07. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Kleine Lösung für die Willy-Brandt-Schule

Wenn der Kreistag am Montag so beschließt, wie es der Fachausschuss gestern mit der Mehrheit von SPD, Grünen und FW empfohlen hat, dann bekommt die Berufsschule des Kreises, die Willy-Brandt-Schule in Gießen, nur eine Sanierung der Flure unter Brandschutzaspekten plus einiger Fachräume. Energetik und teiloffenes pädagogisches Konzept bleiben außen vor.
07. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Schüler und Lehrer der Willy-Brandt-Schule machen vor der Sitzung des Schulausschusses auf dem Riversplatz auf ihr Anliegen aufmerksam: Das bestmögliche Sanieren der Kreisberufsschule. (Foto: so)
Bald 80 Schüler und Lehrer der Kreisberufsschule empfingen die Mitglieder des Ausschusses für Bauen und Planen vor der Kreisverwaltung am Riversplatz mit Transparenten, um nachdrücklich auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen: Das Beseitigen von Baumängeln, das Verbessern der Klassenräume und Fachräume sowie der Lehrerzimmer plus ein Erweitern der räumlichen Möglichkeiten der Schule.
Doch es bleibt wohl bei einer kleinen Lösung: SPD, Grüne und Freie Wähler haben unter den aufmerksamen Augen sich für die dringend notwendige Brandschutzsanierung des aus den früheren 1980er Jahren stammenden Gebäudes ausgesprochen plus das Sanieren der Lehrküchen plus Verlagern der Fachräume für Maler und Lackierer in eine außenliegende Kabine: Kostenschätzung: Rund 3,3 Millionen Euro. Nachgebessert hat dies die Koalition aktuell mit Datum vom gestrigen Dienstag um zwei weitere Punkte: Das Ertüchtigen des vorhandenen naturwissenschaftlichen Fachraumes und das Bereitstellen eines Kalt-Gewächshauses für fachpraktischen Unterricht in den »grünen Berufen«.
Vergeblich hatten CDU und AfD für eine umfänglichere Instandsetzung des Gebäudes geworben, so wie es der Schule in den vergangenen Jahren immer wieder zugesagt worden war: Die Union beantragte eine große Lösung einschließlich Umsetzung eines teiloffenen pädagogischen Konzepts und des Ausbaus des bislang nur für Haustechnik genutzten dritten Obergeschosses, um der Schule zeitgemäße pädagogische Rahmenbedingungen zu schaffen – plus energetische Sanierung des Gebäudes. Diese Maximallösung im Bestand würde nach überschlägigen Kostenschätzungen wohl jenseits der 13 Millionen Euro liegen. Diese große Lösung findet auch die Unterstützung der Linken und der FDP.
Ausschussvorsitzender Martin Hanika (CDU) hatte nach längerer Beratung und vor einer Sitzungsunterbrechung vergeblich für eine Kompromissformel geworben: Eben »einen Weg zu finden, der von der Schule mitgegangen wird und bei dem jeder ein gutes Gefühl hat«.
Schulleiter Georg Wittich hatte nochmals eindringlich dargelegt, es gehe »nicht um Wünsche der Schule, sondern um Bedarfe«. Er skizzierte die Mängel am Bau und sprach von einem akuten Sanierungsstau aufgrund wissentlich unterlassener baulicher Unterhaltung«, weil in den vergangenen vier Jahren immer wieder an Konzepten und Varianten gearbeitet wurde. Die jetzt im Zentrum stehende Brandschutzsanierung bringe die Schulgemeinde »inhaltlich nicht weiter«, unterstrich er unter dem Applaus von Lehrern und Schülern.
Schuldezernentin Christiane Schmahl (Grüne) äußerte Verständnis für die Schule angesichts des langen Hin und Her und räumte auf Nachfrage von Harald Scherer (FDP) ein: »Dem Beschluss, wie er vorliegt, liegt der Wunsch der Koalition zugrunde. »Ich persönlich würde dies anders sehen.«

Entscheidung am Montag

Thomas Wollmann (AfD) wollte die Gründe der Koalition genauer dargelegt wissen, warum eigentlich für die Kreisberufsschule noch in diesem Jahr vorgesehene Haushaltsmittel nun umgewidmet würden. Immerhin sei dieses Geld auskömmlich, um neben dem Brandschutz wenigstens das favorisierte teiloffene Raumkonzept umzusetzen, das nun von der Koalition nicht weiter verfolgt wird. Erklärungen kamen da von Elke Högy und Annette Henkel (SPD): Wenn die Entscheidung nun nicht so falle, wie es die Schule gerne hätte, müsse man aber doch auch anderen Schulen gerecht werden. »Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir haben nur begrenzte Mittel. Auch andere haben Wünsche.«
In der Sache begründeten die SPD-Sprecherinnen das Beschränken auf die kleine Lösung mit Unwägbarkeiten in der Frage der Zuschüsse und bei der energetischen Sanierung. »Das würde die Schule in einen Rohbau versetzen; das lässt sich wirtschaftlich so nicht darstellen.«
Am kommenden Montag wird der Kreistag in seiner Sitzung in Grünberg (Gallushalle, 16 Uhr), das Thema erneut zur Beratung und in Folge zur Abstimmung aufrufen. Es steht zu erwarten, dass auch da Schüler und Lehrer der Willy-Brandt-Schule kräftig Präsenz zeigen, um nochmals für ihr Anliegen zu werben.

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