Kreis Gießen

Kampf gegen das Schweigen

Schauspielerin Liora Hilb zeigt auf der Bühne der Clemens-Brentano-Europaschule vielschichtige Emotionen. Am auffälligsten ist da ein schier unaufhörlicher Redefluss. Sie erzählt vom Leben in Tel Aviv, dem Brokatkleid der Mutter und deren Absatzschuhen. Eigentlich steht sie ja nicht auf der Bühne, sondern vor der Bühne auf Augenhöhe mit ihrem Publikum. Hilb tobt sich aus, um sinnhaft zu verdeutlichen, was im Gegenüber der ersten Reihe geschieht. Doch alle Quirligkeit hat ihren wohldurchdachten Zweck. Vieles scheint provokant zu sein.
28. Januar 2019, 22:08 Uhr
Volker Heller
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Schauspielerin Liora Hilb zeigt auf der Bühne der Clemens-Brentano-Europaschule vielschichtige Emotionen. Am auffälligsten ist da ein schier unaufhörlicher Redefluss. Sie erzählt vom Leben in Tel Aviv, dem Brokatkleid der Mutter und deren Absatzschuhen. Eigentlich steht sie ja nicht auf der Bühne, sondern vor der Bühne auf Augenhöhe mit ihrem Publikum. Hilb tobt sich aus, um sinnhaft zu verdeutlichen, was im Gegenüber der ersten Reihe geschieht. Doch alle Quirligkeit hat ihren wohldurchdachten Zweck. Vieles scheint provokant zu sein.

Und die dreiteilige Bühneninstallation aus weißem Gazestoff unterstützt dieses Verhalten nur noch. Dahinter taucht Hilb zeitweise ab, lümmelt sich dann etwa mit den Füßen auf einem Tisch oder, schlimmer, steht gar auf demselben. Ihre Monologe können auch wehmütig und anklagend sein. Geräusche und Ansagen aus dem Off verstärken wiederum die inhaltliche Schwere ihres Anliegens. Hilb möchte ankämpfen gegen das Schweigen. Deshalb benutzt sie sprachliche Gewandtheit als Waffe. In Sachen Körpersprache gibt die Künstlerin ebenfalls einiges.

 

Diskussion im Anschluss

 

All ihre Bemühungen sind ehrenwert, wollen helfen, die jüdische Familiengeschichte aufzuarbeiten. Von 87 Personen waren elf nach dem Krieg noch übrig und überall hin verstreut. Hauptsächlich liegt Hilb das Schicksal ihrer Großmutter Jenny am Herzen. Sie soll in Auschwitz ermordet worden sein. Mehr hat die Enkelin nie erfahren. Kreativ hat sie das Theaterstück »RemembeRing« genannt. Was im Englischen bedeuten würde, ich werde mich erinnern, ist hier eine Wortzusammensetzung aus remember und Ring.

Videos und Bilder werden auf den Gazestoff projiziert, sodass Hilb manchmal fiktive Gesellschaft erhält. Insgesamt ist viel inhaltsschwerer Stoff in diese Vorstellung hineingepackt. Im Anschluss gab es Gelegenheit zur Diskussion. Angeregt hatte das Theaterstück das Bündnis für Partnerschaft und Demokratie im Lumdatal. (vh/Foto: vh)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Kampf-gegen-das-Schweigen;art457,545054

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