07. Mai 2019, 22:21 Uhr

"Ist es uns das wert?« - Laubach diskutiert über die Zukunft seiner Bäder

Ist es uns das wert?« - eine Frage, die Laubachs Politiker umtreibt. Ein erstes Konzept weist für die Freibadsanierung Kosten von 4,2 Millionen aus. Eine günstigere Alternative liegt vor, stößt aber auf Skepsis.
07. Mai 2019, 22:21 Uhr

Ist es uns das wert?« - eine Frage, die Laubachs Politiker seit dem Vorjahr umtreibt. Worum es geht: Das Konzept der Bäderarchitekten von »balneatechnik« (Variante 1) weist für die dringende Sanierung des Freibads Kosten von rund 4,2 Millionen Euro aus. Nach Abzug der insgesamt 3,3 Millionen an Landesmitteln verbliebe ein kreditfinanzierter Eigenanteil von rund 900 000 Euro.

Womit der Zuschussbedarf für Frei- und Hallenbad weiter anstiege. Die Unternehmensberatung Altenburg kalkuliert mit einer »massiven Erhöhung«: Ausgehend von einer Million Förderung sollen die Vollkosten (inkl. Zinsen und Abschreibung) 575 000 statt bisher 404 000 Euro betragen. Ohne diese kalkulatorischen Kosten liegt das Minus derzeit zwischen 250 000 und 300 000 Euro im Jahr. Ein vergleichsweise sehr guter Wert.

Angesichts besagter Summen war die Unternehmensberatung Altenburg im Herbst zunächst mit einem Wirtschaftlichkeitsgutachten beauftragt worden. Seit zehn Wochen liegt es vor (GAZ vom 15. Februar). Vor großer Zuhörerkulisse stellte Altenburg-Geschäftsführer Marco Steinert am Montag nun sein Gutachten im Rathaus vor. Und stieß auf große Skepsis, vor allem bei Nutzern des Bades, bei Vereinen und Schulen.

Vorweg die wesentlichen Ergebnisse der Berater: Die Investitionskosten bei Variante 1 - Techniksanierung, Edelstahlwanne im Becken, Trennung Nichtschwimmerbereich mit Mittelsteg, neuer Kleinkindbereich, Breitrutsche und moderne Umkleide - fielen viel zu hoch aus. Nicht zuletzt wegen der Preissteigerungen käme man tatsächlich auf fünf Millionen, müsste Laubach 1,8 Millionen fremdfinanzieren. Zudem würde ein »veraltetes Betriebstypenkonzept« fortgeschrieben, das nicht der Nachfrage entspreche, die Besucherpotenziale nicht ausschöpfe. Daher die Empfehlung für ein völlig anderes Konzept, ein »Allwetterbad« (Variante II). Eckdaten sind hier eine ganzjährige Öffnung des Hallenbads (bislang im Sommer dicht). Samt Ergänzung um einen Kinderbereich von 30 Quadratmetern, bei Kosten von rund 500 000 Euro, um so für Familien attraktiver zu werden. Erwartet wird ein Besucherplus gegenüber Variante 1 von rund 6000; dies auch wegen der Bademöglichkeit für Freibadgäste bei »Mischwetter.« Insgesamt rechnet man mit 68 400 Besuchern.

 

Abwanderung der Jugend befürchtet

 

Das Freibad hingegen würde verkleinert, Springer- und Tiefenzone zurückgebaut. Hier kommt es laut Gutachten ohnedies zu Nutzungskonflikten zwischen Schwimmern und der jüngeren »Spaßfraktion«. Das Altenburg-Konzept weise beiden Gruppen einen eigenen Bereich zu, hier das Sportbad unter Dach, da das Erlebnisbad im Freien.

Ein Hauptargument der Wirtschaftsprüfer für ihr Konzept »Allwetterbad« sind die Kosten. Vor allem dank Verkleinerung des Freibads lägen die bei 3 Millionen Euro, 2 weniger als bei der Variante 1. Nach Abzug der Landesmittel - 1,17 Millionen aus dem Schwimmbadförderprogramm »SWIM« und 2,2 Millionen aus der »Hessenkasse« - bliebe da sogar noch ein Überschuss von 200 000 Euro. Fazit: »Ein Allwetterbad realisiert bei geringeren Investitions- und Folgekosten ein deutlich besseres Kosten-/Nutzen-Verhältnis«. Der Zuschuss je Besucher betrüge 6,36 statt 10,15 Euro, wobei eine Eintrittserhöhung um 50 Cent eingepreist ist.

Der Kreis hat »Laubach« auf Platz1 der Prioritätenliste des Förderprogramms »SWIM« gesetzt, die Stadt kann daher mit einem Zuschuss von 1,17 Millionen rechnen. Dies habe seinen Grund in der überregionalen Bedeutung als Hessisches Wassersportzentrum und fürs Schulschwimmen, bat Kreisbeigeordnete Dr. Schmahl zu bedenken. Und auch, dass das Land nachschaue, was mit seinem Geld passiert. Und auch darin waren sich Sprecher des Jugendgästehauses bzw. Wassersportzentrums, der Grundschule Grünberg, der Gesamtschule und des Tauchclubs Laubach sowie der Schwimmmeister einig: »Wir brauchen ein Freibad mit Tiefen- und Sprungbereich, ob nun für Schwimmabzeichen oder Tauchausbildung.« Weiter: Gerade die Jugend würde das Bad ohne Sprungturm meiden, der Verlust wöge am Ende schwerer als der Zuwachs in der Halle. Wie meinte ein Redner zu einem nur 300 qm großen, 65 bis 135 cm flachen Freibad: »Im Sommer gibt’s dann nur Stehplätze. Das wäre bloß noch eine große Badewanne.«

Steinerts Präsentation war eingebettet in eine HFA-Sitzung. Das Schlusswort des Vorsitzenden Hartmut Roeschen (SPD) dürfte diesmal auf ungeteilte Zustimmung gestoßen sein: »Diese Investitionsentscheidung wird uns auf Jahre hin binden.« (tb/Foto: tb)

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