05. Juli 2017, 17:55 Uhr

Lutherweg

Jetzt geht’s rund im Osten – des Kreises Gießen

Ein Projekt von Kirche, Kreis und Kommunen ist der neue »LutherRUNDweg«. Er verknüpft die über Lich und Hungen führenden beiden Lutherweg-Schleifen und ist nicht nur etwas für Pilger.
05. Juli 2017, 17:55 Uhr

Ob Luther einen Blick für die Sehenswürdigkeiten des Gießener Landes hatte, als er hier vorbeikam, 1521, auf der Fahrt nach Worms und zurück? Und kannte sein Kutscher überhaupt den Weg, nahm er den über Lich oder jenen über Hungen, über die alte Handelsstraße »Kurze Hessen«? Fragen, auf die es bis heute keine Antwort gibt.

Sei’s drum. Zumal: Die ungelöste Routenfrage beschert den Nachgeborenen jetzt eine attraktive Wanderroute, den »LutherRUNDweg« als Verknüpfung der beiden Schleifen des Pilgerwegs zwischen Lich, Laubach und Hungen.

Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Der 41 Kilometer lange, aber auf fünf Etappen unterteilte Weg bietet für jeden etwas. Zunächst jenen Menschen, denen es ums spirituelle Erlebnis geht, die sich auf Wunsch auch der Dienste eines von drei Pilgerführern bedienen können. Zielgruppe sind nicht minder alle, die »nur« Interesse an einer aktiven Freizeitgestaltung, am Naturerlebnis oder kulturellen Kleinoden haben. Auf dass niemand die Orientierung verliere, gibt’s eine reich bebilderte Karte, mit Informationen zu den Ortschaften am Wegesrand, den Kirchen, der Geschichte dieses Landstrichs. Gestern nun wurde die Karte in Kloster Arnsburg vorgestellt. Also dort, wo Luther vor 496 Jahren vorbeikam – vermutlich.

Der »LutherRUNDWeg« ist Ergebnis einer breiten Kooperation unter Federführung von Doris Wirkner (Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung). Beteiligt waren die ev. Gemeinden der Dekanate Grünberg und Hungen, die AG Tourismus der Teilraum- Ost-Städte, der Landkreis sowie der Verein »Lutherweg 1521«. Wie Wirkner vor den Gästen der Präsentation in der Paradieskapelle hervorhob, biete das Projekt mehrere Chancen: Zum spirituellen Anliegen trete so der »Tourismusfaktor« hinzu, also das Bewerben der Region, seiner Sehenswürdigkeiten, seiner Gastronomie.

Alle Potenziale auf einen Blick

Die Karte mache diese »Potenziale auf einen Blick sichtbar.« Was nur möglich geworden sei, weil die Akteure aus unterschiedlichen Blickwinkeln Angebote und Interessensgebiete dargestellt hätten. »Der Lutherweg«, so Wirkner, »ermöglicht, sich auf die Spuren von 500 Jahren Geschichte und konfessioneller Entwicklung zu begeben.« Insbesondere also im Ostkreis Gießen, wo er für Urlauber attraktive Ziele mit den spirituellen Anliegen des Pilgerwegs verbindet. Neben dem Rundweg wurden daher auch Grünberg und Laubach (beide haben seit jeher die höchsten Übernachtungszahlen) mit »Stichwegen« einbezogen. Letzteres ob seiner Bedeutung für die regionale Reformationsgeschichte, der hier früheren Einführung des Protestantismus dank der Freundschaft des Grafen mit Melanchthon.

Die auch ökonomisch wachsende Bedeutung des Fremdenverkehrs stellte Landrätin Anita Schneider heraus. Zwar sei das Gießener Land nicht der Schwarzwald und nicht das Allgäu, doch es habe viel zu bieten, verbinde wunderschöne Natur, Wanderwege und »unglaublich viel Geschichte«. Das neue Projekt, zumal ob des Bezugs zum Reformationsjubiläum, stärke dieses Potenzial. Dass dieser Wirtschaftssektor auch in der hiesigen Region wachse, machte sie anhand von Zahlen deutlich: Gegenüber 2005 seien so die »tourismusinduzierten Einnahmen« von 30 auf 50 Millionen Euro gestiegen, die Zahl der Arbeitsplätze von 1650 auf 2500.

Was wohl Luther sagen würde

Beim Pilgern sei viel Neues zu entdecken, »manchmal auch über sich selbst«, meinte der Grünberger Dekan Norbert Heide. »Mag sein, dass auch Luther damals zu sich selbst gefunden hat: ›Jawoll, ich stehe da und kann nicht anders‹.«

Schaute der jetzt gerade aus dem Himmel auf Kloster Arnsburg herab, vernähme dabei all die Diskussionen um die richtige Route, so Heide mit einem Schmunzeln, so würde Luther wohl zu sich selbst sagen: »Hätte ich das bloß gewusst, ich wäre wohl anders gegangen...«

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