02. Juni 2019, 19:42 Uhr

Hungen blickt gen Osten

02. Juni 2019, 19:42 Uhr
Tamara Helm erfreut zur Eröffnung der Europawoche mit russischer Folklore. (Fotos: con)

»Vive L’ Europe! Es lebe Europa!« Der Brexit, die fortlaufende Debatte um Flüchtlinge, der offene Dissens wegen des Baus der Nord-Stream 2-Leitung in der Ostsee, die unterschiedlichen Haltungen zu Konflikten an den Grenzen Europas und das schwierige Verhältnis zu Russland: das alles sind Themen, welche die Europäische Union entscheidungs- und handlungsunfähig erscheinen ließen. Umso wichtiger sei es aber, der Europäischen Union nicht den Rücken zu kehren, bekräftigte Bürgermeister Rainer Wengorsch am Freitagabend anlässlich der Eröffnung der 28. Hungener Europawoche. »Es wäre ein historischer Fehler, sich gerade jetzt von diesem Friedensprojekt abzuwenden, denn nachhaltige Problemlösungen können nur gemeinsam erfolgen, auch wenn uns einige Ewiggestrige mit der vermeintlich einfachen nationalen Lösung ködern wollen«, so Wengorsch.

Noch ganz unter den Nachwirkungen der Europawahl vom 26. Mai standen Gäste aus Politik und Kultur. »Wir haben mit Russland ein Gastland ausgesucht, das überhaupt nicht zur Europäischen Union gehört«, erklärte der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Hungen, Dieter Hausotter. Die Verbindung Russlands zu Europa verwundere nur auf den ersten Blick, denn Russland habe über Jahrhunderte auch die europäische Geschichte mitgeprägt«, merkte Kreistagsvorsitzender Karl-Heinz Funck in seinen Grußworten an. Weitere Grußworte kamen von Staatssekretär Dr. Manuel Lösel sowie den Gästen aus Hungens französischer Partnerstadt Saint Bonnet de Mure.

Ludmilla Schwabenland (Klavier) und Natalia Jungmann (Gesang) gestalteten als Duo die musikalische Umrahmung des Programms. Tamara Helm sang beherzt und ausdrucksstark russische Folklore-Lieder.

Im Mittelpunkt stand der Vortrag des Russland-Kenners Prof. em. Adolf Hampel. Unter dem Titel »Noch ist Russland nicht verloren« berichtete er von aktuellen und vergangenen Geschehnissen in Russland, der politischen Situation und möglichen zukünftigen Entwicklungen. »Über seine gesamte Geschichte hinweg mangelt es in Russland an einer demokratischen Ordnung«, sagte Hampel. Korruption durchziehe das gesamte Staatsgebilde, Oligarchen gäben letztlich den Ton an. »In den Jahren von 1990 - unter Gorbatschow und Jelzin - fand zwar eine erste demokratische Entwicklung statt, doch das änderte sich mit dem Machtantritt Putins«. Kritiker würden mundtot gemacht, von Pressefreiheit könne keine Rede sein: Die staatliche Behörde »Roskomnadzor« kontrolliere penibel alle Medien. Nur zwei sind laut Hampel davon ausgenommen: »Die Zeitung Noweja Gazeta, die Gorbatschow gehört, und der Radiosender Echo von Moskau sind frei - aber diese beiden dienen eher dazu, zu demonstrieren, dass es doch eine Pressefreiheit gibt«.

Auch wenn nach Hampels Kenntnissen einiges im Argen liegt, gibt es doch Grund zur Hoffnung: »Gerade solche Dinge wie die Europawoche sind wichtig - so etwas muss sich noch oft wiederholen«. Er mahnte einen Wandel in der Medienlandschaft an: Allzu oft werde nur negativ über Russland berichtet - das müsse sich ändern. Es bedürfe politischer Arbeit, in der gerade Deutschland eine besondere Rolle einnehmen könnte - »denn Deutschland und die Deutschen haben in Russland einen sehr guten Ruf«, sagte Hampel, und: »Ich glaube auch weiterhin an Russland: Russland braucht Europa und Europa braucht Russland«.

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