11. Juni 2017, 22:00 Uhr

Arbeitslosengeld

Jobcenter betreut 2000 Flüchtlinge

Die Arbeit mit Flüchtlingen hat im vergangenen Jahr den Alltag im Jobcenter bestimmt. Mehr als doppelt so viele im Vergleich zu 2015 beantragten Arbeitslosengeld II. Das hat Gründe.
11. Juni 2017, 22:00 Uhr
Über 1200 anerkannte Asylbewerber stellen im Jahr 2016 erstmals einen Antrag auf Arbeitslosengeld. Bei ihrer Suche nach einem Arbeitsplatz werden sie vom Jobcenter betreut und begleitet. (Symbolfoto: Fotolia/Butch)

Die Arbeit mit Flüchtlingen hat im vergangenen Jahr die Arbeit im Jobcenter bestimmt. Über 1200 Menschen, vorrangig aus Bürgerkriegsländern, beantragten 2016 erstmals Arbeitslosengeld II bei der Gießener Behörde – das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Damit wurden zum Jahresende insgesamt gut 2000 Flüchtlinge im Jobcenter betreut.

»Die Betreuung der Flüchtlinge ist zeit-, personal- und kostenintensiv«, sagte Wolfgang Hofmann bei der Vorstellung der Zahlen für 2016. Aber der Jobcenter-Geschäftsführer ist überzeugt: »Der Einsatz lohnt sich.« Zielgerichtetes Handeln jetzt helfe, finanzielle und gesellschaftliche Belastungen in der Zukunft zu vermeiden. Man habe im Jobcenter frühzeitig organisatorische Vorkehrungen für die Bewältigung dieser Zusatzaufgaben getroffen und daher »die Herausforderungen, die mit einer komplett neuen Situation im Herbst 2015 auf uns zugekommen sind, bisher sehr gut meistern können«.

 

Auf den Arbeitsmarkt vorbereiten

 

Anerkannte Asylberechtigte und Flüchtlinge haben ab dem Folgemonat des Tages der Anerkennung einen Leistungsanspruch nach dem Sozialgesetzbuch (Arbeitslosengeld II). Eine Vereinbarung mit dem Landkreis stelle sicher, dass anerkannte Flüchtlinge jeweils dienstags am Standort Riversplatz gruppenweise in die Betreuung durch das Jobcenter übernommen werden.

Dadurch werde die nahtlose Versorgung der Flüchtlinge nach dem Übergang vom Asylbewerberleistungsgesetz in die soziale Sicherung gewährleistet. Für die weitere Beratungsarbeit stehen spezialisierte Integrationsfachkräfte in den Regionalteams zur Verfügung, ebenso wie gut funktionierende Dolmetscherdienste sowie bedarfsgerechte Sprachkurse und Weiterbildungsangebote.

Insgesamt stellten 1225 Flüchtlinge im vergangenen Jahr erstmals beim Jobcenter einen Antrag auf Arbeitslosengeld II. Das sind 775 Menschen mehr als im Vorjahr, da waren es 450.

Syrer häufigste Neuantragsteller

Den größten Anstieg verzeichneten die Erstberater mit 863 Neuantragstellern bei den Syrern, gefolgt von Eritreern (196) und Afghanen (63). Auch von allen knapp 2000 zum Jahresende 2016 im Jobcenter Gießen betreuten Flüchtlingen stellten die Syrer mit 68 Prozent die größte Gruppe dar, vor Eritreern (14 Prozent) und Afghanen (5,6 Prozent). Knapp 50 Prozent aller Flüchtlinge waren zum Stichtag 31. Dezember jünger als 27 Jahre.

»Noch während der Teilnahme an Integrationssprachkursen ist die enge Begleitung dieser Menschen erforderlich, um sie auf die Anforderungen und Erfordernisse unseres Arbeits- und Ausbildungsmarktes vorzubereiten«, erklärte Hofmann.

Im Jobcenter wurde hierfür ein Vier-Phasen-Plan der Integrationsarbeit in den Ausbildungsmarkt entwickelt. Dieser sieht eine ständige Begleitung der jungen Menschen von der Orientierung und Kompetenzfeststellung über die Sprach- und Berufsorientierung, Qualifizierung sowie Praktika bei Arbeitgebern bis hin zu Angeboten der Berufsvorbereitung vor.

Reguläres Tagesgeschäft zufriedenstellend

»Diese anspruchsvolle Aufgabe kann nur in enger Kooperation mit unseren Netzwerkpartnern gelingen«, sagte Hofmann. Die flankierenden sozialintegrativen Hilfen bieten Stadt und Landkreis an, während die Arbeitsagentur bei der Vermittlung in Ausbildung und heimische Arbeitgeber mit der Bereitschaft, jugendlichen Flüchtlingen in ihren Betrieben eine Chance zu geben, die Arbeit der Integrationsfachkräfte unterstützen.

Dass die Mitarbeiter im Jobcenter trotz der Herausforderungen, die mit der Flüchtlingsarbeit zu bewältigen sind, auch die Aufgaben des regulären Tagesgeschäfts meistern, untermauert laut Hofmann die Statistik: So haben im vergangenen Jahr mit insgesamt knapp 3000 vom Jobcenter betreuten Arbeitslosen fast so viele eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden wie im Vorjahr, knapp ein Fünftel davon war jünger als 25 Jahre.

Die Zahl der Menschen, die länger als zwei Jahre Arbeitslosengeld II beziehen (Langzeitleistungsbezieher), nahm im Vergleich zum Vorjahr um über 200 Personen ab.

22 junge Erwachsene ohne Berufsabschluss begannen im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Jobcenters eine betriebliche Ausbildung. »Zukunftsstarter« heißt diese bundesweite Kampagne, in deren Rahmen seit 2013 in Gießen knapp 100 Menschen zwischen 25 und 35 Jahren ein Ausbildungsplatz vermittelt wurde. Über 1000 Arbeitslosengeld-II-Empfänger nahmen zum Stichtag 31. Dezember 2016 an einer Maßnahme der Arbeitsmarktförderung teil.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitslosengeld
  • Jobcenter
  • Jobcenter Gießen
  • Wolfgang Hofmann
  • Gießen
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos