Kreis Gießen

Ja zum sozialen Wohnungsbau

Die Gründung einer Gesellschaft »Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen« nimmt Fahrt auf. Nur knapp 14 Tage nach dem Beschluss im Kreistag haben sich etliche Städte und Gemeinden auf den Weg gemacht. Der Kreis wird 51 Prozent an der Gesellschaft halten, die Kommunen teilen sich den Rest. In Lich ist es beschlossene Sache. Heuchelheim und Langgöns haben es in der Beratung der Gremien. Aus Staufenberg, Buseck und Wettenberg gibt es positive Signale. Rabenau, Grünberg und Laubach hatten ähnlich wie Langgöns schon vor Monaten Zustimmung signalisiert, auch wenn die Gesellschaftsform da noch nicht feststand.
17. März 2017, 19:36 Uhr
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Sozialer Wohnungsbau respektive bezahlbarer Wohnraum (hier ein Beispiel aus Wißmar) fehlt im Kreis. (Archiv-Foto: so)

Die Gründung einer Gesellschaft »Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen« nimmt Fahrt auf. Nur knapp 14 Tage nach dem Beschluss im Kreistag haben sich etliche Städte und Gemeinden auf den Weg gemacht. Der Kreis wird 51 Prozent an der Gesellschaft halten, die Kommunen teilen sich den Rest. In Lich ist es beschlossene Sache. Heuchelheim und Langgöns haben es in der Beratung der Gremien. Aus Staufenberg, Buseck und Wettenberg gibt es positive Signale. Rabenau, Grünberg und Laubach hatten ähnlich wie Langgöns schon vor Monaten Zustimmung signalisiert, auch wenn die Gesellschaftsform da noch nicht feststand.

Mit rund 1,2 Millionen Euro Startkapital soll die Gesellschaft ausgestattet werden, die interkommunal steuernden, koordinierenden Charakter haben soll, um vergleichbare Lebensverhältnisse in der Region zu schaffen. Weniger daran gedacht ist, dass die Gesellschaft selbst ins Immobiliengeschäft einsteigt.

Bemerkenswert dabei: Im Kreistag hat die oppositionelle CDU gegen die Gesellschaft gestimmt und deutliche Bedenken formuliert. In manchen Kommunen sehen das die Christdemokraten anders: In Lich wird der Plan von der großen Koalition getragen; und auch in Heuchelheim warb der CDU-Bürgermeister Lars Burkhard Steinz am Donnerstag vor Gemeindevertretern im Fachausschuss für den Beitritt zur Gesellschaft. Im Kreistag hatte sich der Heuchelheimer an der Debatte nicht beteiligt und des Votums enthalten, indem er an der Abstimmung nicht teilnahm. In Heuchelheim warb Steinz für die Idee (»kann die gleiche Erfolgsgeschichte werden wie Breitband Gießen) – mit dem Ergebnis, dass die CDU-geführte Koalition (mit Ausnahme der FDP) und die Opposition für den Beitritt zur GmbH stimmen.

Auch der Gießener Mieterverein begrüßt die Wohnungsbau-GmbH: »Die Diskussion in Lich und anderen Kreiskommunen über die Frage eines Beitritts zu der Gesellschaft »Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis« ist erfreulich. Sie zeigt, dass dringender wohnungspolitischer Handlungsbedarf besteht, um den Mangel an bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnungen in etlichen Gemeinden, vor allem im Speckgürtel um Gießen herum, zu beseitigen«.

Viele Jahre hätten sich die Gemeinden im Kreis »bequem auf die Stadt Gießen verlassen«, beklagt Stefan Kaisers, Vorsitzender des Mietervereins. Menschen, die sich auf dem freien Wohnungsmarkt ohne öffentliche Unterstützung nicht selber versorgen können, wurden an die Stadt Gießen mit ihrem großen Bestand an Sozialwohnungen »weitergereicht«. Selber hätten die Kreiskommunen so gut wie keinen öffentlich geförderten Wohnungsbau betrieben. Das räche sich nun, »denn die Nachfrage nach preiswerten Wohnungen steigt«, sagt Kaisers. Viele Baugenossenschaften im Kreis hätten keine Anstrengungen unternommen, um zusätzlichen günstigen Wohnraum zu errichten, weil sie nur Bestandspflege betrieben. Kaisers plädiert zudem für eine »Sozialquote«, um so private Bauträger zu verpflichten, anteilig öffentlich geförderte Wohnungen zu bauen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Ja-zum-sozialen-Wohnungsbau;art457,226849

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