12. April 2017, 10:00 Uhr

Kinderkreuzweg

»Keine Auferstehung ohne Sterben«

Durch Kinderkreuzwege wie in Londorf sollen junge Katholiken an den Ursprung des Osterfestes erinnert werden – fernab von Eiersuche und Schokoladenhasen.
12. April 2017, 10:00 Uhr

Ostern – das ist für viele Erwachsene nurmehr ein langes Wochenende, vielleicht noch der erste lange Spaziergang in der erwachenden Natur. Für Kinder dagegen ist es Eiersuchen. Und Geschenke, längst nicht mehr allein Süßigkeiten. Eine Herausforderung für die Kirchen. Dieser nimmt sich seit 23 Jahren bereits auch die katholische Pfarrgemeinde Londorf an; nicht zuletzt mit einem Kinderkreuzweg. Eine Initiative von Diakon Markus Müller (Foto). Mit diesem besonderen Gottesdienst will er vor allem eines erreichen: »Ostern sollte als Einheit verstanden werden, sollte mehr sein als der Auferstehungs-Sonntag als Event.«

Die Jungen und Mädchen, so das Anliegen aller katholischen Gemeinden, sollen beim Abschreiten des Kreuzwegs das Leiden Jesu nachempfinden. Um zugleich Fragen aufzuwerfen: Wo verraten wir einen anderen, wo helfen wir jemandem, wo leiden andere durch uns? Und gibt es nicht, 2000 Jahre danach, Gleiches noch immer in vielen Ecken der Welt?

Die biblische Überlieferung als der Kern des Kinderkreuzwegs soll dabei kindgerecht vermittelt werden, mit altersgerechter Symbolik und bar der schwer zugänglichen, von langen Gesängen begleiteten Erwachsenen-Liturgie. So sieht es auch der Londorfer Diakon, der zugleich aber anfügt: »Wie schwer Jesu Weg war, das wird bei uns nicht ausgeblendet.«

Seit schon 30 Jahren organisiert Müller Kinderkreuzwege, zunächst in einer rheinhessischen Gemeinde. Seit 1994 in seiner neuen Heimat Rabenau, für die Pfarrgruppe Lollar/Londorf, zu der rund 1000 Katholiken zählen. Dass sich gerne noch weitere als die bisher rund 20 Jungen und Mädchen aus der Kommuniongruppe bei ihm melden können, die Karfreitag (11 Uhr) den Weg mitgehen wollen, schickt er im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung voraus.

Dem Diakon geht es um einen ganzheitlichen Ansatz. Heißt auch um die »ganze Geschichte«, beginnend mit dem Abendmahl an Gründonnerstag, der Verleugnung durch Petrus, noch ehe der Hahn kräht, über den Verrat des Judas, das Verspotten durch jene, die ihm erst Tage zuvor noch den Weg mit Palmzweigen bereiteten, die Verurteilung durch Pontius Pilatus, die Kreuzigung an Karfreitag, endend mit der Erweckung von den Toten. Müller: »Die Kinder sollen erfahren: Das Sterben gehört zur Auferstehung dazu.« Wie aber vermittelt man diese schweren, der Lebens- und Gedankenwelt von Acht- bis Elfjährigen noch so fernen Themen? In der Londorfer Kirche wird dafür ein »grüner Faden der Hoffnung« die Kinder durch die mit farbigen Tüchern markierten Stationen leiten, das jeweilige Geschehen veranschaulicht stets mit leicht nachvollziehbarer Symbolik.

Die ersten Schritte der Kleinen führen sie dabei, noch draußen vor dem Gotteshaus, über ein Beet aus Palm- und Buchsbaumzweigen, was Jesu Einzug in Jerusalem versinnbildlichen soll. Später dann, auf einem Tuch ausgebreitet, Brot und Wein, für das letzte Abendmahl. Dann ein Beutel voller Münzen: 30 Silberlinge als Lohn des Verrats. Echtes Geld übrigens, soll sein Klimpern doch die Kirche erfüllen. Was nur ein Beispiel für Müllers Anliegen ist, möglichst alle Sinne anzusprechen, auch so das Geschehen für die Kinder interessant zu machen. Dazu dienen auch große frei positionierbare Puppen aus der Werkstatt der Schweizerin Dorothee Egli: Eine stellt die biblische Veronika dar, wie sie Jesus das Schweißtuch reicht.

Das stärkste Symbol ist natürlich das Kreuz, und, am Ende des Wegs, auf den Stufen zum Altar, ein großer Stein – vor dem leeren Grab.

Wesentliches Merkmal des Kreuzweges in Londorf aber ist, dass die Kinder möglichst oft selbst zu Handelnden werden: »Sie gestalten das Bild«, sagt Müller. So trägt der eine Junge die Dornenkrone, das andere Mädchen die Jesus-Kerze zum Altar – ihr Entzünden an der letzten Station steht für die Auferstehung von Gottes Sohn.

Am Ende schließt sich so der Kreis. Und im Idealfall hat sich die Hoffnung des Diakons erfüllt, dann sehen die Kinder die hohen christlichen Feiertage als Einheit, dann steht auch für sie das Eigentliche, die biblische Überlieferung, im Vordergrund – und sie sind gleichsam ein »Stück weggekommen von Ostern als Hasen- oder Eierfest«.

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