06. April 2019, 11:06 Uhr

Hundeprofi

Hundeprofi Martin Rütter begeistert in Wetzlar nicht nur Hundebesitzer

In der restlos ausverkauften Arena in Wetzlar war am Freitag Hundeprofi Martin Rütter mit seinem Programm »Freispruch« zu Gast. Dabei gab er zahlreiche Tipps für das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch.
06. April 2019, 11:06 Uhr
Hundeprofi Martin Rütter erklärt in der ausverkauften Arena in Wetzlar, wie man Probleme mit dem Hund angehen und wegtrainieren kann. (Foto: pad)

 

In der Mitte der Bühne steht eine mehrere Meter hohe Figur: Justitia. Neben ihr eine Waage. In der rechten Schale sitzt Emma, die Hündin von Martin Rütter und ein Australien Shepherd Mix, als Stofftier. In der anderen Waagschale liegen mehrere dicke Bücher. Das Bühnenbild soll an einen Gerichtssaal erinnern. Martin Rütter erklärt, wie das Programm unter dem Titel »Freispruch« in Wetzlar verlaufen soll: Er erzählt die Problemgeschichte eines Hundes und wie man dieses Verhalten lösen kann – und das Publikum soll dann entscheiden, ob das Urteil »Freispruch« oder »Tierheim« lautet.

Ganz unvoreingenommen ist diese Jury natürlich nicht: Überall sieht man Handys mit Hunden als Hintergrundbildern, eine Frau hat sich sogar das Foto ihres Welpen auf den Pullover drucken lassen. Doch auch einige Katzen- und Pferdebesitzer sind im Publikum zu finden. Und viele, die einfach Martin Rütters Fernsehsendung auf »VOX« klasse finden.

 

Wenn der Hund nicht hört

 

Im ersten Fall geht es um einen Klassiker: der Hund hört nicht, wenn man ihn ruft. Martin Rütter erklärt, dass die Besitzer oft dieses Verhalten sogar noch unbewusst verstärken. Etwa wenn sie bereits in der Ferne mit dem Leckerli als Belohnung winken. »Der Hund prüft ein Leben lang, ob du was dabei hast.« Stattdessen sollte man warten, bis der Hund direkt bei einem ist, und dann erst in der Tasche zu suchen beginnen. Mal gibt es dann ein Leckerli, mal viele – und mal keines. Der Hund soll denken »wo zwei sind, sind vielleicht auch 37«.

Wenn man ein Problem abtrainieren will, muss die Belohnung das absolute Lieblingsleckerli des Hundes sein. Dieses darf man auch nur für diese Übung verwenden und sonst niemals geben, »damit es sich nicht abnutzt. Das ist auch der Grund, warum Männer so selten Blumen schenken«, scherzt Martin Rütter.

 

Rüde Dagmar

 

Zudem solle man den Hund auch nicht totreden. Hunde würden zunächst über Körpersprache kommunizieren. Die Worte des Menschen selbst verstehen sie nicht. »Du kannst einen Rüden auch Dagmar nennen, das interessiert den nicht.« Vielmehr verknüpft der Hund mit diesem Geräusch eine Bedeutung. Jedoch lerne ein Hund auch auszublenden, wenn mit ihm zu viel geredet wird. »Eine Frau redet dreimal mehr mit ihrem Hund als mit ihrem Ehepartner. Gut, das könnte auch daran liegen, dass der Hund mehr kapiert…“ Martin Rütter berichtet, dass er einen Hund schon einmal umtaufen musste, da dieser seinen Namen komplett ignorierte.

Ein weiteres Problem: Der Hund mag den Postboten nicht. Rütter erklärte, wie es dazu kommt. Der Hund nimmt den Postboten als Eindringling in sein Zuhause wahr – »eine große Frage auch, warum der Hund glaubt, es wäre SEIN Zuhause.« Er bellt ihn an – und dieser geht. Der Hund glaubt, er habe den Fremden vertrieben – und wundert sich, warum der am nächsten Tag wieder kommt. Und wieder. Daraus entstehe Frust – und der Hund denke sich irgendwann: »Na wenn der das so nicht versteht, dann…“ Jährlich habe die Post 11 Millionen Euro Schaden durch Hundebisse zu verzeichnen. Die Lösung sei dabei recht einfach: Man drückt dem Briefträger eine Tüte Leckerlis in die Hand und sagt ihm, er soll jedesmal dem Hund eines zuwerfen. Denn dann sieht der Hund ihn nicht mehr als Eindringling, sondern als Freund, der Futter bringt.

 

Tsunami am Küchentisch

 

Für besonderes Lachen sorgte eine 78 Kilogramm schwere Dogge namens Rudi, die am Küchentisch bettelt und dabei sabbert. »Wie ein Tsunami«, berichtete Rütter die Schilderung der Besitzerin. Das Betteln sei bei Hunden keine Störung, sondern purer Überlebensinstinkt. Bereits als Welpe werde bei der Mutter um fressen gebettelt. »Jeder Hund, der heute noch lebt, muss ein Profi-Bettler sein.« Wenn der Hund nach Hause kommt, hätten die meisten den Vorsatz, ihm nichts am Tisch zu geben – und würden ihn nach ein paar Wochen aufweichen. »Jedoch wird das Betteln dann schnell zum Fordern.« Hier helfe nur eins: Dem Hund nichts am Tisch zu geben. Auch nicht nach ein paar Wochen Abstinenz nur mal eine Kleinigkeit – denn sonst denkt sich der Hund: Ach, ich muss es nur lange genug probieren.

 

Rütter: Schwanzwackeln ist nicht immer Freude

 

Der Hundeprofi räumte nebenbei noch mit einem Missverständnis in der Kommunikation auf. Schwanz wedeln bedeutet nicht, dass der Hund sich freut. »Schwanz wackelt mit dem ganzen Hund, das ist Freude.« Wenn jedoch nur der Schwanz sich bewegt, ist dies Erregung. »Der Hund vorm Mauseloch, der mit dem Schwanz wedelt, denkt sich auch nicht: Juhu, ich lerne die Maus kennen.«

Mit manchen Sätzen spricht er den vielen Hundebesitzern auch aus der Seele: »Der Typ, der sich beim Ordnungsamt den Hundekotbeutel ausgedacht hat – der hat doch bestimmt Zuhause zwei Katzen.« Martin Rütter findet es schon ein wenig ungerecht, dass nur Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere aufsammeln müssen. »Oder habt ihr schon einmal einen Reiter gesehen, der mit dem schwarzen 60-Liter-Müllbeutel vom Pferd steigt, das aufsammelt und dann zwei Stunden damit über der Schulter hinterher läuft?«

Einen Tipp hatte der Hundeprofi noch fürs Gassi gehen: Man muss den Hund und nicht das Smartphone beobachten. »Wir sind mit einem Raubtier unterwegs.« Wenn man verhindern wolle, dass der Hund zu jagen beginnt oder andere ungewollte Dinge tut, muss man dies rechtzeitig in der Körpersprache erkennen und ihn dann mit Alternativen beschäftigen. Wenn man jedoch nur auf das Handy guckt, sieht man davon nichts.

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