22. Februar 2019, 10:00 Uhr

Fastnacht

Hungener Narren hoch auf dem weißen Wagen

Der Hungener Carneval Verein schickt seine Senatoren auf einem neuen Wagen zu den Faschingszügen in der Region. Das rollende Prunkstück Marke Eigenbau lässt keine Wünsche offen.
22. Februar 2019, 10:00 Uhr

Man gönnt sich ja sonst nichts: Der Hungener Carneval Verein schickt seine Senatoren auf einem neuen Wagen zu den Faschingszügen in der Laubach, Ober-Mörlen und Bellersheim. Das rollende Prunkstück Marke Eigenbau lässt keine Wünsche offen. Auch der TÜV hat sein Okay gegeben.

Hinter Peter Paul und seinen Mitstreitern liegen viele hundert Arbeitsstunden. Nun naht der Tag der Wahrheit: der Termin beim TÜV. Danach werden sie wissen, ob der neue Senatorenwagen des Hungener Carneval Vereins wie geplant am 2. März beim Fastnachtszug in Laubach zum ersten Mal an den Start gehen darf. Senatorensprecher Paul ist zuversichtlich: »Man weiß ja, worauf man zu achten hat.«

 

»Alter Hase« in Sachen Karneval

Der Elektromeister ist in Sachen Karneval ein alter Hase: Seit elf Jahren gehört er zum HCV-Vorstand, er saß im Elferrat, vor sechs Jahren war er Prinz, jetzt ist er Senatorensprecher. Der HCV hat dem gebürtigen Wölfersheimer, der sich vor 20 Jahren in Hungen selbstständig gemacht hat, geholfen, am neuen Wohnort Wurzeln zu schlagen. Die Gemeinschaft im Verein ist ihm viel wert. So viel, dass er seit September praktisch auf jedes freie Wochenende verzichtet hat, damit der HCV einen neuen Wagen bekommt.

Einen, der komfortabel ist. Der nicht jedes Jahr neu aufgebaut werden muss. Und der vor den Augen der Prüfer vom TÜV bestehen kann, denn die nehmen seit einigen alle Motivwagen vor den Faschingsumzügen genau unter die Lupe.

 

Ein neuer Wagen für 3500 Euro

In den vergangenen Jahren rollten Vorstand und Senatoren mit dem ehemaligen Wagen der HCV-Weiber am närrischen Volk vorbei. Das Gefährt war mit Samt beschlagen und musste jedes Jahr wieder neu präpariert werden. »Bretter dran, schmücken und das, wenn man Pech hat, noch bei minus zehn Grad. Darauf hatte ich keine Lust mehr«, erzählt Paul. So nahm das Projekt »neuer Wagen« seinen Anfang. Das Budget, 3500 Euro, kamen durch Spenden der Senatoren und einen Zuschuss des Vereins zusammen.

Drei Männer nahmen die Aufgabe im wesentlichen in Angriff. Paul, der frühere Senatorensprecher Frank Schneider und Emil Weimer, »unser Schweißer.« Auch die Frauen und der 80-jährige Horst Dörr, ein Hungener Urgestein, packten immer wieder mit an. Als Basis diente ein alter Anhänger, den Paul einem Wölfersheimer Landwirt für kleines Geld abkaufen konnte. 200 Euro hat er bezahlt. Vier Monate später ist der Karren nicht mehr wiederzuerkennen. »Wie neu«, findet die frühere Sitzungspräsidentin Britta Ronthaler. Damit es soweit kommen konnte, mussten die Wagenbauer vom HCV den alten Anhänger erst einmal »nackig machen«. »Am Ende waren nur noch die Fläche und die Räder übrig«, erzählt Paul.

 

Extras: Geländer und Wurfkästen

Natürlich wurden wichtige Komponenten wie Achsen, Felgen oder Radlager erneuert. Das ist Standard. Aber es gibt auch spezielle Extras. Zum Beispiel die Eingangstreppe mit Geländer, Wurfkästen für die Kamellen, fest montierte Tische und Bänke oder das Podest, von dem aus Frank Schneider seine Ansagen machen kann. »Wir haben sogar eine Toilette«, erzählt Peter Paul. Wenn man bedenkt, dass ein Umzug gut und gerne zwei bis drei Stunden dauern kann, ist das sicher kein unnötiger Luxus.

Schweißer Weimer hat dafür gesorgt, dass der alte Hänger dank einer Metallkonstruktion auf ein Format von vier auf sechs Meter vergrößert wurde. Wie viele Leute letztlich mitfahren dürfen, wird der TÜV entscheiden. Mehr als die zwölf, die auf den alten Wagen passten,werden es auf alle Fälle sein.

 

Wie beim Auto, nur ohne ASU

Den Aufbau und die aufwendigen Schreinerarbeiten haben die Freiwilligen ganz alleine gemeistert. »Ein Handwerker kann alles«, lächelt Elektrik-Fachmann Paul. Die Vorschriften des TÜV hatten die Aktiven dabei immer im Hinterkopf. »Für die Vereine ist das eine echte Herausforderung«, weiß Britta Ronthaler, der das Jahr 2013 noch in lebhafter Erinnerung ist. Damals mussten wegen der geänderten Anforderungen des TÜV viele die Teilnahme am Gießener Faschingszug absagen. Auch der HCV.

Für den neuen Senatorenwagen steht jetzt sogar die Vollabnahme an. Einige Vorschriften sind sehr spezifisch. Zum Beispiel die maximale Bodenfreiheit von 25 Zentimetern »Damit kein Kind drunterrollen kann.« Andere Dinge kennt man. Die Bremsen müssen in Ordnung sein und die Reifen und die Beleuchtung, Feuerlöscher und Verbandskasten müssen mitgeführt werden. »Wie beim Auto, nur ohne ASU«, sagt der Senatorensprecher.

 

Die größte Hürde ist genommen

Mit seinem Optimismus in Sachen TÜV hat Peter Paul übrigens richtig gelegen. Die Prüfer haben das rollende Prachtstück mittlerweile abgenommen. Jetzt können sich die Hungener nicht nur auf die Jungfernfahrt in Laubach freuen. Auch die Zuschauer in der Karnevalshochburg Ober-Mörlenam 3. März und zwei Tage später in Bellersheim werden den neuen Senatorenwagen zu sehen bekommen. Dann wird auf dem blütenweißen Aufbau auch das diesjährige Kampagnenmotto zu lesen sein: »Lollipop und Zuckerguss – HCV-Fasching ist ein Muss.«

Doch erst einmal wird der bunte Schriftzug aus Styropor noch anderweitig gebraucht: am kommenden Samstag, wenn in der Hungener Stadthalle die große Sitzung des HCV über die Bühne geht.

Es dauert Monate, bis sich der alte landwirtschaftliche Anhänger in einen prächtigen Wagen für die Fastnachtsumzüge verwandelt hat. Zwischendurch müssen sich die Helfer – hier Horst Dörr und Erwin Weimer – auch mal stärken. (Fotos: privat)

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