31. Oktober 2018, 21:12 Uhr

Im Ausnahmezustand

31. Oktober 2018, 21:12 Uhr

Auf »Die große Reise« nahm die Initiative Gedankenschiff.de dieser Tage Besucher einer Podiumsdiskussion im Bürgerhaus mit. Initiiert durch Seelsorger und Trauerbegleiter Jürgen Jakob referierten Experten zum Themenbereich »Vorweggenommene Trauer – Betroffene und Familien im Ausnahmezustand«. Wenn im engen Familien- und Freundeskreis die Diagnose »schwere Krankheit« eintrifft, betrifft diese Hiobsbotschaft zwei Seiten. Der Betroffene muss Abschied von vielen Dingen nehmen, welche er aufgrund der Einschränkungen nach und nach nicht mehr umsetzen kann. Die Angehörigen müssen zusehen, wie das geliebte Familienmitglied von der Krankheit gezeichnet ist, wie es langsam dem Lebensende zugeht. Es gilt also zwei unterschiedliche Arten von Bedürfnisse zu befriedigen. Auch ein schwerer Unfall kann Betroffene und Angehörige vor heftige Aufgaben stellen.

Armin Weitzel erzählte als Betroffener im Rollstuhl von seiner heimtückischen Krankheit, eine genetische Störung, die jeden Tag wertvoll erscheinen lässt. Der sportliche Mann musste viele Abschiede hinter sich bringen und seine psychische Lage überwiegend alleine mit sich ausmachen. Anhand einer Bilderausstellung im Foyer erklärte er, wie er das Malen als Therapie nutzte, um von düsteren Bildern zu den heute freundlichen Landschaftsmalereien kommen zu können.

Ebenfalls im Foyer stellte Anja Hardel-Fehrensen unterschiedlich große Klangschalen aus, die sie für die Klangtherapie bei ihren Patienten einsetzt.

Fachlich wurde die rege Unterhaltung von Sabine Moos (UKGM Gießen, Fachärztin für innere Medizin, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Klinik für Psychosomatik) unterstützt. Sie brachte auch Aspekte aus der Organtransplantation mit in den Austausch.

Beate Volbrecht (Fachkrankenschwester, Palliative Care) berichtete von Erlebnissen in Familien, die einen Betroffenen zu Hause pflegen, und von stillen Wünschen, welche möglichst von dem Palliativ-Team umgesetzt werden. Nicole Schnieders (Bereichsleitung Intensivpflege beim Gießener Pflegedienst) stand für Fragen u. a. zu finanziellen Aspekten, die mit Krankenkassen und Patienten geklärt werden müssen, bereit. Initiator Jürgen Jakob (Pohlheim) stellte sein Projekt vor, wonach bereits zum frühen Zeitpunkt in der Krankheitsphase Sterbebegleiter als auch Trauerbegleiter Hand in Hand bei Betroffenen und Angehörigen eingesetzt werden.

Familienbegleiterin Anette Weitzel-Lotz moderierte souverän. Christel Marga und Stephan Jaksch umrahmten den Abend mit Piano und Cello. Im Oktober 2019 wird »Die große Reise« mit einem neuen Thema fortgesetzt (mehr unter www.Gedankenschiff.de).

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