Kreis Gießen

Kollektive Weltreise

»Hit the Road, Jack! - Hau ab, Jack!«: Der Hartnäckigkeit des Publikums war es zu verdanken, dass am Mittwochabend zum krönenden Konzertfinale im gut besuchten »Traumstern« eine Songperle erklang, die ursprünglich überhaupt nicht auf der Setlist stand. Der Ohrwurm, der 1961 einen gewissen Ray Charles in die Hitparaden katapultierte, erlebte 2013 als markante Cover-Version von Jenifer Solidade breite Anerkennung - auf den Kapverdischen Inseln.
09. Mai 2019, 22:18 Uhr
Gabriele Krämer
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Musikalische Botschafter der Kapverden: Sängerin Jenifer Solidade mit (v. l.) Rufino Almeida, Kisó Oliveira und Markus Leukel. (Foto: ik)

»Hit the Road, Jack! - Hau ab, Jack!«: Der Hartnäckigkeit des Publikums war es zu verdanken, dass am Mittwochabend zum krönenden Konzertfinale im gut besuchten »Traumstern« eine Songperle erklang, die ursprünglich überhaupt nicht auf der Setlist stand. Der Ohrwurm, der 1961 einen gewissen Ray Charles in die Hitparaden katapultierte, erlebte 2013 als markante Cover-Version von Jenifer Solidade breite Anerkennung - auf den Kapverdischen Inseln.

Direkt von dort ins Licher Kino eingeschwebt war die 34-jährige Sängerin nun als Frontfrau des aktuellen Bandprojekts von Markus Leukel. Der Schlagzeuger, vormals in Staufenberg-Treis zu Hause, lebt seit 2010 im Hafenstädtchen Mindelo auf der Insel São Vicente. Von dort aus rekrutiert er in schöner Regelmäßigkeit die besten Musiker aus »Cabo Verde« für aufregende Konzertabende in der alten Heimat (die GAZ berichtete). Die Vorschusslorbeeren für das einzige Heimspiel von Leukel und Co. im Rahmen der aktuellen Europatournee waren mehr als verdient. Der typische Sound der Inseln vor der Westküste Afrikas bescherte den Musikfreunden in Lich einen zweistündigen Ausflug in ein Land, das sich seit geraumer Zeit einer wachsenden Beliebtheit als touristische Destination erfreut. Der Mix aus europäischen, afrikanischen und karibischen Klängen übt da einen besonderen Zauber aus.

Faszinierendes Quartett

Höchst charmant und stimmlich überaus nuanciert sang Jenifer Solidade vom Leben der einfachen Leute, von der Liebe, der Sehnsucht und der Traurigkeit, die seit Cesária Évora († 2011) auch hierzulande einen Namen hat: Sodade. Und es ist jedes Mal das Gleiche mit Leukel und Co.: Das »Traum-stern«-Publikum scheint diese Lieder in sich aufzusaugen - das ist selbst ohne jegliche Portugiesisch-Kenntnisse möglich. Die Interaktion auf der Bühne funktionierte ohne Worte - da agierten Vier, die sich gewiss auch daheim in Mindelo blind verstehen: Zusammen mit Rufino Almeida alias BAU, einem wahren Zauberer an Gitarre und Cavaquinho, und dem Jazzgitarristen Kisó Oliveira wob Bandleader Markus Leukel den Klangteppich für die Coladeiras und Mornas mit ihren geheimnisvollen Botschaften.

Jenifer Solidade dankte mehrfach für den warmherzigen Empfang, strahlte angesichts der stehenden Ovationen. Doch das begeisterte Publikum gab sich selbst nach einer Zugabe nicht zufrieden. Da waren schließlich alle Vorsätze des Bandleaders über den Haufen geworfen - so musste doch noch »Hit the Road, Jack!« her, nur vom Duo Solidade/Almeido vorgetragen. Ein perfekter Rausschmeißer, denn diese Melodie behält man noch lange im Ohr. Danke - obrigada!

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Kollektive-Weltreise;art457,587815

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