03. April 2019, 10:00 Uhr

Holzvermarktung

Holzvermarktung wird für Kommunen im Kreis Gießen deutlich aufwendiger

Städte und Gemeinden müssen den Holz-Verkauf aus ihren Wäldern selbst in die Hand nehmen. Hessen Forst steht nicht mehr zur Verfügung. Nun soll es eine neu gegründete GmbH richten.
03. April 2019, 10:00 Uhr
Holz gibt es genug in den Wäldern, aber es muss auch verkauft werden. (Foto: vh)

Manche Firmen werben mit der Komplettlösung »Alles aus einer Hand«. Hessen Forst, der Eigenbetrieb des Landes Hessen, hat bislang für viele hessische Städte und Gemeinden die Beförsterung, die Forsteinrichtung und den Holzverkauf als Dienstleistungspaket übernommen. Das gab zuletzt Probleme – im Raum stand der Verdacht der Wettbewerbsverzerrung und des Verstoßes gegen das Kartellrecht.

Das Bundeskartellamt hatte sich zu Wort gemeldet und Bedenken artikuliert. Ergo hat Wiesbaden entschieden, dass sich Hessen Forst zum 1. Februar 2019 aus der Vermarktung des Kommunalwaldes zurückzieht und nur noch den landeseigenen Wald (»Staatsforst«) bewirtschaftet. Städte und Gemeinden dürfen weiterhin die Beförsterung (also »Aufzucht und Hege«) und die Forsteinrichtung bei Hessen Forst buchen. Den Holzverkauf aber müssen sie selbst organisieren.

 

Suche nach guter Position am Markt

Da gehen sie unterschiedliche Wege: Biebertal, Wettenberg, Allendorf und Rabenau werden sich der »Holzvermarktung Mittelhessen GmbH« anschließen. Diese neue Gesellschaft wird in Kürze in Solms gegründet.

Aktuell haben 24 Städte und Gemeinden aus dem Lahn-Dill-Kreis und dem Landkreis Gießen Interesse an einer Beteiligung bekundet. Und es könnten noch mehr werden: Auch Reiskirchen und Lich diskutieren den Beitritt zur neuen Gesellschaft.

 

Mehr als 24 Kommunen

Alle 24 Kommunen zusammen verfügen über rund 27 800 Hektar Waldfläche und würden jährlich rund 122 000 Festmeter Holz offerieren können – in dieser Größenordnung hat das eine gewisse Marktmacht. Denn nur so lässt sich Holz wirtschaftlich absetzen; eine einzelne Kommune wäre damit wohl überfordert: Da fehlt das Personal, und es fehlt die Menge, um rentabel zu arbeiten.

Die neue Gesellschaft wird ihre Träger Geld kosten: Rund 250 000 Euro Personalkosten werden für einen Geschäftsführer sowie Verkäufer und Sachbearbeiter anfallen. Das wurde laut der Wetzlarer Neuen Zeitung in einer Bürgermeisterdienstversammlung dargelegt. Hessen Forst hat bislang für die Vermarktung 2,50 Euro je Festmeter bekommen. Das soll nicht teurer werden – weil es erst einmal eine Förderung des Landes gibt.

Ohne Zuschuss liegt der Preis in der Größenordnung von 3,50 bis 4 Euro. Und es zeichnet sich ab, dass Hessen Forst den Preis für die Beförsterung deutlich anheben will. Sollte die neue Gesellschaft das künftig also auch übernehmen? Kann sie das? Das ist noch offen.

 

Das Beispiel Rabenau

Was das konkret bedeutet, zeigt beispielsweise der Blick ins waldreiche Rabenau: Mit einer Waldfläche von 577 Hektar und jährlichen Holzeinschlagsmenge von 2500 bis 3000 Festmetern hätte Rabenau am internationalen Holzmarkt keine Chance. Die Gemeinde muss sich einen Vermarktungspartner suchen. Neben der neuen Gesellschaft wurde diskutiert, sich Lollar, Staufenberg und Buseck anzuschließen, die ihr Holz künftig gemeinsam an den Markt bringen.

Ottmar Lich (FW) stellte am Montag im Finanzausschuss der Gemeinde fest: »Dann hat es die Gemeinde Rabenau mit zwei Partnern zu tun«. Hessen Forst für die Bewirtschaftung, die neue Gesellschaft für den Verkauf. In beiden Fällen rechnet man mit einer Kostensteigerung für die Dienstleistung. Hessen Forst stellt Rabenau die Beförsterung mit rund 40 000 Euro jährlich in Rechnung. Die Gesellschaft erhält pro verkauftem Festmeter Holz den Fixbetrag von 2,50 Euro. Der Rabenauer Bürgermeister Florian Langecker hat sich auch schon Gedanken um die Beförsterung gemacht: Dies ist zu einem späteren Zeitpunkt denkbar, aber momentan kein Thema.

Zudem stellen sich ganz praktische Fragen im forstlichen Alltag: Die Verzahnung der Schnittstelle von Holzlager und -verkauf. Der Revierförster organisiert wie bisher den Holzeinschlag und das Rücken der Bäume oder Abschnitte an befahrbare Waldwege. Dort endet seine Zuständigkeit. Die Organisation der Abfuhr von Lang- und Kurzholz ist künftig allein Sache des Verkäufers, der neuen Gesellschaft also.

Der Revierförster war in der Vergangenheit jeweils der ortskundige Ansprechpartner, der die gelagerte Holzsortierung und -qualität kannte. Künftig müsste ein Sachbearbeiter der Gesellschaft von Solms in die Rabenau fahren. »Das kostet uns gemäß Gesellschaftervertrag 60 Euro«, stellte Edwin Schnell (FW) in der Rabenau resignierend fest. Eine Gewinnerwartung für den Rabenauer Wald ist jedenfalls illusorisch. Bürgermeister Langecker sagte, man müsse mit 20 000 Euro jährlicher Mindereinnahme rechnen. Die Waldrücklage, die früher einen finanziellen Ausgleich geleistet habe, sei mittlerweile dem allgemeinen Haushalt zugeflossen, also nicht mehr vorhanden.

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