Kreis Gießen

Innung befürchtet Mitgliederschwund

Die allgemeine Konjunktur ist mehr als befriedigend und kommt auch dem Malerhandwerk zugute. Die Betriebe sind»sehr gut ausgelastet und beschäftigt«, sagte Obermeister Hartmut Gall aus Langd in seinem Bericht vor der Versammlung der Malerinnung im Alten Schloss in Gießen. Besonders die Ausbauarbeiten bei den Neubauten laufen gut – hier sind auch die Maler gefragt.
05. April 2017, 19:34 Uhr
Franz Ewert
sued_Malerinnung_Ehrungen_s
Ehrung bei der Malerinnung Gießen: (v. l.) Markus Jung (stellvertretender Obermeister), die Ausgezeichneten Harald Gans und Martin Sieg und Obermeister Hartmut Gall.

Die allgemeine Konjunktur ist mehr als befriedigend und kommt auch dem Malerhandwerk zugute. Die Betriebe sind»sehr gut ausgelastet und beschäftigt«, sagte Obermeister Hartmut Gall aus Langd in seinem Bericht vor der Versammlung der Malerinnung im Alten Schloss in Gießen. Besonders die Ausbauarbeiten bei den Neubauten laufen gut – hier sind auch die Maler gefragt.

Schwieriger dagegen sieht es auf dem Feld der Altbausanierung aus. Obwohl das Potenzial an sanierungsfähigem und sanierungsbedürftigem Altbautenbestand in Stadt und Land groß ist, »dümpelt die energetische Sanierung auf mittlerem bis niedrigem Niveau vor sich hin«, sagte Gall. Verantwortlich dafür seien vor allem die derzeit niedrigen Energiepreise, die den Druck zur Sanierung von den Hauseigentümern nehmen. Hinzu komme, dass der Altbau im Falle von Sanierungsarbeiten durchaus Risiken berge, was die unklare Bausubstanz und in deren Folge eventuelle Mehrkosten betreffe, in vielen Fällen rede auch der Denkmalschutz mit. Das alles falle bei Neubauten weg.

Flüchtlinge motiviert

Der Maler- und Lackiererinnung Gießen gehören aktuell 67 Mitglieder an. Hinzu kommen drei Gast-, fünf Ehren-, zwei Alters- und zehn Fördermitglieder. Damit ist die Mitgliederzahl um zwei gesunken, in einem Fall durch den Unfalltod eines Prüfungsausschussmitglieds, dessen die Versammlung in besonderer Weise gedachte.

Grundsätzlich wird es laut Obermeister schwierig, neue Innungsmitglieder zu gewinnen. Er befürchtet einen weiteren Schwund. Mittlerweile begännen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente zu gehen. In vielen Fällen würden dann die betroffenen Betriebe schließen, weil Nachfolger – aus der Familie wie von externen Betriebsübernehmern – fehlen. Diese Entwicklung treffe aber nicht nur das Malerhandwerk, sondern praktisch alle Gewerke.

Nach einem Jahr Pause nahm die Malerinnung wieder mit einem Gemeinschaftsstand an der Bauexpo in Gießen teil – mit einer positiven Bilanz. Ein Gemeinschaftsstand – mehr als ein Dutzend Betriebe brachten sich ein – bringe gegenüber der Teilnahme einzelner Betriebe an der größten Baumesse Hessens erhebliche Vorteile, atmosphärischer wie finanzielle Art. Die Versammlung beschloss die weitere Teilnahme der Innung, allerdings in einem zweijährigen Rhythmus. Das nächste Mal also 2019 zur 25. Ausgabe der Baumesse. Bis dahin soll ein neues Konzept zur Attraktivitätssteigerung des Gemeinschaftsstandes erarbeitet werden.

Steffen Weber, »Arbeitsmarktlotse U 27« beim Jobcenter Gießen, beleuchtete unter dem Titel »Heute Flüchtling – übermorgen Fachkraft« in Rückblick und Perspektiven ein seit zwei Jahren besonders gefragtes Arbeitsfeld seiner Behörde. Von rund 19 000 Kunden aus Stadt und Landkreis – Empfänger von Arbeitslosengeld II, landläufig als »Hartz IV« bezeichnet – des Jobcenters sind 3700 zwischen 17 und 25 Jahre alt, darunter zunehmend auch Flüchtlinge. Ziel der Arbeit des Jobcenters sei es, diesen dauerhaft aus dem Bezug heraus- und in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse hineinzuhelfen. Dazu stehen zahlreiche Möglichkeiten von Vermittlung und Förderung sachlicher und finanzieller Art bereit. Bei jungen Flüchtlingen, die Weber als »in der Regel« willig und motiviert beschrieb, stehe das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund, um danach über Praktika in Ausbildung zu kommen. Das alles sei möglich und machbar, benötige aber viel Zeit. Weber dankte allen Betrieben, die sich in unterschiedlicher Weise in der Integration junger Flüchtlinge durch Ausbildung und Arbeit engagierten.

Im Rahmen der Innungsversammlung zeichneten Obermeister Hartmut Gall und sein Stellvertreter Markus Jung namens der Handwerkskammer Wiesbaden mit Harald Gans (Oppenrod) und Martin Sieg (Ober-Bessingen) zwei Kollegen für ihr 25-jähriges Meisterjubiläum aus. (Foto: sel)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Innung-befuerchtet-Mitgliederschwund;art457,236836

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung