28. August 2018, 13:00 Uhr

Demografie

Kreis Gießen erwartet Bevölkerungsanstieg

Bis 2030 wird der Kreis Gießen an Einwohnern wachsen. Zumindest voraussichtlich. Der Demografie-Beauftragte prognostiziert steigende Zahlen. Im Ostkreis ist die Aussicht allerdings getrübt.
28. August 2018, 13:00 Uhr
Jonas_Wissner
Von Jonas Wissner
Bis 2030 erwartet der Demografie-Beauftragte in weiten Teilen des Landkreises einen Bevölkerungsanstieg, auch im Westkreis. Das Foto zeigt Burg Gleiberg und Burg Vetzberg vom Rimberg in Rodheim-Bieber aus. (Archivfoto: mo)

Ob bei der Planung von Kita-Plätzen, neuen Baugebieten oder der Bus- und Bahnanbindung – wer die künftige Entwicklung möglichst genau vorhersagt, kann Bedarfe besser ermitteln und Kommunalpolitik damit auf Kommendes einstellen.

Auch deshalb hat der Landkreis Gießen 2017 den Sozialwissenschaftler Dr. Julien Neubert als hauptamtlichen Demografie-Beauftragten eingestellt. Er soll die Bevölkerungsentwicklung im Gießener Land ergründen.

Zwar gab Neubert am Montag im Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen in Gießen nur einen groben Überblick über konkrete Ergebnisse. Dafür erläuterte er seinen methodischen Ansatz.

 

Ziel: Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse

Dass es einen Beauftragten mit dem Schwerpunkt Demografie gebe, sei unterhalb der Landesebene noch ungewöhnlich und seines Wissens in Mittelhessen bislang einmalig. Der demografische Wandel, also die Veränderung der Bevölkerungsstruktur, sei ein »sehr komplexes Phänomen«, das sich auch auf kommunalpolitische Handlungsfelder erstrecke – etwa auf Baupolitik und Infrastruktur.

 

 

Das Ziel »kommunaler Demografiepolitik« sei, so formulierte der Beauftragte in seiner Präsentation, die »Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in städtischen und ländlichen Räumen zu sichern«.

Mittelfristig sind statistische Berichte zu verschiedenen Bereichen geplant, unter anderem ein Armutsbericht und ein Leerstandskataster. Im Herbst soll zunächst der »Demografie-Atlas« des Landkreises vorgestellt werden, einige Kernaussagen präsentierte Neubert dem Ausschuss vorab.

 

Prognosen bis 2030

Im Wesentlichen steht das Werk auf zwei Säulen: Einerseits haben Neubert und sein Team einen »Demografischen Zukunftsindex« erarbeitet. Anhand von neun Kriterien – darunter die Entwicklung der Einwohnerzahl und die Altersstruktur, aber auch Leerstände und Fahrtzeiten zum nächsten Oberzentrum mit Bus, Bahn oder Pkw – wurde ermittelt, wie attraktiv die Kreiskommunen und deren Ortsteile sind. Laut der vorläufigen Auswertung steht der Kreis dabei insgesamt recht gut da, allerdings fallen gerade im Ostkreis einige Dörfer dem Index zufolge ab.

Die zweite Säule des »Demografie-Atlas« sind Bevölkerungsprognosen, die sich auf die Entwicklung bis 2030 beziehen (siehe Grafik). Das Gros der Kreiskommunen kann demnach mit einem Zuwachs rechnen. Für Pohlheim wird beispielsweise ein Plus von mehr als zehn Prozent gegenüber 2016 erwartet.

Den deutlichsten Rückgang verzeichnet die Prognose für Allendorf (Lumda) – minus 6,8 Prozent. Moderatere Rückgange werden für Grünberg, Laubach und Hungen prognostiziert. Ob diese Werte in mehr als zehn Jahren wirklich so eintreffen werden, kann freilich niemand mit Gewissheit sagen.

 

Kurzfristige Effekte oder Trends?

Als Grundlage für die Prognose dienten Bevölkerungsdaten der Jahre 2012 bis 2016, beispielweise Zu- und Wegzüge, Geburten und Sterbefälle. Eine reine Fortschreibung dieser Zahlen wäre, wie Neubert erläuterte, allerdings nicht unbedingt aussagekräftig, wie ein Beispiel zeigt: Wenn ein Ort über vier Jahre hinweg stetig an Einwohnern gewachsen ist, könnte dies auch mit dem Zuzug von Geflüchteten oder einem neu ausgewiesenen Baugebiet zusammenhängen – also mit statistischen Effekten, die keinen langfristigen Trend darstellen.

Die Entwicklung im Vergleichszeitraum diente Neubert als Ausgangspunkt, auf dessen Basis verschiedene Szenarien entwickelt wurden – positive wie negative. Ob diese Annahmen tatsächlich zutreffen, sich also für Prognosen eignen, hat er dann mit den Bürgermeistern vor Ort abgeklopft, sie nach geplanten Baugebieten gefragt, die Neubürger anlocken könnten.



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