03. November 2017, 20:48 Uhr

Malerei

Kleiner Ort für große Kunst

Hamburg, Berlin, selbst New York hatte schon Interesse an den Werken von Peter Stein. Warum der Allendorfer Maler lieber in kleinen Orten der Region ausstellt.
03. November 2017, 20:48 Uhr
Steins Motive reichen von den Gießener Schwätzern bis zu Barack Obama.

Bergauf, begab, durch Wald und an Wiesen vorbei führt eine schmale Straße nach Climbach. Rund 600 Einwohner hat der Ortsteil von Allendorf, eine historische Kirche und eine ziemlich kurze Hauptstraße. Nichts scheint darauf hinzuweisen, was eine New Yorker Kunstgalerie Werke aus diesem Ort importieren wollte. Das Geheimnis lüftet sich in einer Seitenstraße. Hier lebt Peter Stein mit seiner Frau. Ihr Haus ist geschmackvoll eingerichtet mit weißen Regalen, modernen Sesseln und geschwungenen, alten Holzmöbeln.

»Ich glaube, ich bin hier der einzige Künstler im Ort«, sagt er. Der 58-Jährige trägt Jeans, einen blauen Pullover und die grauen Haare kurz. »In Allendorf gibt es da schon mehrere.«. Im dem zwei Kilometer entfernten Ort hat er mit heimischen Künstlern einen ehemaligen Drogeriemarkt als Ausstellungsraum angemietet, Reunings »Halle der Kunst«. Auch seine Werke sind dort zu sehen.

Steins Wirkungsstätte liegt eine Treppe am den Hinterausgang hinter durch den Garten in einer umgebauten Doppelgarage. »Ich brauchte einfach mehr Platz zum Arbeiten«, habe er einst zu seiner Frau gesagt und von da an parkten die Autos im Hof. Mit den Türen zu dem Atelier, öffnet sich ein Meer aus Farben, das mitnichten an eine Garage erinnert. Gleich rechts über einem großen Tisch mit Farbtuben hängt ein großformatiger Renoir, geradeaus eine realistische Zeichnung von Allendorfs Wasserhäuschen und an der Wand lehnt eine Kollage. Darauf zu sehen sind die Gießener Schwätzer, Teenager mit Handys und Figuren aus Pokemon go. »Die Schwätzer und die Schweiger«, sagt er.

»Ich experimentiere mit verschiedenen Materialien und Stilen«, sagt Stein. Er pinselt Ölfarben auf Leinwände, spachtelt Arcylfarben auf Hartschaumplatten, die eigentlich als Dämmmaterial verwendet werden, oder sprüht mit einer Airbrush-Pistole Satellitenschüsseln. Und dabei ist er äußerst erfolgreich. Erst kürzlich hat er den ersten Preis der Oberhessischen Kunstausstellung in Grünberg gewonnen – das ist schon der achte Preis seit 2010.

Seine Werke verkauft er über das Internet oder bei Ausstellungen. »Gleich kommt ein Geschäftsmann aus Fernwald, um dieses Bild zu kaufen«, sagt er und deutet auf ein Gemälde in Rottönen. Der Mann auf dem Bild sitzt in einem Sessel, ein Buch in der einen und ein Glas Wein in der anderen Hand. Die Figur ist abstrahiert und sein Gesicht nicht zu erkennen: »Ich wollte damit das Gefühl einfangen, wenn man nach der Arbeit zu Hause ist und entspannen kann.«

Sein tägliches Brot verdient Stein als Techniker. Ob man nun haupt- oder nebenberuflich Künstler ist, findet er unerheblich. Kunst ist Kunst. Einziger Wehrmutstropfen: »Ich hätte gerne mehr Zeit zum Malen.«

In Metropolen wie Hamburg und Berlin sowie europaweit hat der Climbacher Künstler schon ausgestellt. Sogar eine Galerie aus New York wollte seine Werke schon ausstellen. Kein Wunder, Stein hat eine großes Pop-Art-Bild von Ex-US-Präsident Barak Obama gemalt. »Ich fand es einfach gut, dass die USA endlich einmal einen schwarzen Präsidenten gewählt haben«, sagt er als er das Bild in der Hand hält. Die Ausstellung im Big Apple hat er schließlich sausenlassen. Anlieferung der Bilder und Galerieflächen wären einfach zu teuer gewesen. Stein präsentiert seine Kunst aber vorwiegend in den kleineren Ort der Region. Seine Bilder hängen im Bürgerhaus Climbach und im Rathaus Allendorf sowie Grünberg. »Es wäre schön, wenn ich Leute anstecken könnte«, sagt er. Im Ortskern von Allendorf hat er dafür gesorgt, dass es eine permanente Ausstellung in den Schaufenstern der »Halle der Kunst« gibt. Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf hat er zudem mitgegründet.

Obwohl Kunst schon in der Schule Steins Lieblingsfach war, beschäftigte er sich erst nach Ausbildung und Wehrdienst tiefergehend damit. Er nahm Unterricht bei dem Allendorfer Künstler Karl Truxa, der vor allem heimische Landschaften in Öl malte. Der Mischung aus klassischem Stil, heimischen Motiven, neuen Ideen und Materialien ergibt einen bunten Cocktail, den Stein dem kleinen Ort gerne ausschenkt.

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