30. Januar 2017, 19:07 Uhr

Johannes braucht Hilfe

Sechsjährige schauen sich schon gerne Bücher an – so auch Johannes. Aber bei dem Jungen aus Groß-Eichen hat sich durch Komplikationen bei der Geburt und späteren Krankheiten eine Behinderung eingestellt, die eine Betreuung rund um die Uhr nötig macht. Das ist für Eltern eine enorme Belastung – zeitlich und finanziell. Vor diesem Hintergrund hat jetzt die Vereinigung für behinderte Menschen Hersfeld-Rotenburg eine Spendenaktion gestartet.
30. Januar 2017, 19:07 Uhr
Johannes Mahal lässt sich durch seine Beeinträchtigung nicht unterkriegen. (Foto: pm)

Im Jahr 2010 erblickte der heute sechsjährige Johannes Elias Mahal aus Mücke-Groß-Eichen nach einem Notkaiserschnitt das Licht der Welt. Wegen Atemproblemen kam Johannes zur weiteren Beobachtung auf die Frühchenstation des Uni-Klinikums Gießen. Drei Tage nach der Geburt erhielten die Eltern die Auskunft, dass sie einen gesunden Jungen mit nach Hause nehmen werden. Weitere drei Tage später veränderte ein Schicksalsschlag das Leben des Neugeborenen und seiner Eltern. Johannes erlitt eine Hirnblutung. Die Vereinigung für behinderte Menschen Hersfeld-Rotenburg will ihm und seiner Familie helfen und hat ein Spendenkonto eingerichtet.

Seit der Hirnblutung leidet Johannes an Infantiler Cerebralparese (ICP). Hervorgerufen wird diese frühkindliche Hirnschädigung häufig durch Sauerstoffmangel unter der Geburt. Anders bei Johannes. Bei ihm trat die Blutung ohne medizinische Begründung im Thalamus, dem Schaltzentrum des Gehirns, auf. Das führte dazu, dass es bei ihm zu Entwicklungsverzögerungen und zu großen Einschränkungen in Bezug auf die Beweglichkeit des Körpers, seiner Gliedmaßen und auch der Sprache kam. Das Auftreten einer solchen Blutung ist nicht reparabel, daher ist Johannes rund um die Uhr auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Seitdem versuchen seine Familie, die behandelnden Ärzte und die Therapeuten eine Verbesserung der Mobilität von Johannes zu erreichen. Hilfsmittel wie Geh- und Stehtrainer sowie Therapie- und Rollstuhl sollen das ermöglichen. Im täglichen Leben sind diese Hilfsmittel nicht wegzudenken. Johannes kann nicht aufrecht sitzen, der speziell angepasste Therapiestuhl dient dazu, dass er von seinen Eltern mit Essen und Getränken versorgt werden kann. Gemeinsam mit ihnen kann er in dem Stuhl auch basteln, spielen und tun, was er am liebsten mag: Bücher anschauen.

Aufgrund der Einschränkungen ist es Johannes nicht möglich, eigenständig zu laufen. Er hat einen Gehtrainer, um sich im Kreise seiner Familie, aber auch in der Schule, die er seit Mitte 2016 besucht, fortzubewegen. Im Gehtrainer schafft er natürlich keine langen Wege, aber ein Blick in seine lebensfrohen Augen zeigt, dass er ebenso gern zu Fuß unterwegs ist wie sein kleiner Bruder. Bereitwillig wirkt er an den verschiedenen Therapien, die in der Regel wöchentlich stattfinden, mit und macht immer wieder kleine Fortschritte.

Am meisten Spaß bereitet ihm die von den Eltern finanzierte Hippotherapie. Obwohl Johannes’ Eltern es verstanden haben, ihm durch die Schaffung eines barrierefreien Wohnraumes das Leben so gut es geht zu erleichtern, wird die Situation mit zunehmendem Alter immer problematischer. Ist es den Eltern bisher noch möglich, Johannes in einem Kindersitz im Auto mitzunehmen, so wird es künftig notwendig, ihn im Rollstuhl zu transportieren.

Im Fahrzeug der Familie ist dies aber nicht möglich. Schon gar nicht, weil Gehtrainer und andere Hilfsmittel auch im Wagen befördert werden müssen. Wichtig für die Eltern von Johannes ist, dass er am Leben teilhaben kann. Nicht möglich ist das, wenn die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel oder gar das Kind nicht transportiert werden können.

Von diesem Problem erfuhr Wolfgang Schneider, ehemaliger Geschäftsführer der Vereinigung für behinderte Menschen Hersfeld-Rotenburg. Als er hörte, welch schwierige Situation Johannes und seine Familie jeden Tag zu bewältigen haben, sagte er spontan Hilfe zu. »Wichtig ist, dass geholfen wird und diese unsägliche Transportsituation ein Ende hat. « Und er ließ Taten folgen: Gemeinsam mit weiteren Unterstützern wurde ein Flyer entwickelt, der auf die Probleme des kleinen Johannes aufmerksam macht, und ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

Die Eltern Inge Mahal (Erzieherin in Mücke in Elternzeit) und Ehemann Roger Krah (Polizeibeamter) von Johannes sind dankbar für diese Unterstützung. »Uns fällt mit der Einrichtung des Spendenkontos ein Stein von Herzen. Viele, die die familiäre Situation kennen, hätten gern mit einer finanziellen Unterstützung geholfen, aber man darf ja nicht so einfach mal Geld annehmen«, berichtet Inge Mahal. »Jetzt wissen hilfsbereite Mitmenschen wenigstens, dass ihre Spende so verwandt wird, dass sie Johannes zugute- kommt.«

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