29. Januar 2018, 13:00 Uhr

Von oben

In Appenborn wird jetzt getöpfert

Das Hofgut blickt auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Früher standen Kühe, heute steht Keramik im Mittelpunkt des dortigen Geschehens. Mehr in unserem Serienteil "von oben".
29. Januar 2018, 13:00 Uhr
Seine Ursprünge reichen mindestens ins Jahr 1706 zurück, heute gehört es zum Rabenauer Ortsteil Odenhausen: das Hofgut Appenborn des Grafen von Schwerin. (Foto: Henß)

Von oben

In unserer Serie »von oben« präsentieren wir Fotos, die Luftfotograf Manfred Henß aufgenommen hat. Unsere Leser erhalten dadurch beeindruckende neue Blickwinkel ihrer Heimat aus der Vogelperspektive.

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»Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, da meine Mutter dreinmal im Jahr die Sauen nach Appenborn trieb«, erzählt der Odenhäuser Günther Krug (65). Immerhin anderthalb Kilometer betrug die Strecke, immer querfeldein, Viehtransporter gab es noch nicht. Ziel der Frau wie vieler anderer Bauersleut aus dem Dorf war das Hofgut Appenborn. Dort nämlich stand der Gemeindeeber, wartete im Faselstall auf »Kundschaft«.

Gut 50 Jahre ist das nun her. Und besagter Eber, seine Nachfolger wie auch die ungezählten Muttersäue sind längst zu Wurst geworden.

Das Gut Appenborn, um das es heute in unserer Serie »von oben« geht, dient bereits sei Langem nicht mehr der Landwirtschaft. In der 80ern, so Odenhausens früherer Ortsvorsteher Krug, endete die jahrhundertealte bäuerliche Tradition. Die Familie Welker, schon vor dem Krieg Pächter des Anwesens des gräflichen Hauses Schwerin, stellte den Betrieb ein. Wie so viele Landwirte. Krug schätzt den Besitz auf stolze 80 Hektar, heute werde das Land werde von Bauern der Umgebung bestellt.

 

Keramikmarkt an Pfingsten

Auf dem Gut und in der Mühle jenseits der Landstraße nach Weitershain wohnen inzwischen drei Familien. Scheunen und Nebengebäude werden anderweitig genutzt, kaum mehr etwas erinnert an Schweine, Pferde und Kühe, die dereinst das Bild bestimmten. Ein geschäftiges Treiben, das vor allem die Dorfjugend lockte: »Wir sind als Kinder öfters mit dem Rad hingefahren«, erzählt Günther Krug. Einer dieser Ausflüge, genauer ein Pferdebiss hat bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nicht anders, wenn auch in anderem Sinne, dürfte es sich bei einem gewissen Rainer Maria Rilke verhalten haben. Bekanntlich weilte der Anfang des 20. Jahrhunderts auf Einladung von Luise Gräfin von Schwerin geb. zu Rabenau auf Schloss Friedelhausen nahe Lollar. Wiederholt unternahmen der Dichter und seine Entourage Landpartien, die ihn 1906 auch ins gräfliche Hofgut nach Appenborn führten.

Der Stammsitz einer Linie der Adelsfamilie Nordeck zur Rabenau, erbaut ums Jahr 1706, war damals bereits einen Ausflug wert. Der Herrenhof mit Freitreppe und eichenen, alten Säulen wie auch der Wirtschaftshof, oder die damals noch klappernde Mühle haben dem Dichter gewisse einiges an Inspiration beschert. 104 Jahre später, und der einstige Bauernhof bot erstmals und seither stehts aufs Neue kreativen Geistern eine Fülle an Anregungen: Seither nämlich ist das Hofgut Schauplatz eines großen Keramikmarktes.

 

Veranstaltungen stehen an

Karl-Heinz Till, der das Haupthaus des Gutes bewohnt und dort auch seine Töpferwerkstatt hat, lädt mit Kollegen dazu ein. Warenangebot, musikalisches Rahmenprogramm und allein das ländliche Idyll üben ein immense Anziehungskraft aus. »Bei gutem Wetter«, so Till, »sind es bis zu 2500 Besucher.«

Das dürfte heuer nicht anders sein, wenn es heißt: »durchgebrannt, Teil 9«. Keramik mit all ihren facettenreichen Ausführungen stehen am Pfingstsonntag, 20. Mai, im Fokus. Über 30 professionelle Werkstätten aus halb Deutschland, aus Italien und den Niederlanden stellen ihre Arbeiten vor. Und zeigen überdies, wie diese entstehen: Zu den Vorführungen zählen nicht nur das Drehen des Werkstücks an der Töpferscheibe, sondern etwa auch das Brennen in einem »Raku-Ofen«.

Wer sich für ein uraltes Handwerk, das doch langsam in Vergessenheit zu geraten droht, interessiert, der sollte sich bereits jetzt den »Tag der offenen Töpferei«Samstag und Sonntag, den 10./11. März, vormerken: In einem Freibrand-Keramikofen zeigt dann Karl-Heinz Till, wie nur mit Holz eine Brandtemperatur von 1400 Grad zu erreichen ist.

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