21. Oktober 2019, 10:00 Uhr

Weiterbau der A 49

»Hohes Risiko« für Wasserversorgung

Der bevorstehende Weiterbau der A 49 durch Mittelhessen betrifft den Kreis Gießen. Ein entscheidender Aspekt ist die Trinkwasserversorgung. Der Verband der Wasserwerke schlägt Alarm.
21. Oktober 2019, 10:00 Uhr
Im vergangenen Jahr hat der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke rund 1,7 Millionen Euro Gewinn erzielt. (Foto: Fotolia/jozsitoeroe)

Gießen (mö). Nicht nur die heißen Sommer und die Trockenheit stellen die Wasserversorger in Deutschland vor besondere Herausforderungen. In Mittelhessen ist es zudem der Weiterbau der Autobahn 49, der bei den Verantwortlichen des Zweckverbands Mittelhessische Wasserbetriebe für Sorgenfalten sorgt. Für die Trinkwassergewinnung sei das Großprojekt mit einem »hohen Risiko« verbunden, erklärte Karl-Heinz Schäfer, Geschäftsführer des Zweckverbands Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), am Donnerstag bei der Verbandsversammlung in der Gießener Zentrale im Teichweg.

Trinkwasser für 500 000 Menschen

Die rund 30 Kilometer lange Trasse der Autobahn führt durch die Landkreise Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg und stößt bei Gemünden auf die A 5. Berührt von den Arbeiten werden auch Fördergebiete des ZMW, der in Mittelhessen rund eine halbe Million Menschen mit Trinkwasser versorgt, darunter auch in den Städten und Gemeinden des Landkreises Gießen. »Es wird zu Eingriffen in Wasserschutzzonen und Brunnen kommen«, sagte Schäfer. Vor allem durch die tiefe Gründung von Brückenbauwerken werde es Verunreinigungen des Grundwassers geben. Klar sei, dass der ZMW einige Brunnen abschalten müsse. Im Zuge der »Ersatzwasserbeschaffung« würden alte Brunnen ertüchtigt, bei Stadtallendorf werde gerade eine Brunnensammelleitung erneuert, erläuterte Schäfer den Mitgliedern der Verbandsversammlung.

Worst-Case-Szenario

Um die Risiken, auf die der ZMW auch von Geologen hingewiesen worden sei, einzugrenzen, habe man ein »Worst-Case-Szenario« entworfen. Gegenüber der Projektgesellschaft des Bundes für die Autobahnen, Deges, müsse der Verband »klare Sicherheitslinien ziehen«, meinte Schäfer weiter. Im Geschäftsbericht 2017 des Verbands ist von »streitigen Verhandlungen« mit der Bauherrin die Rede, eingeschaltet habe der ZMW das Gießener Regierungspräsodium und das Hessische Umweltministerium.

Etwas verwundert über die Aussagen des Geschäftsführers war der frühere Kirtorfer Bürgermeister Ulrich Künz, der am Donnerstag als stellvertretender Verbandsvorsitzender verabschiedet wurde. »Ich dachte, dass im Planfeststellungsbeschluss eindeutig festgeschrieben ist, welche Risiken es gibt und wer sie trägt. Das sollte doch alles längst in trockenen Tüchern sein«, sagte Künz. Das sei zwar richtig, aber das »wirkliche Leben ist die Baustelle«, antwortete Schäfer. Bei der Sicherheit der Trinkwasserversorgung gehe es um Details. Schäfer: »Da darf kein Bagger an der falschen Stelle stehen und Öl verlieren.« Gleichzeitig stellte der ZMW-Chef klar, dass es nicht die Aufgabe des Verbands sei, sich im Streit um den Weiterbau der A 49 zu positionieren, sondern die Interessen der Trinkwasserverbraucher in Mittelhessen zu vertreten.

Protest von Klima-Aktivisten

Anfang Oktober hatten Klima-Aktivisten bei Dannenrod im Vogelsbergkreis Bäume, die für den Weiterbau der Autobahn gefällt werden sollten, besetzt. Deges hat die Fällung daraufhin um ein Jahr verschoben. Die eigentlichen Arbeiten am letzten Bauabschnitt Schwalmstadt-Gemünden sollen im neuen Jahr beginnen.

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