Schwung der momentan so beliebten Tiptoi-Bücher erworben. »Die sind fast alle ausgeliehen.« Gar nicht mehr gefragt ist dagegen eine Publikation, die in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Teenies beim Erwachsenwerden begleitet hat. Das Abonnement der »Bravo« wird Dietz im kommenden Jahr kündigen.

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