16. September 2017, 18:00 Uhr

Rheuma

Juliane Rikirsch mit Rheuma-Preis ausgezeichnet

Juliane Rikirsch aus Heuchelheim leidet seit ihrer Kindheit an einer schweren Form der Entzündung ihrer Gelenke. Sie erzählt, welche Auswirkungen das auf ihr Leben hatte.
16. September 2017, 18:00 Uhr
Juliane Rikirsch arbeitet in der Modebranche und geht hier ihren Weg – trotz einer schweren Rheumaerkrankung. (Foto: pm)

Als die körperlichen Symptome auftreten, ist Juliane Rikirsch ein Kind: Jeden Morgen quält sich das junge Mädchen aus dem Bett, versucht mit einer auffälligen Schonhaltung die Gliederschmerzen zu kompensieren und kann Finger und Hände kaum noch bewegen. Beim Laufen und Herumtoben schmerzen schon nach kurzen Distanzen die Sprunggelenke. Flaschen aufdrehen oder Schnürsenkel binden sind unmöglich.

Es beginnt ein Untersuchungsmarathon, denn das Blutbild zeigt zunächst keinen Rheumafaktor. In einer Kinderfachklinik wird aus dem medizinischen Verdacht schließlich eine konkrete Diagnose: Juliane Rikirsch leidet an Rheumatoider Polyarthritis, einer schweren Form der Entzündung an den Gelenken. »Damals war ich gerade mal zehn Jahre alt und hatte überhaupt keine Vorstellung, welche Auswirkungen die Erkrankung auf mein Leben haben wird«, erzählt die 30-jährige Heuchelheimerin.

Jetzt wurde Juliane Rikirsch der Rheuma-Preis verliehen – für die gelungene Integration von chronisch kranken Menschen im Berufsleben. Die Initiative »RheumaPreis« würdigt mit dieser Auszeichnung Menschen, die kreative Lösungen gefunden haben, um die Arbeitsfähigkeit von Rheuma-Patienten langfristig sicherzustellen.

Rheuma ist alles andere als ein Zuckerschlecken, aber ich wollte der Erkrankung um keinen Preis zu viel Macht über mich und mein Leben geben

Juliane Rikirsch

Juliane Rikirsch hat sich trotz der chronischen Krankheit nicht davon abbringen lassen, persönlich und beruflich ihren Weg zu gehen und ein erfülltes Leben zu führen. Mit 15 Jahren entdeckt sie trotz des körperlichen Handicaps die Handarbeit für sich und beschließt, in der Modebranche tätig zu werden.

Hartnäckig folgt sie ihrem Berufswunsch, schließt erfolgreich eine Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin ab und absolviert an einem Berufskolleg für Mode und Bekleidung den Abschluss zur Modedesignerin. »Rheuma ist alles andere als ein Zuckerschlecken, aber ich wollte der Erkrankung um keinen Preis zu viel Macht über mich und mein Leben geben«, erzählt die junge Frau.


Beschwerdefreie Phasen
 

Früh hat sie zu akzeptieren gelernt, dass es mal schlechte und mal gute Tage gibt. Rikirsch konzentriert sich auf die beschwerdefreien Phasen und überwindet mit dieser positiven Lebenseinstellung Durststrecken, in denen die körperlichen Symptome ihren Tribut fordern.

Zu schaffen machen ihr an solchen Tagen Schwellungen und Schmerzen der Finger- und Handgelenke mit Bewegungseinschränkungen, eine beginnende Bajonettstellung der Hände sowie anfängliche Rhizarthrose in beiden Daumensattelgelenken.

Umso glücklicher ist sie, dass sie in Frankfurt einen Arbeitsplatz gefunden hat, der kein stundenlanges Sitzen am Computer verlangt. »Ich habe meinen Traumjob gefunden und bin in der glücklichen Lage, einen verständnisvollen Vorgesetzten und ein kollegiales Team um mich zu haben«, erzählt Juliane Rikirsch. Seit vier Jahren arbeitet sie als Fachberaterin für Herrenmaßkonfektionen bei der Xuits GmbH, einem Unternehmen, das sich auf den Verkauf von maßgefertigter Herrenbekleidung spezialisiert hat.


Stundenlanges Sitzen nicht möglich


Rikirschs Tätigkeiten sind vielseitig und reichen vom Verkauf über die individuelle Kundenberatung bis zur detaillierten Absprache mit der Schneiderei. »Ein stundenlanges Sitzen am Schreibtisch würde ich körperlich nicht schaffen«, sagt die junge Frau, »die Abwechslung der unterschiedlichen Aufgaben ist perfekt für meine Erkrankung.« Kollegen unterstützen sie: »Wenn ich mal etwas Schweres heben muss, ist sofort jemand zur Stelle und hilft«, weiß sie das verständnisvolle Klima am Arbeitsplatz zu schätzen.

Als es ihr im vergangenen Jahr körperlich nicht so gut geht und Juliane Rikirsch im Winter das Gefühl hat, nach längerer Stressphase mal eine Pause in Anspruch nehmen zu müssen, willigt der Vorgesetzte sofort ein und gibt ihr eine dreimonatige Auszeit zum Regenerieren. »Mein großes Glück ist, dass ich offen über meine Erkrankung sprechen kann und mich nicht scheuen muss, auch mal einen Schritt kürzerzutreten, wenn es erforderlich ist«, sagt sie. So hat sie auf eigenen Wunsch ihre Vollzeitstelle auf 32 Wochenstunden verkürzt und ihre Arbeitszeiten komprimiert.


Effizient und nachhaltig
 

Für die Geschäftsleitung der Xuits GmbH ist das eine Selbstverständlichkeit: »Als Arbeitgeber möchte ich meine Mitarbeiter möglichst effizient und nachhaltig einsetzen. Dazu muss jeder Mitarbeiter seine individuellen Stärken möglichst voll ausspielen können, ohne dass persönliche Einschränkungen dabei im Weg stehen«, betont Gründer und Geschäftsführer Benjamin Pfab.

»Ich habe mich nie als Opfer meiner Rheuma-Erkrankung gesehen und komme im Alltag gut zurecht«, sagt Rikirsch. Sie ist überzeugt: »Je positiver meine Grundgedanken sind, umso besser kommen Körper und Seele mit einer chronischen Erkrankung klar.«

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