30. Dezember 2015, 18:33 Uhr

Kein Schnee? Kein Problem!

Gießen (chh). Grüne Wiesen statt weißer Pisten: Die gemäßigten Temperaturen sorgen in Skigebieten für Verdruss. Aber nicht so bei den heimischen Wintersportvereinen. Deren Mitglieder haben sich längst auf geänderte klimatischen Bedingungen eingestellt. Von schneesicheren Gebieten könne schon lang keine Rede mehr sein, sagen sie.
30. Dezember 2015, 18:33 Uhr
Der »grüne Winter« vor Gießens Haustür: Aktueller Blick durch die Webcam auf den Skihang in Hohensolms. (Foto: Christoph Hoffmann)

»Selbst St. Anton, die selbsternannte Wiege des Skisports, muss den Damen-Weltcup im Januar aufgrund von Schneemangel absagen«, sagt Matthias Kopf, der Vorsitzende des Skiteams Bellersheim. Damit sein Verein keine Fahrten absagen muss, habe man stets Alternativen im Blick. Als man zum Beispiel 2012 in St. Anton gewesen sei, habe es auch keinen Schnee gegeben. Statt Frust zu schieben, hätten die Mitglieder einfach ihre Sachen gepackt, seien täglich ins verschneite Ischgl gefahren. Oder, noch einfacher: Gleich eine Fahrt zu einem Gletscher organisieren, wie es etwa im November der Fall gewesen sei. Elf Mitglieder des Vereins seien auf einer Fortbildung im Stubaital gewesen, wegen des dortigen Gletschers sei der Aufenthalt völlig unkritisch verlaufen.

Gleiches gelte für das traditionelle Ski-Opening, für das kürzlich 45 Teilnehmer nach Flachau in die Sportwelt Amadé gefahren seien. »Wir fanden hervorragende Bedingungen vor. Man muss allerdings erwähnen, dass die Sportwelt Amadé ein ›Schneeloch» ist, es dort also häufig schon früh gute Bedingungen gibt. Zudem gibt es eine erstklassige Schneekanonen-Infrastruktur.« Auch bei der nächsten Fahrt, der Jugendfreizeit nach Vals, setzen die Stadtteil-Hungener auf Unterstützung von Schneekanonen.

Tipp: Kleine Skigebiete

Tobias Fleißner, Vorsitzender des Skiclubs Busecker Tal, kann Ähnliches berichten. »Für uns macht sich der milde Dezember eigentlich gar nicht bemerkbar.« Die Saisoneröffnung habe bereits im November ins Stubaital geführt – Stichwort Gletscher –, die Jugendfreizeit im Januar soll in Saalbach-Hinterglemm steigen. Auch hier gebe es ausreichend Kunstschnee. Abgesehen davon solle das Wetter aus Wintersportsicht bald besser werden, meint Fleißner. »Das verschiebt sich einfach nur ein bisschen nach hinten.« Bei beiden Fahrten könne man sich nicht über geringe Teilnehmerzahlen beschweren. Das gilt übrigens auch fürs Bellersheimer Skiteam.

Spontanität, Gletscher, Schneekanonen: Drei Punkte, die bei der Planung des Skiurlaubs zu beachten sind. Matthias Kopf hat einen weiteren Ratschlag: Auf die Lage der Pisten achten! Nordhänge seien im Winter zwar nachteilig, zur Ende der Saison sorgten sie aber für ideale Bedingungen. Generell empfiehlt Kopf den Besuch kleinerer Skigebiete. »Sicherlich ist es toll, viele Pistenkilometer zur Verfügung zu haben, doch sind die oft nur durch Ziehwege verbunden, die dann wiederum wenig attraktiv sind. « Kleine Skigebiete böten hingegen für jeden Geschmack etwas: schwierige Pisten für Sportbegeisterte und einfachere für die Genießer. »Und man kann trotzdem die Pausen gemeinsam auf der Hütte verbringen.« Abgesehen davon seien die Liftpreise in kleinen Gebieten oft deutlich günstiger.

Weiterer Tipp: So spät wie möglich buchen. »Dann kann man besser auf schlechte Bedingungen reagieren.« Gleichzeitig rät Kopf zu einem Skigebiet, das in der Nähe eines Gletschers liegt. So könne man bei Schneemangel in den Bus steigen und trotzdem Ski fahren. »Allerdings sollte man in diesen Fällen davon absehen, am Wochenende auf den Gletscher zu gehen. Dann kommen die ganzen Tagesgäste, und dann wird es sehr schnell sehr voll – und gefährlich.«

Ein Grund, warum Gletscher beim Mücker Busunternehmen Philippi eher eine untergeordnete Rolle bei der Wahl des Skigebiets spielen. »Wir wählen die Orte entsprechend unserer Gruppen aus«, sagt Geschäftsführer Mark Philippi. Er würde zum Beispiel niemals eine Familienfreizeit nach Sölden anbieten. »Das ist zwar ein Super-Skigebiet, aber meiner Meinung nach nichts für Kinder.« Das gleiche gelte für überlaufene Gletscher, zumal bei fehlendem Schnee auch dort die Bedingungen sehr bescheiden seien.

Und welche Auswirkungen hat das milde Wetter auf sein Unternehmen? »Im Grunde gar keine. Wir sind selbst überrascht.« Der Großteil der Kunden buche die Reise bereits kurz nach Erscheinen des Kataloges – und das ist im Sommer. Trotz des fehlenden Schnees hätte noch niemand seine Reise storniert. Philippis Vermutung: »Die Leute freuen sich seit einem halben Jahr auf den Urlaub, den wollen sie dann auch erleben.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Busunternehmen
  • Familienfreizeit
  • Fremdenverkehr
  • Gletscher
  • Schnee
  • Skigebiete
  • Tipps
  • Weiterbildung
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen