14. April 2019, 19:48 Uhr

Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit

14. April 2019, 19:48 Uhr

Im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit bekommt der Landkreis Gießen zusätzliche 16,7 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Damit werden bis zum Jahr 2022 insbesondere Lohnzuschüsse für Unternehmen bezahlt, die Langzeitarbeitslose regulär anstellen. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt mit.

Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen aus dem Bundesarbeitsministerium. Demnach erhalten die Jobcenter in ganz Hessen im Rahmen des »Teilhabechancengesetzes« 329 Millionen Euro zur Förderung von Langzeitarbeitslosen.

IG-BAU-Bezirksvorsitzende Doris Hammes spricht von einem überfälligen »Kraftakt am Arbeitsmarkt«. Die Bundesmittel könnten dafür sorgen, einen großen Teil der Menschen, die oft seit Jahren ohne Job sind, in »Lohn und Brot« zu bringen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es im Kreis Gießen aktuell rund 3090 Langzeitarbeitslose. Die Zahl ging zwar in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurück, »ist aber mit Blick auf die gute Lage am Arbeitsmarkt immer noch viel zu hoch«, heißt es von der IG BAU.

Orientierung an Tariflöhnen

Die Gewerkschaft begrüßt, dass sich die Zuschüsse an Tariflöhnen statt nur am Mindestlohn orientieren. »Langzeitarbeitslose werden nicht als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt«, sagt Hammes.

Ein drängendes Problem in Branchen, die von körperlich harter Arbeit geprägt sind, bleibe aber weiter ungelöst: In der Langzeitarbeitslosigkeit landen laut Gewerkschaft auch viele Beschäftigte, die zu krank für eine vollschichtige Arbeit, zu gesund für die Erwerbsminderungsrente oder zu jung für die Altersrente sind. Es sei nicht einzusehen, warum langjährig Beschäftigte mit körperlichen Einschränkungen erst in die Arbeitslosigkeit gehen müssten, bevor der Staat Lohnkostenzuschüsse gewähre, sagt Hammes: »Besser wäre es, ihre Kompetenz im Betrieb zu halten und die Einsatzmöglichkeiten im Betrieb flexibel zu fördern.«

Eine Lösung sei das von der IG BAU vorgeschlagene Altersflexi-Geld.« Um Langzeitarbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen, sei es zudem nötig, deutlich mehr für die Qualifizierung zu tun: »Wer seit Jahren arbeitslos ist, muss erst einmal fit gemacht werden, um im Arbeitsalltag klarzukommen«, sagt Hammes. Vor allem die technische Entwicklung sei sehr rasant: »Auf dem Bau waren Smartphones und Tablets noch vor ein paar Jahren eine Seltenheit – heute ist der souveräne Umgang damit häufig ein Muss.«

Das seit Januar geltende Teilhabechancengesetz sieht Lohnzuschüsse für Langzeitarbeitslose von bis zu fünf Jahren vor. Für Menschen, die mehr als sechs Jahre arbeitslos waren, übernimmt das Jobcenter die Lohnkosten über drei Jahre voll. Bei Arbeitslosen, die zwei Jahre ohne Job waren, liegt der Zuschuss für Firmen bei 75 Prozent im ersten und 50 Prozent im zweiten Jahr.

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