Kreis Gießen

In zehn Jahren 3000 Waldbestattungen in Laubach

In Sachen Waldbestattungen war Laubach hierzulande der Vorreiter. Zehn Jahre nach seiner Einweihung ist der RuheForst Vogelsberg fast voll belegt.
25. Juni 2018, 12:00 Uhr
Constantin Hoppe
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Parforcehorncorps »Hoher Vogelsberg« (Foto: con)

»Unter allen Wipfeln ist Ruh’« – Vögel zwitschern, Wind rauscht in den Blättern, irgendwo knackt ein Ast. Im Wald kann man zur Ruhe kommen. Hier stört kein Straßenlärm, man trifft wenige Wanderer oder Spaziergänger. Eine einzelne Frau steht an einem Baum, berührt vorsichtig den Stamm, verharrt kurz und wendet sich nach einigen Augenblicken wieder ab, verlässt das Waldstück und nimmt ihre Erinnerungen an eine geliebte Person mit. Szenen wie diese spielen sich seit nunmehr zehn Jahren beinahe täglich im Laubacher Ruheforst ab.

 

Bislang über 3000 Bestattungen

 

Die letzte Ruhe in der natürlichen Umgebung des Waldes zu finden, ist für viele Menschen ein schöner Gedanke. »Man kann an das ewige Leben glauben, wenn man sieht, wie junge Bäume unter den größeren Bestattungsbäumen sprießen«, sagte der Geschäftsführer der RuheForst GmbH, Jost Arnold, am Samstag bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Laubacher Bestattungswaldes. Inmitten des Laubacher Forsts fand ein ökumenischer Gottesdienst unter Leitung des evangelischen Pfarrers Stephan Ebelt sowie des katholischen Pfarrers Clemens Matthias Wunderle statt.

Seit 2008 finden Bestattungen im Laubacher RuheForst statt – damals noch Vorreiter im Gießener Land. Bislang zählte man bereits über 3000 Bestattungen und mehr als 10 000 Reservierungen. Auch wenn manche diese Zahl nicht gerne hören. »3000 Bestattungen – das hört sich alles so industriell an«, sagte Michael Köppen, der Verantwortliche der Stadt Laubach für die Waldbestattungen, im Gespräch mit der GAZ. »Wir beachten aber jeden individuell; das hat nichts mit irgendeiner Massenabfertigung zu tun.«

Und Bürgermeister Peter Klug ergänzt: »Uns ist bewusst, dass unser RuheForst viel mehr ist als ein Bestattungswald. Er wird getragen von der Schönheit unseres Waldes, aber auch von den betrauten Mitarbeitern, die ich an dieser Stelle ebenfalls willkommen heißen möchte, die ein hohes Maß an Sensibilität und Servicebereitschaft und den pietätvollen Umgang mit den Trauernden hier besitzen.«

Zweite Erweiterung steht an

Das Modell der Waldbestattungen wird derzeit immer gefragter. Auch die Grabpflege spielt dabei eine wichtige Rolle, denn diese übernimmt im RuheForst Mutter Natur. Der 2008 eingeweihte RuheForst Vogelsberg ist mittlerweile mit seinen 13,5 Hektar fast voll belegt. Im Jahre 2014 wurde daher der RuheForst Buchwald mit aktuell vier Hektar Größe in Betrieb genommen. Auch dort steht in den nächsten zwei Jahren eine Erweiterung an.

Die Feststunde am Samstag im Wald wurde neben Gottesdienst und den Grußworten der Verantwortlichen durch die Mitwirkung des Posaunenchors Laubach und dem Parforcehorncorps »Hoher Vogelsberg« musikalisch umrahmt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-In-zehn-Jahren-3000-Waldbestattungen-in-Laubach;art457,450001

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