27. Juni 2017, 05:00 Uhr

Urteil

Knapp fünf Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs

Über zwei Jahren hinweg hat sich ein 66-Jähriger aus Heuchelheim am autistischen Nachbarssohn vergangen. Der Richter ist gar von mehr als den nachgewiesenen Vorfällen überzeugt.
27. Juni 2017, 05:00 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Ein 66-Jähriger Heuchelheimer, der über zwei Jahre hinweg mehrfach seinen damals zwölfjährigen Nachbarssohn sexuell missbraucht haben soll, muss hinter Gitter. Am Montagvormittag verkündete Richter Andreas Wellenkötter das Urteil: Vier Jahre und acht Monate Freiheitsentzug.

Das Urteil nahm der Angeklagte mit kaum bewegter Miene und erhobenem Kopf entgegen. Auf der anderen Seite des Gerichtssaals im Landgericht Gießen sah das ganz anders aus: Noch während der Urteilsverkündung brach die Mutter des heute 13-jährigen Opfers in Tränen aus.
 

Die Kammer ist davon überzeugt, dass es nicht nur diese vier Vorfälle waren, sondern es weitere, ähnliche Fälle gegeben hat

Richter Andreas Wellenkötter
Dem Heuchelheimer wurden zwei Fälle von sexuellem Missbrauch sowie zwei weiteren schwere Akte des sexuellen Missbrauchs nachgewiesen, so die Auffassung des Gerichts. Mehrfach soll der 66-Jährige sich an dem Jungen sexuell stimuliert haben. Unter anderem soll der 13-Jährige das Glied des Mannes angefasst und später in den Mund genommen haben. Der Junge hatte sich zuerst Freunden, dann seiner Mutter offenbart.

 

»Die Kammer ist jedoch davon überzeugt, dass es nicht nur diese vier Vorfälle waren, sondern es weitere, ähnliche Fälle gegeben hat«, erklärte Wellenkötter. Jedoch seien nur diese vier klar nachweisbar. Der Missbrauch sei eine Ersatzhandlung gewesen, nachdem sich seine Ehefrau von ihm zurückgezogen habe, hatte in einer vorangegangene Sitzung ein Gutachter gesagt. Pädophile Neigungen konnten ihm nicht nachgewiesen werden.

 

Besonderes Vertrauensverhältnis

 

Mehrfach hatte der Angeklagte während der Verhandlung versucht, die eigentliche Initiative hinter den Handlungen dem Jungen zuzuschieben. Er habe ihm stolz sein erigiertes Glied gezeigt und ihn zu gemeinsamen Sexspielen aufgefordert, gab der Angeklagte vor Gericht an. Diese Angaben sah die Kammer jedoch als »ausgesprochen lebensfremd« an. Vielmehr habe sich der 66-Jährige gezielt den Nachbarsjungen ausgesucht, da dieser an einer psychischen Erkrankung leidet, sagte der Richter.

Auch die nahezu vollständige Impotenz konnte dem 66-Jährigen nicht nachgewiesen werden. Mehrfach sei es bei den Vorfällen zu einem Samenerguss des Mannes gekommen, erklärte Wellenkötter in der Urteilsbegründung.

Suizidversuch des Angeklagten

Positiv wurde dem Angeklagten bei der Urteilsfindung angerechnet, dass er zumindest teilweise geständig war. Weiterhin ist er nicht einschlägig vorbestraft, und es sind keine erkennbaren Langzeitfolgen bei dem 13-Jährigen entstanden. Negativ fiel jedoch der Missbrauch der Vertrauensstellung des Mannes ins Gewicht: Als Vater des besten Freunds hatte er ein besonderes Vertrauensverhältnis mit dem Opfer. Außerdem wusste er von der Erkrankung des 13-Jährigen.

Durch die Haftstrafe bleibt der seit November geltende Haftbefehl gegen den 66-Jährigen bestehen. Vor wenigen Wochen versuchte sich der Angeklagte während seiner Untersuchungshaft das Leben zu nehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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