06. März 2018, 21:38 Uhr

Königreich in Gefahr

Ob »Kiki Kichererbse«, das »Dschungelbuch« oder die »Bremer Stadtmusikanten« – das Licher Elterntheater hat mit seinen Inszenierungen bisher immer überzeugt. Am 18. März feiern die acht Darsteller im Traumstern mit »Der entführte Zwergenhut« Premiere. Wir waren bei einer Probe dabei.
06. März 2018, 21:38 Uhr

Rote Stoffbahnen hängen an zwei Stellwänden, goldene Kronen sind darauf. Im Mittelpunkt der Bühne steht ein Thron. Prinz Kunibert sitzt darauf. Er langweilt sich. Plötzlich betritt der Diener Bartel völlig aufgelöst die Bildfläche, den König und die Königin im Schlepptau. Alle drei sind in heller Aufregung, denn es ist etwas Furchtbares passiert: Eine magische Mütze, die mit ihrer Kraft für die Existenz des Reiches sorgt, ist aus dem Thronsaal verschwunden, und kurz darauf beginnt dieses Stück für Stück zu verschwinden – erst der Kräutergarten, dann die Hofküche...

»Der entführte Zwergenhut« heißt das neue Märchen des Licher Elterntheaters, das im Rahmen der Kulturtage am Sonntag, 18. März, um 15 Uhr im Kino Traumstern Premiere feiert. Derzeit wird fleißig geprobt, schließlich sollen in fünf Aufführungen rund 1000 Zuschauer begeistert werden. Stets spielen die Akteure – derzeit sind es sieben Frauen und ein Mann zwischen 40 und 55 Jahren – vor nahezu ausverkauftem Haus. Ihr Geheimnis: »Dass wir das alles hier mit ganz viel Herzblut machen«, sagt Silvia Hungenberg, die im Stück die Königin sowie Waldfee Grübina gibt. »Und, dass wir uns alle freundschaftlich sehr verbunden sind«, ergänzt der untalentierte Hofzauberer Horatio alias Alexandra Renkawitz. Soll heißen: Die Chemie zwischen den Akteuren stimmt. Und das ist für die acht ebenso Motivation wie die Freude der Kinder.

Zum elften Mal steht das Ensemble mittlerweile auf der Traumstern-Bühne. Das Elterntheater gibt es in Lich aber schon viel länger, wurde vor rund 30 Jahren von Müttern und Vätern der Vorschulkinder geboren. Zwar hat die Besetzung der Gruppe seitdem immer wieder gewechselt. Die jetzigen Darsteller spielen aber mittlerweile seit elf Jahren zusammen.

Wie sie ihre Stücke auswählen? Sind die Kulturtage vorbei, beginnt Silvia Hungenberg Angebote von Theaterverlagen zu studieren und wählt aus. Die Darstellung sollte für Kinder geeignet sein und wegen der meist jungen Besucher nicht länger als 50 Minuten dauern. »Nach den Sommerferien treffen wir uns und legen fest, wer welche Rolle übernimmt«, sagt Hungenberg. Im November beginnen die Proben, im Januar die heiße Phase.

Aus dem Zuschauerrraum ist Gemunkel zu hören. Eine Füchsin und ein Kobold steuern auf die Bühne zu. Sie streiten. In ihrer Hand hält Fuchsia alias Nina Sauerborn voller Stolz eine Zipfelmütze – der entführte Zwergenhut. Die beiden Langfinger haben ihn aus dem Schloss gestohlen. Für ihren Herren, den mächtigen Hexenmeister Cleptus, der selbst König werden möchte. Dieser, gespielt von Gabi Schmidt, überzeugt bereits durch seine schwarze Kostümierung, ebenso wie der Kobold (Kirsten Lampe) mit seinen feuerroten Haaren und riesigen Ohren. Für ihre Verkleidung sorgen die Laienschauspieler überwiegend selbst, lediglich der Umhang des Königs ist in diesem Jahr aus dem Kostümverleih. Ansonsten wird genäht, gebastelt oder – das gilt wohl zumindest für einige Utensilien – Keller oder Dachboden durchstöbert. »Und wenn wir mal etwas nicht hinbekommen, hilft uns Antje Hachemeister«, sagt Steffi Wolf, die den Zauberlehrling spielt. Die befreundete Schneiderin ist seit Langem ein großer Fan des Elterntheaters, besucht die Aufführungen mittlerweile ohne ihre Kinder. Für das Bühnenbild, bei dem sich die Darsteller auf das Nötigste beschränken, ist vor allem Prinz Kunibert alias Steffi Bastel verantwortlich.

Fuchsia und Diebix haben den Zwergenhut mittlerweile bei Cleptus abgegeben, wollen nun auch noch die Krone stehlen. Doch Kunibert hat sich mit Horatio und dessen Lehrling auf den Weg gemacht, die magische Mütze zurückzuholen. Eine schwere Aufgabe, denn der Hofzauberer, Bruder von Cleptus, ist weit weniger talentiert als der mächtige Hexenmeister. Werbeim großen Duell gewinnt, und ob die Waldfee Grübina am Ende helfen kann, das Königreich zu retten, wird an dieser Stelle nicht verraten.

Drei Probentermine stehen bis zur Premiere noch auf dem Plan. Damit am 18. März alles klappt, muss an diesen Tagen besonders intensiv geprobt werden. Doch wo es jetzt noch hakt, wird kommende Woche alles glattlaufen, da ist sich Joachim Albohn sicher. Der Hahn im Darsteller-Korb, der »irgendwann mal die Hand gehoben« hat und seitdem Mitglied des Elterntheaters ist, hält es wie die meisten anderen mit Alexandra Renkawitz: »Wir laufen immer erst auf der Zielgeraden zur Hochform auf.«

Karten für das Stück für Kinder von drei bis 13 Jahren gibt es für 3 Euro im Kino Traumstern (Telefon: 06404/3810), Reservierungen auch unter www.kultur-lich.de .

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