Kreis Gießen

Im Vergleich: Krankenstand sehr hoch im Gießener Land

Gießen (no). Betrachtet man die Daten der bei der Krankenkasse DAK Gesundheit in Gießen versicherten Arbeitnehmer, ergibt sich für den Landkreis eine Feststellung, die eigentlich die gesundheitspolitisch Verantwortlichen in der Region beunruhigen müsste: Nirgends in Hessen war im vergangenen Jahr der Krankenstand höher als hier – mit fünf Prozent.
16. Oktober 2015, 19:43 Uhr

Einzig der Kreis Hersfeld-Rotenburg weise eine gleiche quote auf, sagte DAK-Chef Ottmar Hönig am Dienstag während eines Pressegesprächs im Landratsamt. Zum Vergleich: Hessenquote 4,1, Bund 3,9 Prozent.

Die meisten Fehltage ergaben sich, so Hönig, wegen Erkrankung am Muskel-Skelett-System (425 je 100 Versicherte = plus sieben; 60 Prozent davon Rücken), wegen psychischer Erkrankungen (von 256 auf 325 gestiegen), wegen Atemwegserkrankungen (260 statt zuvor 326 / Hönig: »Keine Grippewelle«) und wegen Verletzungen (215 = plus sechs)

Dr. Jörg Bremer, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Gießen, blieb gleichwohl gelassen: Ihn mache der Anstieg bei nahezu allen Diagnosegruppen stutzig. Er sei »vorsichtig bei einer vorschnellen Interpretation dieser Zahlen«, merkte der Amtsarzt kritisch an. Wie zuverlässig seien die Zahlen, fragte er ergänzend, »sind sie repräsentativ«? Beim Betrachten von Statistiken sei man »gut beraten, sich die Basiszahlen anzuschauen«. Wäre es tatsächlich so, dass die höchste Krankheitsrate hessenweit hier zuträfe, »dann müssten wir uns ernsthaft Gedanken machen«. Er habe da so seine Zweifel, merkte Bremer an. Auf Nachfrage sagte er zudem, dass er das Plus bei den psychischen Erkrankungen – gemeint vor allem Depression, Angststörungen und Süchte – nicht in erster Linie auf mehr Erkrankte zurückführe sondern auf eine Zunahme der Diagnose. Bei 8,5 von 100 der bei seinem Unternehmen versicherten Arbeitnehmern sei eine »psychische Erkrankung« festgestellt worden, ergänzte Hönig. Für durchschnittlich 38 Tage (Vorjahr 33).

Weiter äußerte sich der DAK-Chef über zunehmendes »Hirndoping am Arbeitsplatz«. Hier warnten Bremer und Prof. Dr. Rudolf Stark (Uni Gießen) vor einer irritierenden, wenn nicht gar missbräuchlichen Verwendung des Begriffs.

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